szmmctag

  • Charlotte Roche: "Schossgebete" und "Feuchtgebiete"

    Ntürlich bin ich mir bewusst, dass scharfe Kritik an den genannten Pamphleten sofort in den Verdacht führt, alt, verknastert, prüde und voller Angst vor Sexualität zu sein.

    Das ist mir egal - weil nichts davon auf mich zutrifft. 

    Vor etlichen Monaten gesellte meine Frau "Feuchtgebiete" zu ihrem sonstigen Ebook-Bestand; per zufälligem Seitenblick entdeckte ich den Eintrag und sie gab mir ihren kindle für ein kurzes Schnüffeln neben der Möglichkeit, bei Bedarf das ganze Ding lesen zu können.

    Mir reichte der "Genuss" eines halben Kapitels vollständig, um mir ein klares wie schlüssiges Bild von der Autorin nebst der Qualität ihrer Ergüsse zu verschaffen.

    Kunst, die nicht als solche erkannt und auch nicht verstanden wird, ist für mich keine. 
    "Feuchtgebiete" erinnert mich in krasser Form an die Beuys'sche "Fettecke", die erstens keine Kunst ist, zweitens als organische Substanz schnell zu stinken beginnt und drittens mit Ausnahme von einer illustren wie kleinen Gruppe Leute überhaupt verstanden wird. Aber im Falle Roche gibt es eine solche Gruppe gar nicht mal.

    Es bleibt also nur übrig, dass Roche in ihren Büchern sehr große Mengen "organischer Substanzen" verarbeitet - die schnell zu stinken beginnen, und das in jedweder Hinsicht.
    Ihre Bücher sind nichts als aneinandergereihte, verzichtbare wie ekelerregende Scheußlichkeiten. Ich will hier auf Details wirklich verzichten, aber soviel sei gesagt: wer hingebungsvoll Zersetzungsprodukte seines eigenen Körpers verzehrt, gehört vielleicht therapiert, aber keinesfalls veröffentlicht.

    Wir erleben seit nunmehr fast einer ganzen Generation eine konsequente Sexualisierung der Gesellschaft; der Fokus liegt immer mehr auf primären und sekundären Geschlechtsmerkmalen nebst ihrer Organe. 
    Wer braucht heute schon noch einen gewieften Geist - wenn er einen geilen Arsch hat.

    Natürlich gehört Sex und Sexualität zum Menschen; allerdings ist es ein definitiver Fehler, sich selbst über sein sexuelles Angebot zu definieren. Für einige wenige Frauen mag das in Ordnung sein, für die Gesellschaft hingegen nicht: nicht Hintern oder Oberweite, auch nicht rasierte oder naturbehaarte Geschlechtsorgane machen den Wert eines Menschen aus. 
    Roche tut im Sinne ihres Bankkontos das einzig richtige: sie greift tief in die Verbalpornokiste und schreibt zusammen, was Entrüstungsstürme und damit Auflage verursacht. Sie triggert die Gesellschaft am richtigen Punkt an, denn kaum ein Mensch kann sich der Faszination losgelassener Sexualität wirklich vollständig entziehen.

    Das sind allerdings nur Randbemerkungen - und sollen nicht von der eigentlichen Kritik ablenken: die Bücher sind keine Kunst. Sie sind ein Lexikon verzichtbarer Ekel, mehr nicht.

  • Qatar - "Herzlich Willkommen in Deutschland, Majestät!"

    Auch wenn der Anlass des Besuchs ein eher unerfreulicher ist und Ihr, verehrter Emir, Sheikh Tamim Bin Hamad al-Thani, Euch wieder einmal seltsamen wie unbewiesenen und schrillen "Verdächtigungen" ausgesetzt seht, dürft Ihr einer Menge Freunde in diesem Land gewiss sein.

    Alhamdulillah besteht dieses Deutschland (noch) nicht ausschließlich nur aus armen, dummen Schäfchen, die blökend hinter allem herrennen, was ihnen von ihrer Regierung gesagt wird und so seid gewiss, dass sich mit mir viele Menschen aufrichtig über Euren Besuch freuen.

    Eure Heimat darf wirklich stolz auf das Erreichte sein; Euer verehrter Vater hat das wunderschöne Qatar aus der Bedeutungslosigkeit nicht nur in die Moderne, sondern auch in die erste Reihe der wichtigen Staaten der Welt katapultiert. Ihr vertretet das einzige arabische Land, das eine funktionierende, offene und kritische Presse unterhält. Eine große Leistung, die zu beschützen Ihr aufgerufen seid und die das Erbe Eures Vaters ist.

    Mit Euch, Majestät, erhob das einzige Land auf der Erde seine Stimme gegen das unerträgliche Abschlachten von Palästinensern durch Israel und nie werde ich vergessen, dass es Mitglieder Eurer verehrten Familie waren, die an Bord eines Blockadebrechers Nahrungsmittel und Baustoffe nach Gaza gebracht hatten. Ihr gewährt als einziges Land der zur bloßen "Terrororganisation" verunglimpften Hamas Raum und Sicherheit und die Presse Eures Landes war die einzige auf der Welt, die dem blutigen Militärterror der Putschisten in Ägypten die blanke Wahrheit über das offene und wahllose Abknallen von Menschen in Form von Bildern und Reportagen nachgewiesen hatte.

    Ein herzliches Willkommen von meiner Seite, Majestät! Möge Allah Eure Wege und die Eurer Heimat und Eurer Familie beschützen! 

  • "IS" - und ihre seltsame Wahrnehmung

    Es gibt genau einen Punkt, an welchem ich mich tatsächlich in einer Reihe mit allen westlichen Staatslenkern stehen sehe, wenn ich an die "IS" denke.

    Zitat: David Cameron, britischer Premier:

    "Sie sind keine Muslime, sie sind Monster"

    Gut - sogar hier gehört Cameron eigentlich der Mund mit Seife ausgewaschen denn ihm kommt es ganz bestimmt nicht zu zu entscheiden, wer Muslim ist und wer nicht. Ein derartiges Urteil darf noch nicht einmal ein Muslim fällen - das ist uns nämlich verboten. Cameron darf das schon mal gar nicht.

    Und, ja, ich halte diesen Gesichtspunkt keinesfalls für Korinthenkackerei, denn die maßlose Arroganz und Hochnäsigkeit in seiner Satzaussage beschreibt die Kopfinhalte westlicher Politiker sehr gut. Sie hat ja genau dahin geführt, wo wir heute wegen einer "IS" alle zusammen in der Tinte sitzen und taten- wie wehrlos dabei zuschauen müssen, wie ein Bürger eines westlichen Staates nach dem nächsten buchstäblich den Kopf verliert.

    Dennoch darf man verdutzt sein und sich aufrichtig fragen, weshalb auf einmal "bestialisch" sein soll, was alle westlichen Politiker in nur wenig veränderter Form stillschweigend oder sogar patzig akzeptieren: willkürliche Hinrichtungen. Wenn wir jetzt einmal von der besonders grausigen Vorstellung einer Enthauptung als solcher absehen und uns dem Thema "den oder die haben wir da einfach mal so weggemacht." widmen, dann werden wir gerade bei den USA ganz besonders reichhaltig fündig - nur öffentlich oder gar offiziell diskutiert und bewertet wird dies grundsätzlich nie.
    Der gesamte Feuerüberfall auf den Irak war mit nichts als Lügen unterlegt und bestand aus tausendfachen Scheußlichkeiten gegen jede Menschlichkeit. Eine Klage, weder rhetorischer noch juristischer Form, hierüber ist niemals erfolgt. Weit mehr als hunderttausend Menschen sind infolge dieses verbrecherischen Überfalls ums Leben gekommen - häufig noch weit grausamer und entsetzlicher als vermittels einer Enthauptung.

