szmmctag

  • Tunesien - und eine sehr zufriedene Echse

    Nun, da ich in Tunesien angekommen bin, meinen üblichen, ersten Sonnenbrand erlitten habe und stundenlang herumgelatscht bin, ist endlich aus der wütenden Echse ein lächelnder Gecko geworden – den  ich denn auch am Strand unfreiwillig aufgescheucht habe und der in seiner Verzweiflung in eine leere Cola-Dose flüchtete.

    Dem angewachsenen Alter angemessen logiere ich diesmal besonders bequem in einem der berühmt-berüchtigten „Fünf-Sterne-All-Inclusive“ - Hotel und stelle erstaunt fest, wie angenehm doch Luxus sein kann. Man liest mir hier jeden Wunsch von den Lippen ab; jedes Getränk wächst vor mir aus dem Tisch, noch bevor ich ein Verlangen danach verspürt habe. Obschon ich zugeben muss, dass der Kaffee hier grauslich ist.

    Aber zum Wichtigen:
    Entgegen wirklich aller Befürchtungen ist hier im Land alles ruhig und entspannt; auch fernab touristischer Bezirke, denen man noch ein Interesse daran unterstellen muss, eine möglicherweise nicht vorhandene Ruhe vorzugaukeln, läuft das tägliche Leben tatsächlich recht entspannt.
    Dennoch hörte ich aus vielen Gesprächen eine wachsende Unzufriedenheit; in einem Fall zeigte sich ein junger Mann sehr davon überzeugt, dass eine zweite Revolution nicht lange würde auf sich warten lassen.
    Der regierenden, islamischen Partei Ennahda steht bekanntlich Ghannouchi vor, der offenbar auf immer weniger Vertrauen und Zufriedenheit setzen kann. Heute erinnert man sich daran, dass Ghannouchi „Wellness in Britain“ genossen hatte und nach verklingen des letzten Schusses der Revolution plötzlich im Land auftauchte.

    In der Tat: vieles von der Ruhe, der man hier begegnet, ist zwar immer noch echt, aber von einer wohl langsam anwachsenden Spannung begleitet. Je länger das Experiment „Transition“ andauert und keine sichtbaren Erfolge, etwa für eine Verbesserung der Einkommensstruktur, zeitigt, desto gefährlicher kann die Situation in mittelbarer Zukunft werden.
    Allerdings besteht für Ausländer ganz offensichtlich keinerlei Gefahr; nicht nur, dass offenbar alle Menschen in Tunesien begriffen haben, dass Tourismus der Ast ist, auf dem sie sitzen, sondern auch aufgrund für Tunesien völlig normaler, breiter wie tiefer Gastfreundschaft.

    Nun bin ich sowieso irre und würde mich außer von dramatischen Gefahrenhinweisen von keiner irrationalen Furcht davon abhalten lassen, auch durch die einsamsten Gassen zu wandeln – um, möglichst unaufdringlich, einen Blick in das „wirkliche“ Leben erhaschen und mir mein ganz eigenes Bild machen zu können.
    So genieße ich meine Wege durch das wunderschöne Hafenstädtchen mit seinem ganz eigenen Flair; der Ort Mahdia ist eine Perle am Mittelmeer, hat eine ganz großartige Architektur und, für mich ganz persönlich, noch eine Kirsche auf dem Sahnehäubchen zu bieten – denn von Mahdia zogen im zehnten Jahrhundert Muslime aus, um aus dem ägyptischen Städtchen Fustat die Metropole Kairo zu gründen.

    Würde mich meine doch arg verbrannte Nase nicht zur Vorsicht zwingen und mir (zumindest) einen Tag Sonnenabstinenz abverlangen, so wäre ich zu dieser augenblicklichen Zeit bereits wieder auf meinem Weg zum Cap d'Afrique; dort würde ich wie in den vergangenen Tagen ein Päuschen einlegen und dann zum Place Cairo wandern, wo man einen wunderbaren Pfefferminztee serviert.

  • Ungarn, Deutschland - Eure Geschmacklosigkeiten

    Mir ist vollkommen schleierhaft und tatsächlich nicht im Ansatz verständlich, weshalb sich nun halb Europa mit Deutschland an der Spitze so unglaublich über ungarischen Antisemitismus aufregt.

    Denn erstens ist dies überhaupt gar keine neue Entwicklung, weder die Idee der Regierung noch eine Erfindung interessierter Kreise, sondern ein bereits seit längerem anhaltender Trend mit leichter Aufwärtsbewegung.
    Zweitens liefern Untersuchungen und Umfragen auf hohem Niveau, angeregt und analysiert vom Europarat, in Bezug auf die meisten Mitgliedsstaaten Europas mindestens ebenso erschreckende Erkenntnisse.
    Gerade Deutschland hat sich wegen seiner latenten Ausländerfeindlichkeit samt einschlägiger, brutaler wie blutiger Übergriffe erst kürzlich den Vorwurf eingefangen, ein Problem mit Menschenrechten zu haben.
    In Frankreich notiert man momentan einen Anteil von 20 Prozent schwerer und schwerster Ausländerfeindlichkeit - mit Schwerpunkt Islamophobie und, wie in Deutschland, eine rasant ansteigende Zahl gefährlicher und blutiger Übergriffe.

    Wenn sich also nun europäische Staaten wegen des ungarischen Antisemitismus aufregen, ist dies nichts als eine konzertierte Ablenkungsaktion. Man zeigt eben viel lieber auf das vollgekotzte Hemd des Gegenübers als auf die eigene, dreckige Unterhose.

    Deutschland genehmigt sich in Bezug auf Muslime etwa eine nicht minder peinliche "Diskussion" in Verbindung mit tatsächlich öffentlich eingelegten "Argumenten", die nichts anderes sind als faschistisches Geschreie und krankhafte Überlegenheitsgefühle, wie wir sie aus dunkelsten, nationalsozialistischen Zeiten kennen. Wir Deutschen sollten eigentlich wissen was das heißt und wohin das führt, wenn wir ungestraft vor der Weltöffentlichkeit von der "Produktion von Kopftuchmädchen" sprechen (lassen) und uns einen Innenminister gönnen, dessen Islamhass sprichwörtlich ist und den wir trotzdem zum Vorsitzenden der "Deutschen Islamkonferenz" machen.

    In Verbindung mit den zwischenzeitlich nachgewíesenen Anstrengungen der Bundesregierung, unter hohem personellen und finanziellen Aufwand eine funktionierende, rechtsradikale Szene in Deutschland zu etablieren, hören sich deutsche Vorwürfe an die ungarische Adresse eher etwas dämlich an.
    Als beschuldige hier ein Schwestermörder seinen Freund des Brudermords.

    Wir sollten uns daher mit Belehrungen und harscher Kritik an andere Adressen schamhaft zurückhalten.
    Denn auch der Zschäpe / NSU-Prozess wird der Weltöffentlichkeit durch angestrengte Vernebelungen und Verschleierungen eines sehr klar beweisen: niemand hat behördenseitig irgendeine Mitschuld an den NSU-Morden, alle noch so massiven Verstrickungen mit Beamten werden als "Zufall" hingestellt und somit stehen die deutschen Sicherheitsbehörden voll an der Seite der Innenpolitik, die auch weiterhin eine brutale und starke, rechtsradikale Szene haben will.

    Und wenn auch unsere eigenen Bevölkerungen zu dumm sind, um es überhaupt zu bemerken, das Ausland registriert die fremdenfeindlichen und rassistischen Vorkommnisse allerdings sehr wohl - und vermutlich detaillierter als Deutsche selbst. Denn hier hat sich eine "Wegblendungskultur" etabliert; man geht allgemein davon aus, dass der Rest der Welt noch dümmer sei als man selbst. Die "Ich-weiß-von-nichts" - Kultur hatte bei der Kapitulation reiche Früchte getragen und Millionen von braunen Hetzern und Mittätern schlüpften mit dieser Schutzbehauptung durch.
    So will auch heute niemand, der eine kontroverse Diskussion fürchtet, von Fremdenfeindlichkeit in Deutschland etwas wissen; fühlt man sich allerdings im Kreise Gleichgesinnter, dann sind "die da" fremder Dreck, der weg soll.
    Alles wie gehabt, alte, deutsche Tradition halt.

    Deshalb gerät es wirklich peinlich, wenn sich eine deutsche Regierung etwa "besorgt" über ungarischen Antisemitismus äußert.

  • Israel - wohl kaum ein "Tausendjähriges Reich"

    Manche auf märchenhafte Dauer angelegte Projekte erledigen sich erstaunlich schnell.

    Die Erfahrung machte mit Adolf Hitler gleich zumindest ein ganzes Volk und mit ihnen Millionen, die an einem solchen Projekt sterben mussten. Israel hat es (noch) nicht auf Millionen gebracht, könnte jedoch seinem Ende mittlerweile auch bereits ins Auge sehen.

    Es hat in den letzten sechzig Jahren keine einzige Provokation, Beleidigung und keinen einzigen Gesetzesbruch vermieden und um sich eine Hemisphäre des tödlichen Hasses geschürt. Es fühlte sich jedem einzelnen Gegner grundsätzlich weit überlegen und bezog seine vermeintliche Stärke aus einem bizarren Gefühl des "Erwähltseins", das es unter anderem auch mit dem nationalsozialistischen Deutschland teilte. Israelis fühlen sich als "Herrenmenschen"; sie diskutieren offen schwerst rassistische Schriften und sprechen ebenso offen von ihrem tiefsitzenden Hass, von ihrer Verachtung und in vielen, besonders schweren Fällen schreiben sie für die ganze Welt lesbar von ihrem Vernichtungswillen.

    Araber kommen in ihren Schulbüchern nur als zurückgebliebene, schlecht riechende und moralisch besonders übelen Menschen zweiter Klasse, die es auszugrenzen, zu bewachen, zu dezimieren und vor allem zu versklaven gilt. Konservativere Politiker und Bürger rufen offen auf den Straßen nach dem Gebrauch von Atombomben, damit man endlich Palästina vollständig beseitigen und alles Land besitzen kann.

    Jeden Tag beschützt die israelische Armee Siedler, die im Westjordanland arabische Dörfer angreifen und anzünden.

    In einer Situation wie dieser darf sich die Welt deshalb überhaupt nicht wundern, dass Terrororganisationen großes Interesse an hochmodernen Waffensystemen haben, die derzeit nach Syrien gepumpt werden. Es ist vollkommen verständlich, nachvollziehbar und logisch, dass Organisationen wie die Hizbollah alles in ihrer Macht stehende versuchen, an syrische Giftgaswaffen zu gelangen. Israel hat in den zurückliegenden Jahrzehnten für ausreichend viel Hass gesorgt umd provoziert, dass seine Nachbarn es nur noch jämmerlich verrecken sehen wollen. Die Politik des Westens, neben den USA natürlich auch gerade einer Angela Merkel ist direkt dafür verantwortlich, dass es ernsthafte Versuche geben wird, israelische Atomanlagen und Innenstädte mit leistungsstarken Raketen anzugreifen - und womöglich durch Giftgas zu entvölkern. Jahrzehntelang wurde den starken Feuerüberfällen Israels auf palästinensische Zivilisten tatenlos zugeschaut; Merkel hat Deutschland und die Welt damals (wissentlich?) belogen, als sie der Hamas den Bruch einer Feuerpause vorwarf, der von Israel zum Vorwand für die Tötung von 1.000 Zivilisten im Gaza-Streifen gemacht wurde - und im Vorfeld von Israel eigens dafür in Szene gesetzt worden war.

    Was hat man hier denn eigentlich so gedacht? Dass Palästinenser über ihre tausend frischen Gräber hinwegsteigen und achselzuckend zur Tagesordnung übergehen? Dass sie kommentarlos und ohne jede Er-) Regung zuschauen, wie Israel mit immer neuen Siedlungen die Errichtung eines Palästinas unmöglich macht? Dass die täglichen Quälereien und blutigen Übergriffe Israels auf Zivilisten egal sind und niemanden interessieren? Hat man hier wirklich geglaubt, dass sich über all das keine Szene bilden würde, deren Sehnsucht nach ultimativer Gewalt als Rache und Vergeltung für all das unstillbar sein und nach allem rufen würde, was möglichst entsetzlich und möglichst hohen Blutzoll einfordert?

    Wenn, was nicht unwahrscheinlich geworden ist, Syrien nun mit einem (massiven?) Giftgasangriff auf Israel antwortet und mit Tel Aviv Millionen auslöscht, bricht in Israels Nachbarschaft ungebremster Jubel aus - und wer sich hier darüber erschrecken wird, der outet sich als blinder und tauber Idiot. Und vor allem zeigt er seine Mitschuld.

  • Deutschland - Dein Problem mit psychischer Gesundheit

    Fakten können sich tatsächlich verändern - sie verlieren dadurch nicht an Aussagekraft und Zuverlässigkeit, sie variieren jedoch durch ihre Veränderung jedwede Interpretation, die man an sie anlehnt.

    Es wurde kaum etwas unversucht gelassen, um die Massenmörder Anders Breivik und Beate Zschäpe zu Kranken zu erklären. Beider Leben wurden gefilzt, das oberste nach unten gewendet um diesen vermeintlich dringend benötigten Nachweis führen zu können.

    Heraus kam in beiden Fällen: beide sind gesund.

    Nun wirft aber dieser Umstand wesentich schwerere Fragen auf als man sie haben würde, könnten diese beiden als "krank" gelten. Dem ist aber nicht so, und da beginnt das Problem.

    (Quelle: Die ZEIT)

    Sie habe sich "trotz schwieriger familiärer Aufwachsbedingungen" wohl doch zu einer "lebhaften, selbstbewussten, burschikosen und eher auf männlichen Umgang ausgerichteten jungen Frau entwickelt", zitiert der psychiatrische Gutachter Henning Saß aus der Zeugenaussage von Zschäpes Cousin.

    Man kann weder Zschäpe noch Breivik auch nicht den Vorwurf mangelnder bzw. mängelbehafteter Intelligenz machen.

    Damit gliedern sie sich (wieder) in die Gesellschaft ein und erweisen sich als durchschnittliche Mitglieder. Man muss sie also ernst nehmen und kann ihre bizarren und hasserfüllten Gedanken nicht zum Werk eines Wahns erklären, sie wegsperren und auch weiterhin davon überzeugt bleiben, dass das Gros der gesamten Gesellschaft ja dankenswerterweise gesund und damit nicht anfällig für ähnliches Gedankengut wäre.

    Was an Zschäpes Werdegang aber tatsächlich auffällig ist, verdient einen zweiten Gedanken - und der erweist sich ebenfalls als untauglich, Zschäpe außerhalb der Gesellschaft zu finden:

    Beate Zschäpe wuchs, wie sie selbst kurz nach der Festnahme im November 2011 der Polizei sagte, als "Omakind" auf. In den 90er Jahren fand Zschäpe eine Ersatzfamilie in einer rechten Clique, vor allem in der Freundschaft mit Mundlos und Böhnhardt.

    In ihrer Jugend hat ihr demnach nichts flankierend zur Seite gestanden, was ein geistiges Durchdringen und damit Erkennen der rechtsradikalen Szene ermöglicht hätte. Sie konnte Opfer einer Ideologie werden, die sich auf das Auffangen gestrauchelter, wenig Gebildeter spezialisiert hat und demzufolge beinahe ausnahmslos nur ungebildete, regelrecht dumme Menschen unter ihren Bannern versammeln.
    Dieses Manko aber findet sich breitflächig in Deutschland; es liegt meiner Ansicht nach ein bewußter Plan dahinter, dass Schulkinder jahrelang (!) im Geschichtsunterricht mit endlosen Detailorgien aus dem Dritten Reich traktiert werden. Es findet eine hoffnungslose Überfrachtung mit dem Thema statt und das kann nur zu Folge haben, dass sich spätestens nach einem Schuljahr auch der Interessierteste vom Thema angeödet fühlt.