    Ich kann mich nur wiederholen: die gesamte "IS" ist, spirituell betrachtet und bewertet, das exakte Gegenteil von dem, was sie vorgibt zu sein. Sie ist, islamisch gesehen, der sicherste Weg in die Hölle und die bloße Zugehörigkeit zu ihr ist ein schwerer Fehler. Ihre Anhänger sind fehlgeleitete Kretins, ausgespuckt von Gesellschaften, die ihnen vorher zumeist mit Missgunst, Hass, Rassismus und Beleidigungen begegnet sind und die viel lieber schön und heldenhaft in der Fremde sterben als zwischen ihren Verfolgern elend leben daheim wollen. Sie sind eine Armee von Frustrierten, geistigen Notleidern und sonstigen Verzweifelten.
    Aber genau das ist die Botschaft, die sie für so viele reizvoll macht, die noch immer zuhause sind und sich kaum fassen können, weil sich ihnen ein Teil des Lügengebäudes, dass der Westen errichtet hat, offen zeigt.

    Aber die Armee der USA besteht aus kaum anderen Soldaten. Auch sie rekrutieren sich größtenteils aus intellektuellen Nieten, mehr oder weniger ungebildeten Randgruppen vom untersten Teil der Gesellschaft. Sie sind von ihr ausgespien worden und haben nichts als ihre Hände, und die verkaufen sie zum Töten. Deshalb ist der kleine Soldat der USA als Mensch um nichts wertvoller als der kleine "IS"-Milizionär. Mich hat ja schon die Information regelrecht angeekelt, dass dreiviertel aller US-Soldaten bei ihrem Abflug in den Irak auf Befragung diesen noch nicht einmal auf einem Globus zeigen konnten. Es ist und war ihnen einfach egal - solange irgendjemand mit schönem Lächeln über teurem Anzug ihnen sagt: "Der da, das ist ein böser Feind.", solange werden sie ihm achselzuckend, nichtsahnend oder sogar hasserfüllt aufgestachelt mal eben die Birne wegschießen. Oder Elektroden an die Hoden heften. Oder Qur'ane schänden. Oder einfach mal aus Bock ein Maschinengewehr in die Menge halten.

    Die Wahrheit aber spielt in diesem Konflikt längst keine Rolle mehr - sie wurde auf das Gründlichste bereits von G.W.Bush geschändet, zerstört und vergewaltigt. Obama hat ebenfalls von Anfang an gelogen - auch wenn er dies nur wenige Monate nach seinem Amtsantritt selbst noch nicht geahnt hatte.
    Die Reihe der unmenschlichen Gewalttaten, die hundertfach jedes Menschenrecht brachen, die Reihe der Gräber, in denen Unschuldige liegen scheint unendlich. Der Hass, den der Krieg gegen den Irak angefacht hatte ist ein Hass, dem man so gut wie kein Gegenargument entgegenhalten kann - er ist da, fraß sich beinahe ein Jahrzehnt lang durch das Land und er hat seine Berechtigung, auch wenn er sich nicht in Gewalt ausdrücken darf. Das darf er schon mal gar nicht, weil wir Muslime hierzu hohe, edele und unverzichtbare Werte von Allah erhalten haben.

    Aber dieser Hass frisst schlimmer als Säure und stinkt buchstäblich zum Himmel. 
    Man hat schon vor zehn Jahren dem Kind nicht erklären können: "Oh, schau mal, wir haben Deinen Vater erst gefoltert und dann abgeknallt weil wir uns damals einfach geirrt haben." - und heute ist das Kind ein Mann; dieser dient in der "IS" und hat keinen sehnlicheren Wunsch, als einmal nur einem US-Soldaten gegenüberzustehen. Nur einmal - es dauert wirklich nur einen kleinen Augenblick, bis so ein Maschinengewehrmagazin sich in einen Kopf geleert hat.
    Und es sind zehn- wenn nicht hunderttausende von Kindern von damals. Deren Mütter schluchzend auf den Trümmern ihres Hauses saßen, darunter begraben noch weitere Geschwister. Wer wollte sich heute anmaßen, diesen Hass mit Worten verlöschen zu lassen?

    Der Weg, den USA und Großbritannien ihre maßlose Schuld aufzuzeigen und sie vor allen Augen und Ohren der Welt zu entsprechenden Eingeständnissen zu zwingen, der kann niemals über Bomben und Enthauptungen führen - dieser Weg führt nur in die Hölle und sonst nirgendwohin. 
    Dennoch ist die "IS" eine Ausgeburt von uns - wir haben sie gemacht. 
    Weil niemand die USA und England damals aufgehalten hat, weil niemand bis heute den Mut, die Täter anzuklagen, je aufgebracht hat, deshalb muss der Westen wieder als Täter und Mörder zurückkehren und seinen Fehler tausendfach wiederholen.

  • Deutschland - verbietet die "IS"

    Na .... da fürchtet sich aber der "Kalif" im Irak und wird auf jeden Fall sofort alle ruhenden wie aktiven Kämpfer nebst aller Schläfer und Sympathisanten aus Deutschland abziehen. 

    Thomas ("die Misere") de Maizière spricht also markige Worte und verbietet die illustre Terrorgesellschaft mit dem Argument, die Organisation sei eben auch für die öffentliche Sicherheit in Deutschland eine Bedrohung.

    Dieser Behauptung stehen zunächst einmal überhaupt keine Fakten gegenüber:
    Schon Schäuble hat in seiner Funktion als Bundesinnenminister kaum eine Bundestagsrede beendet, ohne seiner maßlosen "Furcht" vor einer jeweils "stark gestiegenen" Anschlagsgefahr Ausdruck zu verleihen. In einem Fall steigerte er sich in ein Crescendo von Endzeitvisionen und sprach gar vor dem Bundestag, es gäbe angeblich die Gefahr einer "schmutzigen" (mithin nuklear "angereicherten") Bombe, die uns von Terroristenseite drohe. Darauf konkret angesprochen, verstummte Schäuble damals wie ein Fisch und sprach nie wieder davon.

    Wir haben zwei sehr seltsame, von Grund auf stark in Zweifel zu ziehende "Anschlagsversuche" zu registrieren: da wäre einmal die berühmte "Kofferbombe von Dortmund", für die derzeit einige "Islamisten" vor Gericht stehen und eine Bombe, die von den bewussten "Sauerlandattentätern" angeblich über die Aufkonzentrierung von Wasserstoffperoxid gebaut und über viele Kilometer zur Zündung vor eine US-Kaserne verbracht werden sollte.

    Dumm nur, dass zur "Kofferbombe" nie ein Zünder "gefunden" wurde und der Sprengsatz eben nie einer war. Hier hatten die Ermittler vergessen, die Befundung am Bahnhof um den bewussten Zünder "anzureichern" - wie blöd ist das denn.
    Die Sauerländer Bombe hat noch ein viel lustigere Geschichte, denn es konnte sie per Definition gar nicht geben. Die "Attentäter" sollen per Küchenchemie in einem privaten Wohnhaus angeblich Wasserstoffperoxid aufkonzentrieren und damit zum Sprengstoff machen wollen. Diese Geschichte wurde phantasievoll mit dem Märchen ausgeschmückt, man hätte seitens der Bundesbehörden frühzeitig Wind von dem Plan bekommen und klammheimlich die Rohstofflösung noch sehr viel weiter herabkonzentriert, um die Fertigstellung mit wirklich brisantem Material zu sabotieren. Dumm nur, dass die ganze Geschichte Schwachsinn war - denn wäre den "Terroristen" die Fertigstellung tatsächlich hochkonzetrierten Wasserstoffperoxids gelungen, hätte es sie allein beim Transport aus der Küche ins Auto schon atomisiert. Das Zeugs ist nämlich extrem erschütterungsempfindlich und verhält sich ähnlich wie Dynamit. Der Transport zur Kaserne wäre unter keinen Umständen gelungen.

    Für meine Begriffe war keiner dieser "Anschläge" echt. 

    Man wollte hier nur der Welt zeigen, dass man als eine der führenden Kriegstreibernationen mindestens ebenso furchtbar unter der behaupteten Terrorgefahr leide wie Bologna oder London. Zusätzlich pumpt man an einem latent längst vorhandenen Angstgefühl der Deutschen, um dies ausreichend stark für die Zustimmung militärischer Einsätze zu bekommen und Kritiker der Hetzpolitik durch die aufgestachelte Bevölkerung selbst zum Schweigen zu bringen. In Deutschland braucht es dazu keine explodierenden Bomben - in Deutschland bedarf es nur vager Geschichtchen, furchteinflößender Berichte und ein paar gezielt hergestellter Fotos, und schon funktioniert das auch.

    Wer sich als Deutscher heut in irgendeine Innenstadt auf ein Marmeladeneimerchen stellt und das Verbot der "IS" kritisiert, wird sein blaues Wunder erleben. Wenn es bei wüsten Beschimpfungen und Unterstellungen von den Passanten bleibt, darf er sich glücklich schätzen.
    Aber wir sind eben Deutsche, und nach Sarrazin haben wir wohl eher dies spezielle Verblödungsgen, welches den Verstand zuverlässig ausschaltet und dafür Sorge trägt, das wir uns viel lieber, aufmerksamer und engagierter gegenseitig an die Kehle gehen bevor wir merken, dass da vielleicht was nicht stimmt. Wir Deutsche sind eben kinderleicht zu regieren; ein paar Gerüchte hier, ein paar Fälschungen und Lügen da, ein paar geschickt "getrimmte" Interviews, ein bisschen Dämonisieren Andersdenkender und schon knüpfen wir gleichgeschaltet, programmier- und vielseitig einsetzbar unsere eigenen Angehörigen und Nachbarn johlend vor Vergnügen an den nächstbesten Laternenpfahl.
    Außerdem finden wir Verbote erotisch. Wir stehen einfach auf all die vielen, tollen Schilder mit den vielen, verrückten und starrsinnigen Verboten, vermutlich finden sich etliche davon als Alternative zu Pornos in deutschen Schlafzimmern. Deshalb haben Dominas auch so regen Zulauf: wir wollen gemaßregelt, korrigiert, beschimpft, benotet, geschlagen und angeschrien werden.

  • USA ./. "IS" - Obama legt Kriegsbemalung an

    ... und hebt den Tomahawk, während er mit lautem Gesang und Federhaube auf dem Kopf ums Lagerfeuer tanzt.

    Die Indianer haben aber weit mehr Kriegstänze getanzt, als Kriege gewonnen. 

    Wenn ich das, was unser allseits immer weniger beliebter Kriegspräsident Obama ins Lächerliche ziehe, dann nehme ich nur die Häme und den Spott vorweg, den er von seinem "Gegner" zu hören bekommen wird.

    Tut mir leid, aber was ich da von seiner Rede höre, die er faselte und von seinem wirren wie verrückten Plan mit der "Zehnerkoalition", dann kann ich mich der Assosziation "Infantilität" nicht erwehren - und warum sollte ich das auch versuchen?

    Einmal ganz davon abgesehen, dass die Rede und sein Vorhaben spontan Übelkeit durch die Erinnerung an das entsetzliche Vorgehen von G.W.Bush erregt. Schon Bush zog wochenlang mit Drohungen und Milliarden im Köfferchen um die Welt und wollte sich ein UN-Mandat für seinen Feuerüberfall auf den Irak zusammenkaufen - nun tut Obama das gleiche

    Sogar dem SPIEGEL ist ausweislich seiner augenblicklichen Online-Ausgabe klar geworden, wo die Hauptschwächen in der "Strategie" Obamas zu suchen und zu finden sind - nur einen Faktor "übersieht" auch der SPIEGEL gänzlich:
    Es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass ein Krieg ohne Bodentruppen eine hervorragend vernetzte und getarnte "IS" entscheidend würde treffen können; zu große Zögerlichkeit lässt ganze "IS"-Trupps ungeschoren, obschon sie aus der Luft erkannt, aber nicht sicher identifiziert werden können. Zu wenig Zögerlichkeit beschert der "IS" jede Menge Gratis-Werbung, weil sie mit ausgestrecktem Finger auf Dörfer und zivile Menschenansammlungen wird zeigen können, die von US-Bomben zerrissen worden sind. 
    Kein einziges Identifikationssystem enttarnt Extremisten aus der Luft zweifelsfrei und selbst für Bodentruppen ist es sehr schwierig zu erkennen, ob er hier einen wie üblich bewaffneten Zivilisten antrifft, der harmlos wie nichtsahnend zu seinem Feld latscht, oder einen wie üblich bewaffneten "IS"-Extremisten, der die gleiche Silhouette abgibt. Derlei Irrtümer sind nicht herbeigeredet, sondern in der US-Kriegspraxis Tagesgeschäft.

    Und jetzt möchte der hochmögende US-Kriegspräsident auch noch "moderate Rebellen" in Syrien aufrüsten und trainieren. 

    Na - da wünsche ich ihm viel Spaß dabei und nur allzugern würde ich mich danebenhocken und dabei zuschauen, wie Obama in Syrien einen brutalen Extremisten von einem aufrichtigen Regimegegner unterscheidet. Verspricht, echt spannend zu werden. Die Erkenntnis aber: "Hoppla! Jetzt hab ich aber versehentlich doch einem 'IS'-Mann ein Maschinengewehr in die Hand gedrückt und nun sitz ich da mit aufgeschossenem Bauch!" - wird ja nicht einem Obama dämmern, sondern nur einem von seinen Soldaten. Längst ist bekannt, dass sich der Durchschnitt der kämpfenden Assad-Gegner radikalisiert hat; viele, die vor Monaten noch einer "gemäßigten" Organisation angehörten, haben frustriert deren Fahne fortgeworfen und haben sich einer "IS" angeschlossen. Ein Verhandlungspartner also, der vor Monaten noch persönlich mit Emissären der USA oder von deren Dackeln England, Frankreich und Deutschland gesprochen und längst die Fronten gewechselt hat, wird Waffen erhalten.
    Wie praktisch. Da weiß die "Zehnerkoalition" also auch sofort, was für ein "Made in .... " auf den Kugeln steht, die ihnen in die Bäuche fahren. 

    Sorry - ich rutsche immer wieder in Zynik ab, aber anders kann man kaum noch auf den Wahnsinn reagieren. 

  • USA - sind wirklich GEGEN die IS ... ?

    Man muss sich den Konflikt im Irak auf ein Reißbrett legen und analysieren.
    Dazu formuliert man Ziele, die ein Außenstehender dort unter der Prämisse, dass er dort massive Wirtschaftsinteressen unterhält, verfolgen würde.
    Mit dieser Technik kommt man zu ganz erstaunlichen Schlüssen:  

    Von Bush senior ist anlässlich des ersten, militärischen Konflikts der USA mit dem Irak wegen dessen Einmarsch in Kuwait der Spruch überliefert: 

    "Wer sich zwischen die USA und das Öl stellt, wird beseitigt."

    Und wie wir gesehen haben, wurde neben der Regierung auch gleich der gesamte Irak beseitigt. Der Weg zum Öl war wieder frei - denn kaum, dass der letzte Schuss gefallen war, sanierten und reparierten Spezialtrupps der USA zunächst einmal die Ölförderanlagen, damit die Förderung und Verladung des Öls in Richtung USA schnellstens wieder funktionierte, was ja auch gelang.
    Der Rest des Landes war den USA vollkommen gleichgültig; Pentagon-Sprecher gaben Wochen nach dem Zusammenbruch des Iraks kleinlaut zu, dass es überhaupt gar keine Planung für "die Zeit danach" gegeben habe und man deshalb im Irak einigermaßen ziellos agiere.

    Für die USA ergab sich die Notwendigkeit, auch für die Zukunft die Etablierung eines neuen Staates Irak zu verhindern, der jemals selbstbewusst und eigenständig agieren könnte. Am besten gelingt ein solches Unterfangen, wenn man die Bildung tragfähiger und befriedeter Politik im Land zuverlässig verhindert. Insofern betrachteten die USA das Ergebnis ihrer zielgerichteten Destabilisierungsbemühungen sehr zufrieden, da sie in permanente Attentate, daraus resultierender, beständiger Verängstigung und im dramatischem Übergewicht einer speziellen Bevölkerungsgruppe mündeten.