    Ich habe diese Erfahrung persönlich gemacht: selbst auf dem Gymnasium hörte halbwegs akzeptabler Geschichtsunterricht in der zehnten Klasse zugunsten des Themas "Drittes Reicht" auf. Ich konnte mich selbst davon überzeugen, dass unsere Tochter mit ätzenden, immer gleichen Detailschilderungen aus dem Leben von Juden derart zugeknallt wurde, dass ihr das Thema nachvollziehbarerweise bis heute sehr aversiv ist. Drei Jahre lang bewegte sie sich thematisch regelrecht nicht vom Fleck. Um auch genug Raum dafür zu schaffen, wurde gemäß Lehrplan der Zeitraum für das Thema "Altes Ägypten" auf exakt eine (!) Schulstunde eingedampft. Damit wenigstens die auf fruchtbaren Boden fällt, habe ich diese Stunde in den Schulen aller unserer Kinder (als "sachkundiger Bürger") gegeben.

    Vernünftiger Unterricht zum Thema Nationalsozialismus und Faschismus in Deutschland findet definitiv nicht statt und ich habe den Verdacht gewonnen, dass in den schulischen Exzessen die Absicht eben genau in der aufkeimenden Langweiligkeit steckt.

    Man findet also in Zschäpe nichts Krankes, nichts buchstäblich Außergewöhnliches - und eben das sollte uns zu denken aufgeben. Denn das bedeutet, dass bei stärkerer Präsenz von Braunen und ihrer instinktiv gerissen aufgebauten Jugendarbeit eine Vielzahl von Zschäpes entstehen können; es wird sie in unterschiedlichster Ausprägung geben und sie können daher ihren Weg in die Mitte der Gesellschaft finden.
    Seitens der Bundesregierung braucht nicht auf Abhilfe gehofft zu werden, denn die Regierung zählt u denjenigen, die viel zu viele positive Erfahrungen damit machen und demzufolge eher auf eine abkippende, sich radikalisierende Bevölkerung mit potentem Ausländerhass und sinkender (Schul-) Bildung setzt. Sie hat den Trend ja schließlich selbst initiiert.

    Wir können nicht im Namen Deutschlands die Aussage treffen, dass Zschäpe nicht der deutschen Gesellschaft entspräche - denn sie tut es sehr wohl. Vieles von ihrem krank wirkenden, dummen und verstörend kurzen Gedankengut findet sich in den Köpfen vieler wieder, wenn nicht gar in der Mehrheit auf unseren Straßen.
    Aber schon Napoleon wusste um die sprichwörtliche Feigheit der Deutschen und deren Hang, sich bei den dümmsten Denunziationen gegenseitig an die Hälse zu gehen und so wird es vermutlich nur auf die Frage hinauslaufen, ob und wann sich ein neuer "Führer" zeigt, dem sie alle folgen können. So war es schon seit Jahrhunderten: immer dann, wenn sich der kleinbürgerliche Hass nicht mehr in der Unterzahl wußte, riss er begeistert die rechte Hand hoch und stürzte sich ebenso begeistert auf den, den er mit verkniffenen Lippen am Vortag noch verlogen freundlich "Nachbar!" nannte.

    Nein - Zschäpe ist nicht psychisch krank.
    Und es leben hunderttausende unter uns, die die "Ideen" dieser ausgesprochen dummen, einfältigen Frau teilen.
    Sie müssen sich nur noch trauen.

     

  • Afghanistan - und der verstörende Trotz

    Alle spatzen pfeifens von den Dächern und es dürfte kaum noch jemanden geben, der sich tatsächlich noch Illusionen bezüglich der so vollmundig im Vorfeld umrissenen und allesamt verfehlten Zielen hingibt.

    Vereinzelt flackert noch irritierendes, journalistisches und aberwitziges Sperrfeuer auf, welches mit dem häufig amüsanten Trotz beleidigter Kleinkinder mit seinem Füßchen aufstampft und dann so Sätze schreibt wie:

    Die Bundeswehr zieht sich, genau wie die Streitkräfte der westlichen Alliierten, allmählich aus Afghanistan zurück. Eine militärische Niederlage bedeutet das nicht.

    ... schreibt in diesem Fall Stefan Buchen auf Qantara.de und erschreckt mich damit, wobei das Erschrecken mehr Ähnlichkeit mit Fremdschämen hat.

    Denn sogar Buchen straft sich selbst wenige Sätze später Lügen:

     Nach mehr als elf Jahren Nato-Einsatz ist das Land unsicher. Die ISAF-Panzerwagen rasen, wenn sie überhaupt ihre Lager verlassen, aus Angst vor Anschlägen mit hoher Geschwindigkeit durch Städte und Dörfer. Mit Hightech-Ausrüstung vorbei an ärmlichen Lehmhäusern ohne Strom und fließendes Wasser.

    Nun - ein einmarschierter Aggressor, der sich ganz offensichtlich in dem von ihm eingenommenen Gebiet aus lauter Angst entweder gar nicht, oder nur panisch mit hohen Geschwindigkeiten bewegen kann, hat definitiv keinen Sieg, kein Patt, kein Remis, sondern lediglich eine Niederlage hingelegt. Man mag sich das ja schöner denken - aber davon wird es nicht schöner.

    Der vom Westen eingesetzte Hamid Karzai ist immer noch Präsident von Afghanistan.

    Ein Präsident im Übrigen, der ganz offen seit langen Monaten bereits mit den Taliban über Macht, Geld und Militär für die Zeit nach dem Abzug der Alliierten verhandelt weil er weiß, dass er selbst niemals genug Einfluss haben wird, um das Land zu befrieden oder regierungsseitig von Taliban frei zu halten. Deshalb kann er nur noch hoffen, die Macht möglichst leise und ohne große Gemetzel an die Taliban zurückzugeben.
    Nicht, dass Karzai etwas an den Opfern des Gemetzels läge - es geht ihm eher darum, dass offene Kriege und Kämpfe internationales Hilfskapital verschrecken, welches nach seiner Ankunft in Afghanistan direkt in die Taschen der Warlords fließt - und möglicherweise über Umwege auch an ihn selbst, ganz sicherlich aber in die Hände seiner eigenen Familie.
    Notlagen halten den Kapitalstrom eingesammelter Spenden am Leben - aber keine Kämpfe.

    Die Regierung Karzai ist unpopulär und ohne Autorität. Ihr Arm reicht längst nicht in alle Provinzen des Landes. Die politische Misere wird von einer wirtschaftlichen begleitet. Trotz aller internationalen Drogenbekämpfungsprogramme bleibt Rohopium der einzige Exportschlager des Landes. Die Anbaufläche des Schlafmohns, aus dem die Droge gewonnen wird, erreicht dieses Jahr einen neuen Rekord.

    Was die internationale Presse gar nicht gerne schreibt ist die Tatsache, dass gerade russische Organisationen seit vielen Jahren groß in die industrielle Produktion von Heroin eingestiegen sind und Anbau, Transport und Verarbeitung von Opium gerade auf afghanischem Boden erstmals fabriktechnisch und mit Großgerät bewältigen; Russen machen den Big-Deal und versorgen immer größer werdende Bedarfsanteile weltweit.
    Alles geschieht im Übrigen unter den Augen der Alliierten Streitkräfte; aus Panik vor internationalen Verwicklungen und dem offiziellen Einschalten Moskaus wird sogar detaillierte Berichterstattung hierzu verhindert.

    Der Ausdruck, Karzais Macht reiche "längst nicht in alle Provinzen", so ist das eine unzulässig stark geschönte Version der Realität: außerhalb Kabuls hat Karzai faktisch gar keinen Einfluss auf gar nichts; seine Macht reicht noch nicht einmal aus, die Hauptstadt selbst vor massiven und konzertierten Angriffen der Taliban zu schützen, die zuweilen gar mit schwerem Gerät vorgehen. Karzai ist im Grunde vom Anfang an nichts als eine freundlich lächelnde Anziehpuppe, die man zur Herstellung von Kriegswilligkeit durch Europa und die USA touren und vorzeigen und würdevoll winken ließ.