    Wenn heute der Eindruck erweckt werden soll, dass die Person Al-Maliki als rasendem, hysterisch und wütend agierenden Shiiten jemals unangenehm gewesen sei, so entspricht dies natürlich nicht der Wahrheit. Immerhin schaute die ganze Welt Al-Malikis Wüten ungerührt und kommentarlos über Jahre einfach zu. Der Irak begann sich zu zersplittern - eine Grundvoraussetzung für die USA, auch langfristig dort Öl zu bekommen. 

    Nun tritt ein neuer, im präsenten Ausmaß möglicherweise tatsächlich überraschend großer und machtvoller Player auf: die "IS".
    Sie kann den USA zuverlässig garantieren, dass die Zersplitterung und allgemein höchst prekäre Situation des Irak Bestand haben wird.
    Deshalb agieren Obama und Merkel sehr vorsichtig und legen, ganz wie bei einem Ofen, immer nur soviel Brennstoff nach, dass die Flammen erhalten werden. Gleichzeitig wollen sie Barrieren errichten, damit sie die "IS" zuverlässig im Irak eingehegt behält und die Kämpfe nicht unkontrolliert auf die gesamte Nachbarschaft überschwappen.

    Tagesaufgabe für Obama ist es also, nicht allzuviel militärische Macht aufzubieten. Man braucht die Terrorgruppe als politisch-strategisches Wirkmittel in der Region und versucht, sie zu steuern. Die Destabilisierung muss in jedem Falle aufrecht erhalten werden, sonst käme eines Tages ein Iraki womöglich noch auf die Idee, dass sein Öl ihm gehören könne und er eigene Preise und Lieferbedingungen formulieren müsse.

    Deshalb muss Deutschland Waffen liefern; Quantität und Qualität aber müssen fein abgestimmt sein und dürfen nicht dazu taugen, die "IS" tatsächlich zu besiegen. Deshalb pumpt man die Waffen auch in die Kurden: erstens riskiert man dadurch keine eigenen Soldaten und zweitens erhöht man die Macht Kurdistans, damit dies eines Tages seinen natürlich bewaffneten Kampf gegen die Regierung des Iraks in Baghdad führen kann. Denn Kurdistan will die Autonomie; der Irak will und muss dies verhindern, zumal die Kurden irakische Ölquellen für sich beanspruchen. 
    Hier haben USA und Deutschland einen geglaubt gerissenen Schachzug hingelegt: eine politisch-militärische "Vollautomatik". Sollte, was niemand hofft, gegen alle Erwartungen eine "IS" tatsächlich eines Tages beseitigt werden können, werden sich die Kurden sofort zum autonomen Staat erklären - und die nächsten fünf bis zehn Jahre Krieg im Land wären gesichert. Man positioniert sich schon jetzt, um für später Geschichte zu schaffen, auf die man sich dann wird beziehen können - Steinmeier äußerte schon mal vorsichtig, dass er eine Autonomie Kurdistans "nicht begrüße". Vielleicht reibt er sich schon jetzt die Hände, weil er eines Tages dann Baghdad gegen die Kurden bewaffnen darf.

    Die in der Region wahrgenommene "Bewegung" ist also tatsächlich keine. Die USA haben die destabilisierende Person Al-Malikis, dessen Treiben und Töten immer bizarrer geriet, gegen die destabilisierende "IS" getauscht - und wie sie Al-Maliki in den letzten Jahren durch gezieltes wie ganz bewusstes Nichtstun haben wirken lassen, so werden sie auch die "IS" langfristig nur mit geringen Mitteln "bekämpfen". Gerade genug, damit die Weltöffentlichkeit registriert, dass die USA angeblich gegen die "IS" kämpfe aber keinesfalls zuviel, um den Gegner (der eigentlich ein Freund ist) bloß nicht vor der Zeit zu vernichten.

    Sicherlich glaubt man in Berlin und Washington derzeit noch immer (starrsinnig), man habe die Situation im Griff und könne den Konflikt steuern.
    Das wird jedoch nicht gelingen.
    Weil dergleichen noch niemals gelungen ist.

  • Deutschland - der schlechte Witz um die "Scharia-Polizei"

    Wenn die Verursacher der letzten, islamistischen Verirrung auch gestern noch verzweifelt versucht hatten, ihre eigene Aktion als "gezielte Provokation" zu verkaufen um vor der Öffentlichkeit ihr Gesicht nicht zu verlieren, so klang dies höchst jämmerlich - und das war die gesamte Aktion auch.
    Ja - zugegeben: Gute Muslime müssen sich für ihre etwas zurückgebliebenen und verhetzten Geschwister von der Salafistenfront tatsächlich schämen. Sie sind verblendete und aufgehetzte Kinder; einerseits nicht ernstzunehmen, andererseits aber potenziell sogar gefährlich, weil krankhaft intolerant und aggressiv. Ich weiß nicht, woran diese Leute glauben - an den Islam erinnern mich jedenfalls nur die unwesentlichen Teile ihrer Laut- und Glaubensäußerungen ganz ungefähr. 

    Eines aber muss dennoch in aller Entschiedenheit festgestellt werden: nicht alle Salafisten entsprechen diesem Bild und noch lange nicht jeder Salafist ist ein Friedens-, Freiheits- und Frauenfeind.

    Dennoch reagierte die deutsche Regierung in persona de Maiziere völlig richtig - und ausnahmsweise wählte er sogar richtige, wenn auch starke Worte, indem er es entrüstet wie empört von sich weist, dass in diesem Lande irgendjemand den Namen "Polizei" missbraucht - und dann auch noch zu derart dämlichem Zwecke.
    Fast erschreckt es mich, dass ich der Regierung ausnahmsweise in Fragen des Islam die Stange halten und ihr zustimmen muss - aber was Recht ist, muss Recht bleiben

    Wenn der SPIEGEL nun sowohl sich als auch der deutschen Öffentlichkeit heute in seiner Online-Ausgabe erschrocken die Frage stellt, warum sich so viele junge Leute freiwillig zu solchem, wie auch im Nahen Osten blutigen Dienst verschreiben, so ist die reine Frage bereits eine Heuchelei - denn eigentlich kennen wir die Antwort doch alle, auch wenn sie sehr unschön für uns alle ist.

    Jahrelang, beinah jahrzehntelang versuchte man, all diese jungen Leute als hoffnungslose Fälle zu betrachten, weil sie gefühlt und vermutet allesamt verkrachte Hauptschulabbrecher, Kinder von Säufern oder Geschiedenen sein sollten. Ein halbgares Erklärungsmuster, welches nichts anderes im Sinn hatte als unsere gesellschaftliche Hauptmarschrichtung neben all den Wohltaten für uns bloß nicht zu gefährden.

    Wir haben nämlich in Deutschland keinen Bock (mehr) auf (unsere) Kinder.

    Gegen alles, was sie vor, während und nach ihrer Pubertät zu umtreibt, kennen wir kein Mittel, sondern nur konsumtechnische Sedativa wie TV, Smartphone, Spielkonsolen, üppige Taschengelder, Markenturnschuhe. Und falls uns das Geld für diese "Ruhigstellungsmethoden" fehlt, dann treten wir eben eigens dafür neben dem zweiten auch den dritten Job an, frequentieren ruinöse Kredite, oder wie saufen uns zu und schicken die "Problemfälle Kinder" dafür zum Spielen (mit Drogen, Rechtsradikalen oder Baseballschlägern) nach draußen auf die Straße.
    Im Anschluss daran dürfen wir uns vor laufenden Kameras dann erschrocken wie wahrheitsgemäß dazu äußern, dass wir in der Tat keine Ahnung hatten, was unser Kind eigentlich wirklich so machte, kurz bevor es bis an die Zähne gerüstet in seine Schule einrückte und seinen Weg mit zahlreichen Leichen pflasterte, bevor es sich seine Neunmillimeter an die eigene Birne setzte.