    Aus der Sicht des Westens hat in Afghanistan das nicht funktioniert, was als Leitmotiv über diesem Internetportal steht: der Dialog mit der Islamischen Welt. Diesen Ansatz erfand die rot-grüne Bundesregierung als Antwort auf die Anschläge des 11. September 2001, und in Afghanistan wurde er zum ersten Mal in der Praxis erprobt.

    Man kann sich kaum noch entscheiden, ob man mit brüllendem Lachen oder Zornesröte auf solchen Unsinn reagieren soll.
    Die Bundesregierung hat überhaupt nichts "erfunden", sie hat nur verzweifelt nach einem Ansatz gesucht, mit welchem man den US-Irrsinn, aus niederen Beweggründen Afghanistan anzugreifen, der eigenen Bevölkerung verkaufen konnte.
    Man kann ja wohl kaum von "Dialog" sprechen, wenn tausende Soldaten einmarschieren und, über all die Jahre, tausende von Zivilisten tötet.
    Welcher Schwachkopf könnte sich denn wohl zu einem "Dialog" aufgerufen fühlen, wenn er die Mündung eines Maschinengewehres am Kopf spürt?  

    Und nun macht es eben keinen Spaß mehr.
    Ein deutscher Lagerkommandant ist sogar aufrichtig beleidigt:

    Nach dem Abzug der ISAF-Truppen müssten die Afghanen sehen, "dass sie allein zurecht kommen." Auf den Einsatz insgesamt blickt er mit Zynismus zurück. Die Afghanen hätten die Chance verpasst, "mit ausländischer Hilfe etwas zu erreichen." Die Schuld daran gibt er allein den Einheimischen.

    Niemand kommt auf die Idee, dass die gewählten Mittel von vornherein die falschen gewesen waren.
    Wenn ich heute feststelle, dass ich seit beinahe zehn Jahren weiß, dass die gesamte Aktion falsch angefangen worden ist, dann soll das nicht heißen, wie toll und klug ich bin, sondern wie blöd der Rest sich darstellt. Ich bin vielleicht wirtschaftlich ausgebildet, politisch wie historisch sehr interessiert, aber letztlich keine herausragende Leuchte - und dann erschrecke ich mich eben wenn ich feststelle, dass vorgebliche "Experten" solchen Unsinn anrichten.

    "Jeder Angriff der Nato-Truppen, der Opfer fordert, schürt den Hass auf die Ausländer", sagt Ahmadjan M., Angestellter des UN-Landwirtschafts- und Ernährungsprogramms (FAO) in Mazar-e Sharif. Der Begegnung mit den bewaffneten Emissären des Westens kann er in der Bilanz nichts Gutes abgewinnen. "Wir Afghanen können uns nur selbst helfen", meint er.

    Das sage ich seit Beginn des "Einsatzes"!
    Die Alliierten haben viel von dem Terror, der nach Beginn des Krieges auf der Welt herrschte, selbst produziert. Sie haben Hass genährt, sorgfältig mit ihren Bomben gepäppelt und aus harmlosen Zeitgenossen Terroristen gemacht.
    Jeder gehe in sich und prüfe sich: käme er nach Hause und fände seine Familie leblos unter den Trümmern seines Hauses und da stünde einer mit rauchender Kanone, der freundlich lächelt und sagt: "Das tut uns jetzt aber leid. Aber wir möchten euch den Islam nahebringen, und da müssen Opfer gebracht werden." - wer würde da verständnisvoll nicken und sagen: "Aber klar doch! Ich finde euren Islam zwar blöd und ich will ihn gar nicht, aber dass meine Familie für euren Wunsch sterben musste, das kann ich gut verstehen."

    Und nach all den Toten, den Fehlschlägen, den Lügen und den Zerstörungen kann noch immer nicht sein, was nicht sein darf. Und wenn es noch ein paaar tausend Tote mehr kostet, den Fortgang als ehrenvollen Akt erscheinen zu lassen und eben nicht als das, was es tatsächlich ist, nämlich eine erbärmliche Niederlage aufgrund eigener Dummheit, dann also noch das:

     

    Das Schicksal der afghanischen Mitarbeiter verdeutlicht das Dilemma des Abzugs. Lässt man sie zurück, begeht man Verrat und setzt sie womöglich der Rache von Extremisten aus. Nimmt man sie 2014 mit nach Deutschland, gesteht man das Scheitern des Einsatzes ein. Denn was ist von einem dann 13-jährigen Militäreinsatz zu halten, an dessen Ende die einheimischen Mitarbeiter außerhalb des Landes in Sicherheit gebracht werden müssen, weil sie von Teilen der Bevölkerung als "Kollaborateure mit dem Feind" betrachtet werden?

    Offizier G. aus dem ISAF-Feldlager bei Mazar-e Sharif hat auf dieses Dilemma eine klare Antwort: "Die Afghanen sollen hier bleiben. Wer was von persönlicher Bedrohung erzählt, lügt. In Afghanistan erzählt man den ganzen Tag Geschichten aus Tausendundeiner Nacht."

    Da werden eben die Betroffenen zu Lügnern erklärt - und "Offizier G." wird schließlich längst nicht mehr dabei sein, wenn die Mitarbeiter tot im Straßengraben liegen und ihn dadurch widerlegen, was selbstverständlich zu erwarten steht.

    Nein - nie war Afghanistan weiter davon entfernt, ein Land aus "Tausend und einer Nacht" zu sein als heute. Wie auch der Irak wird Afghanistan nicht nur einige Jahre, sondern einige Generationen brauchen, um sich von diesem wahnsinnigen Militärschlag zu erholen, der ungefragt in ihr Land getragen worden war.
    Von Beginn an hatten führende Afghanen häufig und bereitwillig erklärt, dass die Welt sich von den Taliban ebenso wenig erschrecken lassen sollte wie die Afghanen selbst. Sie seien nichts als eine temporäre Erscheinung, die auf Sicht keine Chance auf Erfolg hätte. Nach einem gewissen Höhepunkt würden die Afghanen, denen in ihrer Geschichte noch niemals erfolgreich irgendetwas aufgezwungen werden konnte, die Taliban abschütteln wie ein nasser Hund das Wasser.

    Stattdessen haben alliierte Soldaten dafür gesorgt, dass aus der "Erkältung Taliban" in Afghanistan ein bösartiger Krebs werden konnte, der noch für viele Jahre metasthasieren und quälen und töten wird.

    Es ist nicht nur nichts besser geworden - sondern eigentlich alles viel schlechter als es jemals war:

    In der Tat ist die religiöse Bewegung der Taliban zu einer Art robustem Sprachrohr der Paschtunen geworden, aus denen sie sich fast ausschließlich rekrutiert. Die ethnische Teilung Afghanistans in einen überwiegend paschtunischen Süden und Osten und einen überwiegend tadjikischen und uzbekischen Norden ist heute schärfer als jemals zuvor. Der Zusammenhalt des Landes steht ganz grundsätzlich in Frage.

    Jetzt erst sind die Taliban nicht nur (selbst-) erklärte Sprecher und förmlich Regenten Afghanistans, sondern regelrecht gefragte und gesuchte Akteure, die natürlich nach dem Abzug der Alliierten ganz wesentlich mehr Macht erhalten werden als sie jemals hatten. Wenn es auch vor dem Krieg immer Reibereien zwischen den Stämmen gegeben hatte, so blieben Feindseligkeiten zumeist aus; regionale Parlamente, die "Jirga", sind gezielt von den Alliierten gestört und vernichtet worden und daher heute kein Instrument mehr, schlimmer gewordene Auseinandersetzungen zu schlichten.

    Grundsätzlich bleibt zum Preis von tausenden von Toten nur folgendes festzustellen:

    1. Es konnte nicht ansatzweise ein "Dialog mit der islamischen Welt" begonnen werden.

    2. Die Taliban sind nicht nur nicht geschwächt, sondern gehen erstarkt in die Zukunft.

    3. Innerafghanische, politische wie technische Infrastruktur wurde von den Alliierten vernichtet.

    4. Die Sicherheit im Lande ist ganz wesentlich schlechter als vor dem Krieg

    5. Terror und Terrororganisationen erleben deutlich gesteigerten Zulauf

    Die Mütter Afghistans leben seit Beginn der sowjetischen Übergriffe vor fast dreißig Jahren mit fremden Soldaten, Waffen, Bomben, Hass und Zerstörungen; sie machen sich nichts mehr vor, wenn sie ihre toten Kinder in ihren Armen halten.
    Es ist aber ein beinahe noch viehischeres Verbrechen deutscher Behörden, den Müttern toter Soldaten Schwachsinn über "Dialoge" oder "Aufbauanstrengungen" oder gar "Mädchenschulen" zu erzählen. Das tropft vor Zynik und grenzt an Bösartigkeit und Niedertracht.
    Sagt diesen Müttern, den afghanischen wie den den deutschen, dass sie ihre Kinder für nichts hergegeben haben. Für Unsinn, für Lügen, für blasse Träume sind sie gestorben und vor allem dafür, dass einige wenige in ihren Verstecken wunderbar an ihnen verdienen und kistenweise Bargeld an sich raffen.

    Sagt es ihnen - denn sie haben ein Recht auf die Wahrheit.

  • USA ./. Syrien - Militär- oder eher Niederschlag?

    Ahmadinedjad hat es schon getan und nun hebt Assad seinen Fuß, um auch mal eine der berühmten "roten Linien" der USA zu überschreiten.

    Dass Sarin-Nervengas durch Assads Truppen bereits eingesetzt worden ist, dürfte ziemlich sicher sein; es liegen (vgl. SPIEGEL-Online) zwischenzeitlich recht eindrucksvolle Zeugenaussagen vor und die Analyse der Proben wird kaum etwas anderes zeigen.
    Und alles scheint durchaus auch darauf hinauszulaufen, dass Assad mit den bereits durchgeführten Angriffen mit Nervengas die "rote Linie" einfach mal antesten wollte. Denn sollte sich zeigen, was sich nun tatsächlich zu entwickeln beginnt, dass das US-Schwerterklappern substanzlos ist, dann wird er bequem alles, was sich "Rebell" nennt, in naher Zukunft rasch mitsamt jeder Opposition beseitigt haben.

    Obama sitzt unangenehmerweise zwischen allen denk- und irgendwie verfügbaren Stühlen; manche davon hat er sich selbst hingestellt, andere geerbt.
    Er hat letztlich ja nicht etwa aus einem Anfall von Pazifismus heraus, sondern einzig und allein aufgrund seiner Haushaltslage und des bginnenden Aufmurrens seiner Bevölkerung bisher den Iran nicht angegriffen. Dabei hätte ein Angriff auf den Iran, der ja bereits mühsam rhetorisch aufgebaut worden war, sehr angenehme, wirtschaftliche Folgen für die USA. Es könnte ganz wunderbar alles nach bewährtem Muster des Irak ablaufen: Zerstörung des iranischen Staatswesens, dadurch Aushebelung jedes regionalen und überregionalen Widerstandes, sofortige Sanierung der Rohstoffquellen wie Öl und Uran und Beginn maximaler Förderung - während man die iranische Bevölkerung sich selbst und der Aggressivität der US-Soldaten überlässt.

    Mühsam errichtete man das Konstrukt mit der angeblichen Atomwaffenentwicklung, für die es lediglich künstliche Gerüchte, aber keinen einzigen (!) Beweis gibt. Nach erfolgtem Angriff in Verbindung mit den dann angerichteten Zerstörungen hätte man mit leichter Hand in irgendwelche Trümmer irgendwelcher Atomanlagen "Beweise" deponiert, um im Nachhinein nicht so dumm mit leeren Händen dazustehen wie im Irak.

    Aber wenn Obama schon nicht den Iran angreifen will, dann wird er bis zum allerletzten Augenblick zuwarten, bis er sich seiner "roten Linie" erinnert und tatsächlich das Regime in Syrien angreift.
    Es gibt für ihn in Syrien nichts zu gewinnen - sondern nur zu verlieren.
    Er würde jeden Soldaten, der dort fällt, ausnahmsweise tatsächlich einem Ideal geopfert haben, das er so gern und reichlich wie sein Amtsvorgänger auch als Kriegsgrund für seine Schläge in Afghanistan etwa bemüht. Und dabei spränge nichts heraus, Syrien wäre keine neue Geldkuh.

    Assad wird sich vermutlich jetzt erst einmal vorübergehend etwas zurückhalten - und nur noch mit konventionellen Raketen auf Zivilsiten schießen. Wenn sich die Gemüter erst einmal wieder etwas beruhigt haben, wird er weitere Gefechtsköpfe oder Granaten mit Sarin befüllen und abfeuern lassen, soviel ist sicher.
    Er hat kaum Grund zur Angst; solange er gewährleisten kann, dass kein Sarin auf Israel abgefeuert oder allzu offen in die Hände der Hizbollah gegeben wird, solange werden die USA nicht angreifen. Zudem weiß Assad, dass die Lage in Syrien so unübersichtlich ist, dass das US-Militär in einen vernichtenden, desorientierten Stellungskrieg mit ständig wechselnden, völlig unklaren Fronten hineingleiten würde. Konflikte mit anderen Rebelleneinheiten wären ebenfalls vorprogrammiert, denn die USA würden wohl kaum die bloße Anwesenheit von extremistischen Kämpfergruppen ertragen, von denen sie selbst direkt als "Feind" betrachtet und womöglich bedroht oder gar angegriffen würden. Man kann da nicht "mal eben" ein paar Cruise Missiles hineinkloppen, die Luftwaffe von oben etwas nachhelfen und die Army dann sozusagen im Nachgang ausfegen lassen. Die Wahrscheinlichkeit, einen aus der Distanz vermutet identifizierten Gegner sicher als solchen erkannt zu haben, ist äußerst gering.

    Das Leid der Syrer und das furchtbare Verrecken in den Straßen Syriens interessieren die USA zudem auch überhaupt nicht - sie richten bis heute selber vergleichbares Elend im Irak an. Sie akzeptieren die schweren Folgen ihrer eigenen Angriffe mit chemischen Brandbomben und radioaktiv vergifteter Munition im Irak achselzuckend und, vor allem, schweigend.

    Obama, da bin ich ziemlich sicher, würde sogar zum Preis für einige tausend Gefallene auf seiner Seite einsteigen, solange er Hoffnung auf reiche Ressourcen hätte.

    Aber so?  

  • Qatar - Islamistischer Menschenquäler oder Geschäftsfreund?

    Das Bundesmerkel möchte, dass die Wüstensöhne angemessen durch die Wüste brausen können - und damit sie das können, bestückt sie Qatar gleich mit 62 Leopard-Panzern, 24 Haubitzen und, wie man seit kurzem weiß, einer ganzen Menge weiterem Schießgerümpel.

    Der Milliarden-Deal ist grotesk: das qatarische Heer verfügt über ganze 8.700 Soldaten.

    Also immer hundert Mann teilen sich entweder einen deutschen Kampfpanzer oder eine Haubitze; was dieser unglaubliche, militärische Schwachsinn nun soll, versteht wohl nur (noch) die Bundesregierung.
    Vermutlich muss davon ausgegangen werden, dass ein Teil der bestellten Masse nicht in Qatar bleibt, sondern seinen Weg in andere, stark islamlastige Länder verteilt wird.

    Und es ist wirklich wahr: Qatar ist stark islamlastig.

    Dort wird, ähnlich wie in Saudi-Arabien, ein wahabitischer Islam gelehrt - und der geht auf den extrem strengen Lehrer Ibn al-Wahab zurück, welcher eine besonders puristische Lesart des Islam zuerst in Saudi-Arabien verwirklichen konnte. Auf diese Lehren stützen sich insbesondere auch die Salafisten, was diese größtenteils zu (bezahlten) Ziehkindern Saudi-Arabiens macht. Wir haben auch hier in Deutschland etliche Dependencen, in welchen dieser ultraharte, erzkonservative und recht intolerante Islam gelehrt wird. Da wäre die "König Fahd"-Akademie zu nennen, die direkt aus Saudi-Arabien finanziert wird und deren Studenten aufgrund ihres erzkonservativen und harten Auftretens ein echtes Problem für deutsche Sicherheitsbehörden darstellen.