    Die hoffnungslose Situation unserer Kinder ist nicht die Schuld der Salafisten - die nutzen nur, wie jedes gute Virus auch, die Schwäche unserer Gesellschaft, unserer Immunabwehrkräfte aus um sich zu multiplizieren. Das dumme Virus kann auch nicht ermessen, dass es mit dem Absterben ihres Wirtskörpers auch sein eigenes Überleben beendet und so verstehen auch die Salafisten nicht, dass sie sich mit dem was sie tun, langfristig betrachtet, am eigenen Bart aufknüpfen.

    Besonders tragisch finde ich es persönlich, dass die Salafisten mit ihrer Aktion sogar mittelbar Recht haben und uns etwas ganz Wichtiges aufzeigen: Interesse nämlich.
    Muslimische Gesellschaften beherrschen bis heute und in weiter Zukunft noch die Kunst, sich füreinander zu interessieren, sich gegenseitig wahrzunehmen und sich umeinander zu bekümmern - denn das ist die zentrale Forderung des Islam und findet sich in der Jihad-Philosophie wieder. Denn Jihad heißt nicht, schießen zu gehen oder Steine zu werfen, der Jihad meint die "Anstrengung", sich für das Wohl anderer einzusetzen und unser Verehrter Prophet nannte den Jihad den "schwierigsten und schönsten", der nicht mit dem Schwert gekämpft würde.

    Töten ist leichter als lieben. 

    Nun sind es die Salafisten, die im Rennen mit Rechtsradikalen unseren Kindern Aufmerksamkeit, Leitung, Richtlinie und Ordnung schenken (wollen) und auf einmal wird es uns unangenehm, dass jemand unsere elterliche, unveräußerliche wie unvermeidbare Aufgabe wahrnimmt. 
    Wenn wir unsere Kinder auf die Straße schicken, weil uns Problemgefasel nach einem Arbeitstag am Abendbrottisch nervt und weil wir keinen Bock darauf haben, uns mit ihren Fünfen aus der Schule auseinanderzusetzen, dann wird sich immer einer finden, der unseren Job macht.
    Ja - und es ist unsere Aufgabe als Eltern, auch Streit, Auseinandersetzung und Richtungskämpfe zusammen mit unseren Kindern durchzustehen, in dem wir ihnen Bandbreiten der Freiheit geben und mit dem Licht unserer Aufmerksamkeit, Liebe und Vertrauen ausleuchten. Wir werden es unseren Kindern niemals so recht machen können, dass sie immer ein Schokoriegelgrinsen im Gesicht und keinen Unsinn im Sinn haben - das hat die Natur auch niemals so vorgesehen. Wir werden unsere Kinder nie abstellen und es gibt weder Pille noch Spritze (auch wenn diesen Weg so einige versuchen!), mit denen wir unsere Kinder so optimieren können, dass sie funktionieren wie ein neues Smartphone.
    Sie werden uns anschreien, wenn wir ihnen nicht die geforderten Bonbons, TV's und Markenschuhe kaufen. Sie werden uns vorübergehend als "verblödete Kalkeimer" nennen, uns ihren Mittelfinger zeigen, wenn wir ihnen nicht erlauben, mit dreizehn Jahren bis um zwei Uhr morgens auf alkoholschwangere "Parties" zu gehen. Das müssen wir alles aushalten, denn so wird es kommen, wenn wir uns plötzlich (wieder) um unsere Kinder kümmern.

    Das ist keine leichte Zeit für Eltern. Sie haben Kinderausgaben zuhaus, die jeder Beschreibung zu spotten scheinen. Die lieben Kleinen werden uns herausfordern, weil es ihr Recht ist, dies zu tun. Sie müssen, sie wollen und sie werden sich mit uns anlegen, weil sie ihre Grenzen fühlen und kennenlernen wollen - und müssen.

    Ein Virus ist ebensowenig "schuld" am Tode eines Körpers wie die Salafisten am Leid unserer weggefangenen und gekeilten Kinder.
    Was glauben wir denn, was unsere Kinder am Salafismus finden? An dieser ach so freiheitsbeschneidenden, erzkonservativen, lustfeindlichen Religionsausübung? Warum finden es unsere Kinder denn so geil, all die Dinge nicht mehr haben und tun zu dürfen, die sie so trotzig von uns erstreiten wollten?
    Weil sie sich danach sehnen, wenigstens Grenzen definiert zu bekommen, eine entschiedene Richtung kennenzulernen.

    Es ist zu einfach, so verführerisch einfach, Salafisten die Schuld für das Versagen unserer Kinder in die Schuhe zu schieben. Ein derart schlechter Witz wie die "Scharia-Polizei" wäre in Deutschland völlig undenkbar, wenn wir uns nur um unsere eigenen Kinder selber kümmern würden.

  • "IS" - wie werthaltig sind die Vorwürfe gegen den "Islamischen Staat"

    Derzeit existiert eine wahre Flut an Bildern und "Zeugen"-Aussagen, die uns das Bild einer vollkommen durchgeknallten, rasenden und hysterischen Kämpfertruppe vermitteln wollen.
    Verifiziert ist nicht wirklich viel; weitaus mehr als aus den Verlautbarungen aller erdenklichen Regierungen erfährt man wohl aus den vom "IS" selbst beigesteuerten Bild- und Tonmaterial, auch wenn hiervon auch einiges gefälscht, übertrieben oder hoffnungslos übertrieben sein dürfte.

    Teilweise sind die Inhalte der kämpferischen Reden von Hasspredigern, die momentan u.a. auch in Europa auf Werbungsreise für die "IS" unterwegs sind, allerdings verständlich. Wenn von ihnen gesagt wird, dass die gesamte Region im und um den Irak herum seit mittlerweile Jahrzehnten schwerstens von den westlichen Industrienationen beschossen, versklavt, gedemütigt und zerstört wird, ist dies leider nicht von der Hand zu weisen. Es entspricht ganz einfach der Wahrheit.
    Es will nicht in den Kopf, weshalb die Wahl der Kampfmittel einer USA im Nahen Osten akzeptabel erscheint, die gleiche Wahl seitens einer "IS" aber dämonisiert, global beschrien und mit geschüttelten Fäusten begleitet wird.

    Die westlichen Industrienationen führen sich dort nämlich um nichts moralisch wertvoller oder menschenrechtlich sauberer auf; wir wollen nicht vergessen, dass sich gerade die USA jeden Tag aufs Neue gegen Menschenrechte vergehen.
    Selbst wenn es hart an alle Grenzen geht, muss man sich tatsächlich nüchtern und objektiv die Frage stellen, ob die zahlreichen Foltercamps der USA auf der ganzen Welt mit ihren mehr als grausamen Methoden wirklich "besser" sind als die öffentlichen Enthauptungen, die eine "IS" durchführt. Seit vielen Jahren werden hunderte von Vorwürfen gegen die USA im Keim erstickt, schaffen es erst gar nicht in die Medien, werden relativiert und versanden in den Köpfen der Menschen, weil sie eisig totgeschwiegen werden.

    US-Soldaten, die aus "Spaß" von Dächern aus in befriedeten Zonen zufällig daherlaufenden Kindern in die Genitalien schießen, weil man einen entsprechenden, "lustigen Wettkampf" veranstaltet. Irakis, die entblößt auf Hockern stehen und mit Elektroschocks gequält werden. Väter, die man samt ihren Söhnen absichtsvoll über viele Stunden ohne Wasser in der Sonne des Hochsommers sitzen lässt. 
    Ganze Dörfer, die aufgrund eines vorgeblichen "Irrtums" von den Verbündeten aus der Luft ausradiert werden. 
    In den letzten fünfzehn Jahren dürfte eine gute Viertelmillion Menschen unrechtmäßig und unschuldig von den USA samt ihrer "Freunde" umgebracht worden sein; nach Kräften bemühte man sich immer und immer wieder darum, sie vor ihrem Tod auch noch durch die Schändung ihrer Werte zu beleidigen (indem etwa demonstrativ Ausgaben des Qur'an besudelt, beschmutzt und vernichtet werden).
    Selbst deutschen Soldaten wurde bereits vorgeworfen, sich an Minderjährigen unter ihren Schutzbefohlenen zu vergehen; von größeren Vergewaltigungsaktionen war die Rede.

    Da ist nicht einzusehen, dass der Westen die Gewaltausbrüche der "IS" so entsetzt kommentiert und damit die Sichtweise zu installieren versucht, dass das gleiche Verbrechen der "IS" im Gegensatz zu dem der USA zu verurteilen sei. Mir will nun nicht wirklich in den Kopf, was den Tod eines Mannes, der mit unbehandelter Bauchwunde (!) stundenlang zu Tode verhört wurde, weniger schändlich wäre als die (schnelle) Enthauptung einer westlichen Geisel.
    Auch der Umgang der Menschen untereinander gestaltet sich innerhalb der von der "IS" beherrschten Region wohl letztlich nicht viel grausamer als in den USA. Dort hat man, wie leicht und von jedem nachzulesen ist, überhaupt gar kein Problem damit, einen Todeskandidaten im Verlauf von zwei Stunden (!) ganz langsam zu Tode zu quälen. Das angeblich "verpfuschte" Todesurteil traf auf erschreckend wenig Kritik - und gleichzeitig auf viele US-Betonköpfe, die auch noch ganz gern zu Protokoll gaben, dass es in den USA "kein Recht auf einen sanften Tod" gäbe.
    Es gibt und gäbe noch hunderte von Beispielen, die "den Westen" samt seiner Wirtschafts- und Kriegspolitik nicht einen Deut besser dastehen ließen als den gesamten Irr- und Wahnsinn einer "IS".

    Dieser Krieg ist einer der Medien - nicht der Moral!

    Die Hassprediger, der verkrachte "Kalif" nebst ihrer dummgequatschten Gefolge und der gesamten "IS" allerdings begehen einen einzigen, besonders folgenschweren und furchtbaren Fehler: sie lügen.
    Wenn sie davon reden, der Westen griffe den Islam und mit ihm die Muslime breitflächig an, so verdrehen sie die Wahrheit arglistig. Es ist dem Westen in der Realität nämlich vollkommen gleichgültig, wen er zusammenschießt; er würde keineswegs anders vorgehen, wenn es sich etwa um Buddhisten handeln würde. Der Kampf der USA ist ungeachtet jeder Religiosität einer um Märkte, Macht und Geld.
    Für den Nichtmuslimen mag dies eine Marginalie sein, für Muslime hingegen nicht.
    Bestünde der begründete Verdacht, es handele sich hier nicht um Kriege und (Massen-) Tötungen für Öl und Geld sondern es würde sich in der Tat um die zielgerichtete Vernichtung von Muslimen drehen, so wäre die Begründung für einen tatsächlichen "Jihad des Schwertes" allerdings geliefert. In einem solchen Fall würden zehn- oder gar hunderttausende von muslimischen Kämpfern für den Schutz ihrer Geschwister einzustehen haben - was noch nicht einmal zwangsläufig Waffengebrauch unabdingbar machen würde. Ein derartiger Jihad würde bereits Aussicht auf Erfolg haben, wenn man sich solidarisch wirtschaftlich mit Boykotts und (Ölliefer-) Embargos dem Westen entgegenstelllte.

    Es liegt jedoch kein einziger Beweis für die Annahme vor, der Westen engagiere sich mit dem Ziel der Vernichtung von Muslimen oder des Islam. Insofern besteht jede Werbungsrede jedes Hasspredigers aus fehlerhaften Schlüssen aufgrund einer erlogenen Grundlage - und reduziert sich daher schlicht auf den Aufruf an die Muslime, Hand in Hand gemeinsam in die Hölle zu marschieren, da sie sich samt und sonders einfach nur bestialischen, blinden und wütenden Mordes schuldig machen. 
    Gut - mit solchen Feinheiten geben sich ihre Gegner nicht ab; sie töten, foltern und verhaften völlig gewissensfrei. Aber warum sollten sich Muslime auf ein solches Niveau herabbegeben?

    Im Grunde genommen müsste die Welt die USA mitsamt ihrer ganzen (!) Volkswirtschaft für die Wiedergutmachung der von ihr angerichteten Schäden verhaften - nötigenfalls versklaven. 
    Es gälte, zerstörte Milliardenwerte wieder zu errichten, Infrastruktur neu aufzubauen und den gesamten Irak um die giftigen Hinterlassenschaften ihrer Uranwaffen zu entlasten (was alleine ein Werk darstellte, was dutzende von Milliarden Dollar notwendig machte!). An die Angehörigen der von den USA zu Unrecht umgebrachten Irakis müssten auskömmlicher Schadensersatz entrichtet werden. Aber all das brächte selbst eine US-Volkswirtschaft, die ohnehin derzeit schwer angeschlagen ist, über den Rand des Ruins hinaus.

    Für all die militärischen und grausamen wie grauenvollen Probleme, die die Entstehung und das Wüten einer "IS" momentan mit sich bringen, ist natürlich auch niemand anders verantwortlich zu machen als die USA und England, schon da die Urheberschaft für all das völlig klar und nicht zu bezweifeln ist. Es müssten durchaus große Kontingente der US-Armee dort einmarschieren und ihren eigenen Hintern im Kampf gegen das riskieren, was sie selber vor vielen Jahren initiiert und buchstäblich angerichtet haben.
    Aber das scheint mir ein anderes Thema zu sein.

    Der Hegemonialanspruch der "IS" ist um nichts geringer zu bewerten als der moralisch/militärisch/wirtschaftliche des Westens.
    Bush hat damals Saddam Hussein und viele seiner Getreuen z.T. vor laufenden Kameras hängen, zu Tode foltern und abknallen lassen, seine Foltergefängnisse hatten Struktur und Programm in ihrem Wahnsinn und die vielen tausend größeren und kleineren Verstöße gegen jedes Menschenrecht sind ebenfalls bis heute nicht nur ungesühnt geblieben - im Gegenteil: nie kam auch nur ein einziges Wort des Bedauerns für all das angerichtete Unrecht über die Lippen eines US-Führers.

    Womit würde "der Westen" eine moralische Überlegenheit, vorgeblich größere Rechtstreue und Aufrichtigkeit wohl beweisen wollen?

  • "IS", "Islamischer Staat" - folgt den Vorstellungen und Ideen des Westens

    Das breitflächige, offizielle "Empören" westlicher Regierungen ist an Scheinheiligkeit und Verlogenheit kaum noch zu überbieten.

    Wer in den vergangenen fünfzehn Jahren etwas (!) näher hingeschaut und sich ein wenig nur (!) für Hintergründe interessiert hat, schlägt sich angesichts der bizarren Lautäußerungen einer US-, der französischen und deutschen Regierung mit der flachen Hand an den Schädel und kann kaum fassen, was er da hören muss.

    Nur mal so als Rand- und Nebenbemerkung sei den USA an dieser Stelle gesagt, dass die vom Franzosen Hollande ausgestoße Äußerung, (Zitat: SPIEGEL-Online)

    " ... die Tat beweise den "schändlichen Charakter der Dschihadisten-Organisation, die die Freiheit infrage stellt und nur den Terror kennt."

    nur ein ziemlich schlechter Witz ist wenn man sich vergegenwärtigt, dass die USA ihre Todeskandidaten schon mal ganz gern über zwei Stunden lang zu Tode quält - und selbst nach internationalem Aufschrei dagegen überhaupt keine Veranlassung dazu sieht, über ihre Todesstrafe vielleicht doch noch einmal nachdenken zu wollen. Was natürlich heißt, dass diese zweistündige Qual zumindest billigend in Kauf genommen wird. 
    Beweist die Todesstrafe in den USA etwa auch einen "schändlichen Charakter" dieser "Raubtierkapitalisten-Organisation", die die Würde und die Rechte von Menschen in Frage stellt und nur den Terror kennt"?

    Stellt man diese allerdings völlig zutreffende Zynik einmal beiseite, bessert sich dadurch auch nichts.

    Die "IS" konnte sich nur dank tätiger Mithilfe, schlauen Weghörens, beständigen Negierens und eisigen Totschweigens der USA bilden und wären nicht unüberschaubare Unmengen von Waffen aus dem Westen in die Region getragen worden, könnte eine "IS" überhaupt nicht existieren.
    Sie hat sich ja nicht aus Wüstensand selbst erschaffen und ihre Kämpfer haben sich ja nicht in Erdmännchenhöhlen zufällig gebildet.