    Im Klartext heißt das für die deutschen Xenophobiker und Islamhasser, dass Deutschland mit Qatar ein Land bis an die Zähne bewaffnet, welches nach Augenschein einem Islam anhängt, der mit deutschen Menschenrechts- und Demokratievorstellungen überhaupt nichts zu tun hat.
    Im Gegenteil: Es gibt in Qatar durchaus harte Körperstrafen wie die Auspeitschung, es wird auch von Folterung berichtet, von stark eingeschränkter Meinungsfreiheit, es gibt die Todesstrafe und im Grunde überhaupt keine Demokratie.

    Qatar würde alle von Berlin so laut hinausposaunten Mindestanforderungen, die einen Geschäftspartner und Freund für Deutschland zu erfüllen hätte, definitiv nach unten durchschlagen.
    Gleichzeitig bedient es mit seiner Tagespolitik alle Tasten auf der Klaviatur der Fremdenangst.

    Dennoch erhält es eine irrwitzige Mengen an Waffen - soviel davon, dass niemand davon ausgehen kann, dass sie ausschließlich für das qatarische, also sehr winzige, Militär bestimmt sein kann.
    8.700 Soldaten! Manch deutscher Schützenverein hat mehr Mitglieder!

    Hinzu kommt eim im Grunde für viele hier in Deutschland sogar noch viel gravierenderer Effekt: die Islam-Krake scheint ihre Finger in unser Eingemachtes, in unsere Filetstücke und ins Zentrum unseres Stolzes zu stecken.
    Qatar ist maßgeblich z.B. an Porsche beteiligt - um nur einen Anteil zu nennen, den der Scheich hält. In Frankreich spricht man bereits von der "Islamisierung der Wirtschaft" und dort hat man nicht nur ein Investitionsinteresse aus Qatar von Staats wegen verboten.

    Alle Ängste, die die Bundesregierung so gern aufbaut, werden von Qatar also sehr umfangreich bedient - da fragt man sich, wie es zu dem fadenscheinigen, wenn auch höchst lukrativen Waffendeal kommen kann.

    Der halbwegs klar denkende und aufmerksame Beobachter sieht natürlich auch die goldene Seite der Medaille; der weiß um die tatsächlich ganz besonders erwähnenswert liberale Grundhaltung des qatarischen, wenn auch wahabitischen Islams. Der sieht auch, dass der regierende Emir insbesondere junge Leute ermuntert, verkrustete, veraltete Lebensweisen kritisch zu hinterfragen. Er ist es, der ohne jede größere Nachfrage aus der Bevölkerung aus sich selbst heraus den Regierungsrat, der traditionell vom (beinah absolutistisch herrschenden!) Emir benannt wird, ab Mitte 2013 vom Volk wählen lassen will. Er selbst hat wiederholft mit Frauen der qatarischen Gesellschaft verhandelt, um sie zur Kandidatur zu bewegen.
    Der Emir von Qatar, Scheich Hamad bin Khalifa al-Thani, führt Qatar mit diversen Projekten in die Moderne und zeigt sich als einer von wenigen Staatsoberhäuptern arabischer Nationen, die sehr schnell und tatkräftig Kontakte mit postrevolutionären Staaten Arabiens aufgenommen hat.

    Persönlich sieht sich der Emir von Qatar trotz seiner unvergleichlichen Machtfülle im Grunde gar keiner Kritik aus der Bevölkerung ausgesetzt - er scheint manchen Mitbürgern sogar zu modern, freiheitlich eingestellt und progressiv. Obschon durchaus verhängt, scheint es zu schweren, körperlichen Bestrafungen gar nicht zu kommen; es gibt entsprechende Verurteilungen, Vollzüge allerdings sind nicht bekannt. Die Tochter des Emirs eröffnete unlängst eine hervorragende Fotoausstellung über Hochleistungssportlerinnen - die als Motiv so gar nicht "verhängt" auftraten oder gar Burka trugen.

    Aber all diese Realitäten verfangen üblicherweise nicht bei der Bundesregierung und selbst bei der Hälfte der über Qatar gemachten, eingangs undifferenziert wiedergegebenen Beobachtungen verkneift man sich in Berlin und wird schmallippig und leise. Wenn nicht diese unverschämten Profite winken würden, würde man Qatar selbstvertändlich ebensowenig beliefern wie so manch anderes Land.

    Obschon alles andere als ein Wahabit, geschweige denn Salafist, hege ich zugegebenermaßen ein hohes Maß an Sympathie für Land und Regierung von Qatar.

  • NSU - und seine mühsam gepäppelten Geschwister

    Die aktive wie massive Unterstützung militanter und extremistischer Untergrundorganisationen durch Unmengen Waffen, Sprengstoffen und vor allem Geld ist bekanntlich alte Tradition in Deutschland und setzte schon vergleichsweise kurz nach dem letzten Weltkrieg ein - damals allerdings auf Befehl der USA und vor allem auch von dort finanziert.

    Bereits 1950 gründete sich der "BDJ", der "Bund Deutscher Jugend" und wurde gerade von den USA sehr gezielt als gut ausgerüstete Partisanenorganisation gegen die damalige UdSSR, dem heutigen Russland etwa, in Stellung gebracht. Auf Weisung aus Washington hielt Konrad Adenauer als Bundeskanzler seine schützende Hand über die Organisation und versorgte sie mit Waffen, Sprengstoffen, Artilleriegeschützen, Handgranaten und vor allem Geld.

    Der "BDJ" hatte bereits damals Todeslisten formuliert, die beinahe ausnahmslos SPD-Politiker wie etwa Herbert Wehner ins Ziel nahmen. Als die öffentliche Bekanntwerdung und daraus erfolgende Empörung hochschwappten, kassierte man die Organisation kurzerhand ein.
    All dies ist überhaupt gar kein Geheimnis und schon mal gar keine Behauptung - sondern sattsam sogar mit offiziellen US-Stellungnahmen untermauerter Fakt.

    Der Wunsch wohl beinahe jeder Bundesregierung, sich ein solches, halbdunkles wie bedrohliches Monster zu züchten und möglichst zu kontrollieren, zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte unserer Republik.

    Immerhin sind auch konsequent weiterhin rechtsradikale Organisationen mit Bundesmitteln und häufig genug direkt von Bundesbeamten mühsam errichtet, aufgebaut und vor allem ausgestattet worden. Ein Großteil der rechtsradikalen Szene in Deutschland würde ohne die aufopfernde Zuarbeit der Regierung vermutlich noch nicht einmal existieren, vom Annehmen tatsächlich bedrohlicher Züge ganz zu schweigen.
    Die Regierung unternahm zuweilen sehr abenteuerliche Anstrengungen, entgleisende Schäfchen zu beschützen und ihre Gruppierungen vor Unbill zu beschützen. So meldete am 09.04.2004, kurz nach dem Nagelbombenanschlag der NSU in Köln das Landeskriminalamt an das Landesinnenministerium, es habe einen Anschlag mit terroristischem Hintergrund gegeben.
    Nur eine halbe Stunde später untersagte das Innenministerium dem Landeskriminalamt, weiterhin von "Terrorismus" zu sprechen.

    Es ist gar kein Geheimnis, dass nicht nur einer, sondern gar eine ganze Anzahl von V-Leuten um den harten Kern des NSU existierte und dass der "Thüringer Heimatschutz", aus welchem der NSU hervorgegangen war, mit sechsstelligen Summen direkt vom Bund bezahlt wurde.

    Kaum zwei Jahre später, als der NSU in Kassel dem Besitzer eines Internet-Cafès in den Kopf schoss, hielt sich zur gleichen Zeit der hessische V-Mann-Führer Andreas Temme in diesem Cafè auf. "Zufällig" natürlich und die Schüsse hatte er, der als Waffenspezialist gilt, überhaupt nicht gehört. Die verwendete Waffe hatte keinen Schalldämpfer. Andere Besucher, die mit Temme im Cafè gewesen waren, haben die Schüsse demzufolge auch selbstverständlich gehört - nur der "zufällig" anwesende V-Mann-Führer nicht.