    Gute zehn Jahre lang hat der Westen dem, was dem verbrecherischen Überfallakt der USA und Großbritannien im Irak gefolgt war, uninteressiert einfach nur zugeschaut. Über viele Jahre konnte der shiitische Blutsäufer al-Maliki ungehindert wüten und die Welt hätte sehr klar erkennen können und müssen, was sich dort langsam aber sicher klar erkennbar abzeichnete: eine anwachsende Opposition und Feinesschar gegen al-Maliki, die sich zuletzt tatsächlich nur noch mit Waffengewalt und blutigen Schießereien gegen die blutigen, ethnischen Säuberungsaktionen ihres "Präsidenten" zur Wehr setzen konnte.
    Und das fand noch Jahre (!) vor der Gründung einer "IS" (oder zu ihrem Beginn eben "ISIS") statt!

    Die Prahlerei westlicher Geheimdienste nebst der dazugehörigen Enthüllungsaktion von Edward Snowden macht doch eines vollkommen klar: es gibt kaum eine Grille auf der Erde, deren Rülpsen nicht vom NSA registriert würde.
    Das aber bedeutet zweifellos (!), dass die derzeit herrschenden Verhältnisse von den USA und ihren Verbündeten gewünscht und gewollt sind - wenn nicht sogar gezielt herbeigeführt.

    Und natürlich gibt es eine schier unglaubliche Menge von Beweisen, Indizien, Argumentationssträngen, die exakt in diese Richtung laufen - denn nichts kann den führenden Industrienationen des Kapitalismus die Kassen schneller füllen als eine rohstoffreiche, völlig destabilisierte und traumatisierte Region.

    Die Einnahmen aus diesem Krieg sprudeln auf vielen Ebenen:

    Der Waffenverkauf hält sich künstlich angefacht auf hohem Niveau, Preisdiskussionen werden wohl kaum geführt; in dem sich die Liefernationen nach außen zieren und dadurch einen latenten Mangel provozieren, halten sich die Preise. Es kann und will alles geliefert werden, die gesamte Bandbreite von Kurz- wie Langwaffen bis hin zu komplexen Panzersystemen nebst der Technologie, genau diese auch zerstören zu können, wird nachgefragt. Die Wirtschaft liebt solche Situationen, sie werden "Verkäufermarkt" genannt, weil der Verkäufer Preise und Mengen diktieren kann.

    Der Öleinkauf hingegen gestaltet sich spiegelbildlich ebenfalls höchst angenehm. Die Nachfrager brauchen ihr Öl als Tauschware für Waffen und können sich ihrerseits keine Preis- oder Mengendiskussionen leisten. Im Ergebnis bedeutet dies nur marginal bedrohte Versorgungssituation bei gleichzeitig hohem Mengenangebot - was zu einbrechenden Preisen führt. Dieser Markt ist ebenfalls ein von der Wirtschaft geliebter und nennt sich "Käufermarkt". Der Käufer wählt aus reichhaltigem Mengenangebot frei aus und diktiert die Preise.

    Gleichzeitig können die Regierungen, ganz und frei nach Macchiavelli, innerhalb ihrer eigenen Grenzen genug Angst und Unsicherheit verbreiten, die zur Ausgrenzung ganzer Bevölkerungsteile führt. Da das Bildungsniveau seit einigen Jahrzehnten gezielt heruntergefahren worden ist, ist die Hemmschwelle der Menschen, Gewalt gegen ihre eigenen Mitbürger und Nachbarn anzuwenden, längst gefallen.

    (Zitat: SPIEGEL-Online)

    "Nach Angaben des Bundesinnenministeriums hat es allein von Januar bis August dieses Jahres zwölf politisch motivierte Übergriffe auf Moscheen in Deutschland gegeben. Seit 2001 wurden nach dieser Zählung insgesamt mehr als 300 muslimische Gotteshäuser attackiert. Das Spektrum der Taten reicht von Hakenkreuzschmierereien über Morddrohungen gegen Imame bis hin zur Brandstiftung."

    Das ist eine hervorragend nutzbare Grundsituation für Regierungen, Spannungen, Übergriffe und Hass in ihren Bevölkerungen feinsteuern zu können. Menschen, die übereinander herfallen, versammeln sich nicht mit Plakaten und Steinen in der Hand vor dem eigenen Regierungssitz.

    Als Teibstoff für dies latente Verunsicherungs- und Angstgefühl dient die "IS" - und macht einen hervorragenden Job. Wie wir es brauchen, präsentieren sie online Enthauptungen und triggern unsere Seele immer aufs Neue mit Vergewaltigungs- und Hinrichtungsszenen an. Unsere Stammtische mit dummgewordenen Schreihälsen drumherum brauchen die "IS" für ihre blöden Gewaltphantasien, die sie auf Nicht- bzw. Halbwissen von der Sache gründen.
    Gleichzeitig (!) aber dient die geschürte Angst dazu, nationale und multilaterale Kumpelschaft in Sachen Überwachung und Ausschnüffelung herzustellen und langfristig sicherzustellen, dass unter dem produzierten Tarnmäntelchen des Terrors Vorsorge getroffen werden kann, um in Zukunft die eigenen Bevölkerungen kontrollieren und korrigieren zu können.

    Denn es gibt eine "Zeit danach", wenn der Kapitalismus heutiger Ausprägung endgültig für die breite Menschheit versagt und nur noch einer dünnen Eliteschicht ein angenehmes Leben ermöglicht. Schon heute knirschen und brechen aufgrund der herbeigeführten Ungleichheit in der Wohlstandsverteilung allerlei Sozialsysteme, da braucht man künftig einen veritablen "Feind", den man beizeiten als Sündenbock aufbauen muss.

    In den letzten Jahrzehnten schaufelt man zehntausende von Tonnen Sprengstoffe in die Region - und immer hieß es, man wolle damit "Frieden" erzeugen. Gelungen aber ist dies nie.
    Es scheint nur so, dass man sich halt "geirrt" hätte.
    Die begleitenden Äußerungen und Begründungen für die Eröffnung der verschiedensten Gefechtsfelder waren von Beginn an nur für die Politik, die Verkaufbarkeit der Aggressionen gedacht und hatten zu keinem Zeitpunkt jemals die Absicht, genau das erzeugen zu wollen, was ihrer Zukunftsplanung empfindlich geschadet hätte: Frieden.

    Die "IS" ist ein Monstrum ganz nach dem Geschmack der USA, Deutschland, England und Frankreich. Von jenen nachweislich mittelbar, punktuell ganz sicherlich unmittelbar erst gegründet, ermöglicht, finanziert und bewaffnet.
    Die "IS" ist genau der "schwarze Mann", vor dem sich das Kind fürchtet und seine Suppe lieber doch isst.

    Aber nun ist er tasächlich und unbestreitbar tatsächlich von der Kette, der "schwarze Mann" und nun sind wir tatsächlich in der Not, sie ausradieren zu müssen.
    Aber das kann für die Zukunft der Menschheit natürlich nicht eine Aktion einzelner Staaten sein und selbstverständlich ist es wieder einmal nur Kennzeichen der Absicht, auch in Jahrzehnten noch von Kriegen in der Region profitieren zu können, wenn nun willkürlich wieder Waffen dort hineinpumpt.

    Selbstverständlich müsste es eine UN sein, die mit einem großzügig ausgestatteten Mandat ein Heer von mindestens einhunderttausend Mann zusammenstellt, die "IS" umstellt, sich nur auf Scharmützel einlässt, die einen Kesselausbruch verhindern und den Terror regelrecht und buchstäblich aushungert und austrocknet.
    Bloß keine Waffen dorthin und auch kein Geld! Umstellt sie, drängt sie zurück, aber liefert bloß keine Waffen!

  • Das Zeitalter der grassierenden Verblödung

    Wer mein blog etwas länger kennt, der kennt auch meine Leitthesen:

    1. Die Menschheit verblödet.
    2. Die Menschheit verblödet freiwillig. 
    3. Der Verblödungsprozess der Menschheit wird von Regierungen massiv unterstützt.

    Es ist jedoch nicht ganz einfach, diese Thesen auszubreiten und es gestaltet sich noch wesentlich schwieriger, sie argumentativ zu fundieren. Es gibt nämlich zwei dazugehörige Reflexe, die keineswegs außer Acht gelassen werden dürfen und die sehr machtvoll zu Werke gehen.

    Sibylle Berg, schwadronierende wie scharfzüngige, wenn leider auch nicht immer sehr treffgenaue Feuilletonfüllerin vom SPIEGEL, aber leistet mir mit ihrem Abgesang auf die Kultur völlig unerwartet Schützenhilfe.

    (Zitate: SPIEGEL-Online)

    Klug zu sein erscheint heute nicht mehr als Eigenschaft, die Bewunderung hervorruft.

    Denken bedeutet heute nicht mehr Diskurs, sondern politisch korrektes Korrektiv der Masse. Foren. Blogs. Shitstorms. Bullshit.

    Allerdings. Leider ist dem tatsächlich so. 
    Bereits ein etwas ambitionierteres Vokabular neben eines eher intelligenteren Satzbaus im gesprochenen Wort setzt einen Kulturbeflissenen und Belesenen in ein durchaus schlechtes Licht. Derlei Fähigkeiten werden peinlich berührt zur Kenntnis genommen; wo im gesprochenen Satz schlampige Grammatik und tiefergelegte Wortwahl allgemein gern akzeptiert und erwartet wird, tritt gern mal betretenes Schweigen ein, wenn ein etwas anderer Beitrag in solcher Runde geliefert wird.
    Es ist, als habe man sich vor Publikum mit dem Finger zunächst im Po und anschließend in der Nase gebohrt.

    "Klug" zu sein, das bedeutet heute nicht nur, sich von der Allgemeinheit abzuheben, sondern sich auch dem allgemeinen Wunsch nach Verblödung nicht anschließen zu wollen - eine Außenseiterposition droht, und nicht alle halten eine solche aus. Mir sind nicht wenige begegnen, die ihre Intellektualität erst nach vorsichtigem Sondieren zutage treten lassen und zunächst ein Tarnmäntelchen der Dummheit tragen.

    Es wäre verwegener Unfug zu behaupten, der real existierende Verblödungskapitalismus hielte die Menschen von Bildung und Kultur fern, aber durch die Eigendynamik der Lebensumstände ist es für den Einzelnen sehr aufwendig, sich Zeit zu nehmen, um sein Gehirn mit etwas anderem als TV-Serien und Games zu fordern.

    Gut - diesen Gedanken begleite ich in der vorliegenden Form nicht. 

    Der moderne Mensch, gerade, wenn er sich in einer satten, warmen und sicheren Umgebung wie die eines betulich-gemütlichen Nordeuropa aufhält, verfällt in den Reflex, den alle Carnivoren innehaben: sobald er satt ist, legt er sich zum Dösen und Schlafen unter einen schattigen Baum - und interessiert sich für nichts. Er nimmt keine Reize auf, die ihm, wäre er nicht satt, möglicherweise einen Hinweis auf Beute liefern könnten und Antilopen latschen gemütlich dicht an Löwenrudeln vorüber, wissen sie dies satt.

    Im logischen Umkehrschluss würde dies, wenn man meine These verifizieren wollte, bedeuten, dass schiere Not, Hunger, Unsicherheit und gewalttätige Auseinandersetzungen den inneren Wunsch nach Politik, Partizipation, Bildung steigern oder gar erzeugen würden - und die Beobachtung von Regionen, die beständig prekären Situationen ausgesetzt sind, bestätigen diese Beobachtung.
    Dort, wo man sich konkret vor Kriegen und den Hunger als ständigen Begleiter fürchtet, dort wollen Kinder zur Schule, dort streben die Menschen in die Politik und leisten auf vielfältigen Ebenen Widerstand gegen Ungerechtigkeiten.

    Hier nicht.
    Hier ist Dummheit cool, trendy und allgemeiner Konsens.

    Zwischen den Weltkriegen hatte sich angesichts der grassierenden Not in Europa trotz knochenbrechender Arbeit bei gleichzeitiger Not eine starke, politische Szene beinahe aus dem Nichts gebildet. Die Werte, die wir heute (wieder) verkaufen, wurden im Gewehrfeuer widerstreitender, traditionalistischer Regierungen bitter und blutig erkämpft. Der Hinweis Bergs, die Menschen seien heute nach Feierabend einfach zu fertig für Politik und Bildung, ist nach meiner Meinung blühender Blödsinn - und vollständig wirklichkeitsfremd.
    Denn große Mengen eifriger Zeitgenossen ereifern und ertüchtigen sich nach bewusstem Feierabend mit großem Engagement für ihren Sport, Karnickelzuchtverein, ihr nächstes Schützenfest oder die Nachbarschaftsparty. 
    Da ist tatsächlich eine ganz ungeheure Menge an Energie vorhanden, die nutz- wie sinnlos verbrannt wird und verbrannt werden muss, weil sie da ist.

    Wir erleben den Vorabend unseres eigenen Niederganges. Wir haben uns nicht nur einen, sondern eine große Menge von Fehltritten bei unserem Tanz auf Messers Klinge geleistet und nun scheint der Absturz unaufhaltsam näherzurücken. Der Grat zwischen zulässigem, aber lässlichem und blödem Entertainment und der Notwendigkeit geistiger Entwicklung und Ausdruckssuche war für uns einfach zu schmal.
    Unserer Gesellschaft reisst die Pleuelstange des Geistes aus ihrer philosophischen Halterung und durchschlägt das Gehäuse unserer Kultur; wir werden sinken - weil wir es müssen.

    Ein einziger Blick in die Geschichte der Menschheit zeigt sehr eindrucksvoll, dass solches bereits des Häufigeren so geschah: beinahe alle Hochkulturen sind an den Punkt gelangt, den wir in nächster Zukunft ebenfalls erreichen. Das war immer der Punkt "of no return" und nach Erreichen dieser Wendemarke ging es immer nicht nur steil, sondern brutal, blutig und unaufhaltsam abwärts.
    Die Menschen begannen jeweils, sich wie Gecken zu gerieren; sie malten sich nicht nur an, sondern trugen extraordinäre Fummel, die kaum Nutzwert hatten und im Gegenteil nur hinderlich, aber als schmückend verstanden wurden. Sie schabten sich plötzlich entweder alle Haare ab, oder ondulierten sie zu bizarren "Frisuren" und wohnten extra inszenierten, immer skurrileren, bizarreren Schauspielen unterschiedlichster Art bei. Immer gab es eine mehr oder weniger dünne Schicht gewissenloser Gewinnler, die den elenden Marsch hinab in den Untergang anführten, ihn befeuerten, von ihm profitierten - und Bildung wie Weisheit als "langweilig" und "öde" verunglimpften.

    Genau an dieser Wegmarke sind wir nun angekommen - und wie jeder gute Rollercoaster auch, so können wir kurz bevor die Lore unserer Entwicklung Schub durch das Hinabsausen bekommt, weit hinunter in die gähnende Leere blicken.

    Wir können dort hineinblicken - wir wollen es aber nicht.
    Deshalb begrüßen wir auch Waffenlieferungen nach Kurdistan, deshalb wählen wir ein ums andere Mal eine Angela Merkel zu unserer "Bundeskanzlerin" und deshalb verzichten wir darauf, einigen der unmöglichsten "Politiker" in Berlin aufrichtig wie ehrlich und notwendigerweise ins Gesicht zu spucken.
    Uns berührt nichts und niemand mehr; solange man uns unsere heiligen Nikes, Rolex und unseren Pilgerort Malle belässt, solange hat auch niemand irgendetwas von uns zu befürchten - zu schweigen von größeren und vielleicht wirksamen Protesten oder gar Aufständen.

    Wir amüsieren uns - und andere buchstäblich zu Tode.

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