    Ebenfalls in 2006 stellte die Regierung ihre Aufbauarbeit auf breitere Füße und engagierte den Erfurter Kai-Uwe Trinkaus, der sich fortan als V-Mann sehr für den Aufbau der NPD engagierte und gar den den Vorsitz des NPD-Kreisverbandes Erfurt-Sömmerda übernahm. Dafür kassierte er fünfstellige Summen vom Verfassungsschutz.
    Vermutungsweise auf direkten Befehl aus der Behörde nahm Trinkaus Kontakt zu militanten Kameradschaften und der gewalttätigen Hooliganszene auf. Für seine Anstrengungen, Politiker von SPD und der LINKEn zu denunzieren, wurde er direkt von Bundesbehörden mit geheimem Material versorgt.

    Wir können daran erkennen, dass zumindest rechtskonservative Bundesregierungen, sicherlich aber auch weite Teile der heutigen Opposition, schon immer große Vorteile in der Situation für sich vermuteten, bei Bedarf gewissenlose und extremistische Mörder- und Prügelbanden auf die Bevölkerung loszulassen. Der Umstand, ganz nach Belieben auch mehr oder weniger gezielt Andersaussehende, Andersgläubige und damit vergleichsweise leicht zu identifizierende Bevölkerungsteile anzugreifen (oder besser: angreifen zu lassen) um öffentliche Verunsicherung und Ängste zu schüren, ist wohl viel zu verführerisch.

    Da nimmt man die Gefahr, infolge solcher NSU-Anschläge erhofft vorübergehend in den Fokus internationaler Kritik zu geraten, gerne in Kauf.
    Politisch hat zumindest die augenblickliche Bundesregierung sehr viel Honig aus den NSU-Toten gezogen; es kann ein spürbarer Ruck nach Rechts und die Zunahme dumpfer Fremdenängste registriert werden - und allein genau das war Ziel der Übung, wenn auch zum Preis von Menschenleben.

    Überwachungen und Kontrollen können problemlos aus- wie (Freiheits-) Rechte abgebaut werden und die konsequent weiter verblödende Öffentlichkeit ruft zuweilen selbst danach. Die Bundesregierung kann Konfrontationen und Zusammenstöße zwischen ganzen Bevölkerungsgruppen heute beinahe beliebig steuern; sie kann sie erzeugen und gleichzeitig mehrere "Lösungs-"Wege bedienen. Sie kann den "Kampf gegen Rechts" aufnehmen, sie kann die "Argumentationen" der Rechtsradikalen wie einen Sarrazin beispielsweise betont "sachlich" öffentlich ebenso diskutieren wie Unterschiede in der Lebensweise der Migranten zu Deutschen zum Thema machen. Sie kann Bomben werfen lassen und damit die Angst und den Hass erzeugen, die zur Motivation von Soldaten notwendig ist, auf Zivilisten in anderen Ländern zu schießen.

    Die Bestie "Rechtsradikalismus" in Deutschland wird künstlich von der eigenen Regierung produziert, am Leben erhalten und auch benutzt - genau aus diesem Grunde mag sich die Regierung natürlich keinem Verbotsantrag der NPD anschließen. Es wäre, als sollte ein Vater sein eigenes Kind erwürgen.

  • Hoeneß - wir sind alle ein bisschen Hoeneß

    Die Debatte um den Fußballer und Würstchenbräter Hoeneß ist, da bin ich mir ziemlich sicher, vor allem durch einen konkreten Trieb angesteuert: Neid.

    Was den Einzelnen auf der Straße aufregt, dürfte weniger aus der seit langem ohnehin aufgekündigten Solidarität eines Prominenten mit seiner Heimat entstanden sein sondern doch wohl eher aus der Empfindung, selbst nicht in der komfortablen Situation zu sein, mehrere Millionen zu haben, die man verstecken könnte - und auch sofort würde, wenn man sie denn bloß hätte.

    Und so ist es ja auch: alles, was irgendwie Geld in die Finger bekommt, flieht - und das ohne jedes Schuldbewusstsein.

    Wir reden ja hier nicht über streckenweise verarmte und notleidende Reiche, die aufgrund einiger hunderttausend Euro Verlust bei einem Gesamtvermögen von Dutzenden Millionen Euro jämmerlich dahinvegetieren und nachts Mülltonnen auf der Suche nach Essbarem durchwühlen müssten.
    Sie alle haben viel - und sie wollen noch mehr.
    Nur von einem wollen sie viel weniger: Verantwortung für das Große und Ganze.

    Wenn unser aller Bundespräsident Gauck gestern in einer Rede zum Thema noch behauptet, jedem Deutschen sei ja seine Verpflichtung im Rahmen der Demokratie am Staat bekannt, so unterstellt er, vermutlich noch nicht einmal wider besseren Wissens, einen Konsens, welcher nicht existiert.
    Denn wäre dem so, litte Deutschland nicht an fundamentalen Problemen, die durch ein geringes Mehr an Solidarität, Miteinander, gemeinschaftlichem Handeln und gemeinsamen Verantwortungsbewusstsein mit leichter Hand gelöst werden könnten, oder, besser, nie existiert hätten.

    Dies Land leidet an einem Heer von Frustrierten, die jedwede Bemühung, durch eigene Arbeit am Erfolg des Staates zu partizipieren und eigene Unterhaltung zu ermöglichen, eingestellt haben. Die Begründungsmuster dafür sind sattsam bekannt und fußen oftmals wiederum auf dem Vorhandensein eigener Fehler. Die Politik wird vorgeschoben und dabei vergessen, dass diese im Rahmen der Demokratie ein aktives Einmischen aller ihrer Bürger dringend bedarf. Unsere Staatsform stirbt, wenn sich niemand mehr für sie interessiert und immer andere in der Verantwortung sieht - aber nie sich selbst.

    Alle laufen auseinander, es gibt einen dramatischen Geburtenrückgang und eine so hohe Auswanderungsquote, dass sich die Privatsender mittlerweile einen Spaß daraus machen und endlose Soap-Dokus zum Thema produzieren. International befrotzelt man das so hochnäsige und großmäulige Deutschland für sein Aussterben - wobei ich es für einen Gewinn für die Welt hielte, wenn sich große Teile der Bevölkerung durch demographische Umwälzungen möglichst umfangreich verändern und sich somit positiv wandeln könnten.
    Machen wir uns doch nichts vor: mit diesen Leuten da draußen machen wir keinen Staat (mehr). Sie sind frustriert, gelangweilt, ausgelutscht, selbstsüchtig, häufg neidzerfressen und haben keine politischen Visionen mehr, noch nicht einmal mehr profane Willenserklärungen, wenn man den peinlich niedrigen Wahlbeteiligungsraten Glauben schenken darf.

    Wir reden hier vom Versagen größter Teile der Gesamtbevölkerung auf kompletter Linie; vom Müll, der achtlos auf die Straße geworfen wird über den extrem durstigen Spritsäufer, der wegen des Images neu in die Garage gestellt wird über die Blindheit Afghanistan gegenüber bis hin zum aktiven Verbrechen der Steuerhinterziehung. All das sind keine Einzelfälle, all diese Dinge werden als "Kavaliersdelikt" betrachtet und jeder von uns beteiligt sich daran.

    Denn wäre dem nicht so, lägen die Dinge hier im Lande ganz sicherlich anders.

    Es muss sich also höchst kritisch prüfen und befragen lassen, wer heute mit Fingern auf Hoeneß zeigt und ihn mit Kritik, bösem Spott und Häme übergießt - obschon er selbst kaum anderes tut und ganz bestimmt nichts anderes täte, hätte er einmal das Geld, was Hoeneß hat.

  • Der neue Terror

    An dem Begriff "War on Terrorism" ist noch nie ein Fünkchen Weis- geschweige denn Wahrheit gewesen - er war ganz bestimmt von vornherein lediglich für den minderbemittelten Bildungsunterrand westlicher Bevölkerungen erdacht und in Szene gesetzt. Also für ungefähr 70 bis 80 Prozent der Gesamtbevölkerung.

    Ein "Terrorist" wäre keiner, verhielte er sich nur ansatzweise so, wie es die Strategie jedes "Krieges" verlangen würde. Er tritt nicht in Reih und Glied, nicht in Uniform und beileibe nicht hellichten Tages auf freiem Felde an - denn nur eine solche Schlachtordnung würde die Mittel eines "Krieges" verlangen.
    Und zudem ist es bekanntermaßen noch nie in der gesamten Geschichte der Menschheit einer Armee gelungen, sich erfolgreich auch nur gegen Partisanen, Freischärler und Terroristen auch nur zur Wehr zu setzen.

    Infolgedessen konnte sowieso nie gelingen, was ohnehin ganz anders geplant war: Al-Qaida als prominenteste Terrororganisation der Neuzeit konnte nicht nur nicht geschlagen, sondern noch nicht einmal am rasanten Wachstum gehindert werden. Geld- und Mittelzuflüsse bestehen ungehindert und finden immer mehr Unterstützung; der radikale Ansatz der Islamisten wird durch die zahllosen Opfer, die die Militärschläge des Westens unter der Zivilbevölkerung kosten, nur noch populärer.

    Der "neue Terror" aber ist eine ganz wesentlich schrecklichere und bedrohlichere Art, möglichst viele Menschen in ihrer Privatsphäre und in ihrer eigenen Lebensumgebung zu treffen.
    Denn er geht nicht mehr vom Einsatz von Leuten aus, die mit minutiösen Plänen und vorsichtig herangeschafften Materials ausgestattet und an ihren "Einsatzort" gebracht werden müssen, was ein hohes Maß an Entdeckbarkeit provoziert. Da werden keine fremd ausschauenden Leute mehr eingesetzt, die womöglich die Landessprache noch nicht einmal beherrschen und sich unbeholfen bewegen und ausdrücken.

    Mittlerweile sprechen wir von smarten Boys, die Gewächs ihres eigenen wie anzugreifenden Landes sind; nahezu unentdeckbar, zumal wenn sie sich erst seit kurzem radikalisiert und einen Bewusstseinsgrad erreicht haben, der sie zum Basteln von Bomben mit Allerweltsmaterial befähigt und motiviert.
    Gegen diesen Terrorismus gibt es nicht nur keinen "Krieg" mehr - sondern ganz sicherlich gar keine bis sehr hilflose Gegenwehr.

    Es gibt nur einen einzigen Weg, Terror auszutrocknen:

    Die mörderischen und verbrecherischen Angriffe müssen weltweit eingestellt werden. Die USA müssen alle ihre Streitkräfte überall sofort abziehen und gleichzeitig in Verhandlungen darüber treten, wie sie den von ihnen angerichteten Schaden wieder gut machen können. Öffentliche Schuldbekenntnisse sind ebenfalls zwingend notwendig.
    Tätige Mithilfe beim Wiederaufbau vor Ort in den geschädigten Ländern ist das einzige Mittel, Bevölkerungen langfristig und nachhaltig zu beruhigen, ihnen Sicherheit zu vermitteln, das Selbstbewusstsein zurückzugeben und vor allem der grassierenden Verzweiflung und Todesangst Herr zu werden.

    Wenn wir hier auch sehr gern das absolute Grauen wegblenden und brav gelernt haben, den Opfern auf jeden Fall ein hohes Maß an Mitschuld zuzuschreiben, hat das mit der Realität gar nichts zu tun. Der Umstand, dass die USA angeblich wegen "Massenvernichtungsmitteln" den Irak mit chemischen Massenvernichtungsmitteln zertreten haben, mag uns unangenehm sein und deshalb auch verborgen bleiben, den Menschen im Irak jedoch nicht.
    Und der dort erzeugte Hass und die Verzweiflung über die eigene Machtlosigkeit multipliziert sich und fällt im Zuge anwachsender Globalisierung einerseits und der immer freieren Verfügung immer objektiverer Informationsquellen dann auch dort auf fruchtbaren Boden, wo man es unmöglich würde vermuten können.

    Unter Muslimen gibt es noch immer ein ganz anderes Zusammengehörigkeitsgefühl als unter anderen Gruppierungen - es ist durchaus sehr einfach nachvollziehbar, wenn ein junger, türkischstämmiger Muslim, dessen Verwandtschaft in der dritten oder gar vierten Generation hier in Deutschland lebt, über den Irak zur Waffe griffe.
    Das macht den Terror unserer Tage unkalkulierbar; es gibt keine "typischen Herkunftsländer" mehr, aus welchen Infiltration und Indoktrination in Form von Terroristen schwerpunktmäßig zu erwarten wäre.

    Der Terrorist von heute kann, so auch SPIEGEL, durchaus ein hervorragend integrierter und sehr erfolgreicher Mitbürger sein; weder sein Äußeres, noch seine Lebensführung oder sein Ausdruck muss ihn verdächtig machen. Er agiert "aus dem Off"; von niemandem überwacht oder im Vorfeld als "radikal" erkannt, geht er eines Tages einfach los und legt, wie in Boston, einfach eine oder mehrere Bomben.

    Wer sich in dem Glauben eingelullt hat, die massiven Zerstörungsorgien des Westens im Nahen und Mittleren Osten blieben irgendwie unbemerkt, undurchleuchtet, unbekannt und hätten darüber hinaus auch in der Region keinen Widerhall, der wird heute von der neuen Realität überrollt. Der Tod wird in unsere eigenen Reihen zurückgetragen und noch nicht einmal ein Atombombensperrfeuer im Nahen Osten könnte ihn stoppen - im Gegenteil: je mehr Waffengewalt nun dort eingesetzt wird um den Terror dort anzugreifen, desto stärker werden die eigenen Bürger radikalisiert.

    Die Idee verselbständigt sich - wenn man der Presse glauben schenken darf, sind gar die Terrororganisationen in Kirgisien und Tschetschenien aufrichtig über den Anschlag in Boston verwirrt. Die Familie der Attentäter hat dort verwandtschaftliche Beziehungen und die Brüder sind vor einiger Zeit dortgewesen; nun vermutet man, dass sie sich dort radikalisiert hätten. Schüchtern geben die Terroristen in Kirgisien zu Protokoll, dass sie sich aber keineswegs "im Krieg mit den USA" befänden und allerdings keinerlei Attentatspläne in der Richtung entwickelten. Ihr Feind sei nur Russland.

    Die Ursache dieses neuen Terrors finden wir nicht bei Al-Qaida und nicht im Nahen Osten; er bezieht seine Nahrung aus den Informationen, die frei zu besorgen sind und die in eklatantem Unterschied zu den gefilterten, wie sie uns im Westen vorgesetzt wird, ein Vielfaches detaillierter und vor allem vollständiger sind.
    Mir selbst ist weitaus mehr als "nur" dutzendfach aufgefallen, dass große Mengen Informationen hier gar nicht publiziert werden; dabei handelt es sich nicht Bagatellen ohne breites Interesse, sondern um essentielle Informationen zu ansatzweise bekannten Vorgängen. Die werden einfach "ausgeschaltet", weggeblendet, ignoriert.

    Wie z.B. der Umstand, dass die USA im Irak einen Brandbombentyp hundertfach (!) eingesetzt haben, der beinahe identisch mit Napalm ist. Und das ist eine Information, die nicht etwa von einem arabischen Hassblättchen behauptet, sondern von Mitgliedern des britischen Parlaments über den Verteidigungsminister offen recherchiert wurden.
    Möglicherweise war beispielsweise genau diese Information exakt die, die für die Attentäter aus Boston das Fass zum Überlaufen und den letzten Anstoß zur Planung und Ausführung des Anschlags geboten hatte.
    Noch vor vielleicht zehn Jahren wäre diese Information vermutlich erfolgreich vollständig unterdrückt worden - heute ist das nicht mehr möglich, und genau deshalb verändert sich der "neue Terror" und kommt heute aus der eigenen Mitte.

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