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  • Ägypten - nun vollendet es sein erstes Jahr brutaler Diktatur

    Wie kaum anders zu erwarten war, wird der Diktator Al-Sisi in nächster Zukunft seinen Amtsvorgänger Mursi hinrichten lassen. Das Todesurteil ist längst gesprochen und wie hunderte von Todesurteilen davor vermisst natürlich auch dies jeden Ansatz einer halbwegs sauberen Beweisführung, die die zum Teil sehr bewusst völlig verrückt angesetzten Anklagepunkte nachweisen könnten.
    Der Diktator, der parallel zu seinem Wüten gegen alles, was gegen ihn als Opposition auftreten und populär werden könnte, selbstverständlich auch die fest zugesagten Neuwahlen immer wieder und wieder mit fragwürdigen "Argumenten" verschiebt, muss zum Mittel der Todesstrafe greifen, um die Schaffung einer Ikone Mursi zu verhindern. Zudem verfügt Mursi über Informationen, die das Vorgehen seiner eigenen Amtsenthebung und Verhaftung als das enttarnen würden, was sie war: nichts als ein von langer Hand vorbereiteter Militärputsch gegen den Beginn einer echten Demokratisierung Ägyptens.

    Aus Ägypten selbst kann aufgrund der brutalen Verhaftungs-, Schließungs-, Erschießungs- und Zerstörungsorgie gegen jedes Pressemedium, welches nicht sofort freiwillig auf die Linie des Diktators einschwenkte, nachvollziehbarerweise kaum oder gar keine Kritik an der neuen "Regierung" kommen. In sofern ist es interessant, wenn eingeschworene Gefolgsleute des Diktators ernüchternde Fakten liefern.

    (Quelle: Al-Masri Al-Youm)

    "Präsident Al-Sisi hat seit Erreichung seiner Präsidentschaft keine Entscheidung getroffen, die das Leben der Ägypter verändern könnte." sagt Ibrahim Eissa, ein Medienexperte.

    Das ist übervorsichtig formuliert - eindeutigere Worte würden ihn erst in Haft, und dann an den Strang befördern. Eissa gilt als eingeschworener Fan Al-Sisis und in Verbindung mit diesem Wissen und dem Umstand, dass ausgerechnet zu diesem Gedanken ganz eindeutige, unzweifelhafte "Absichtserklärungen" des Diktators aus seinen ersten Wochen im Amt existieren, entwickelt sich die Brisanz hinter Eissas Worten.
    Er drückt damit unverblümt aus, dass all diese vorgeblichen Pläne und Ziele letztlich nur Placebo-Pillen ohne jeden Wirkungsgehalt für die Bevölkerung waren und die Absicht verfolgten, Ruhe auf den Straßen zu schaffen, ungestört ein Regime der puren Angst zu errichten und die Macht des Militärs konsequent zu zementieren, wenn nicht gar auszubauen.
    Bisher ist die Rechnung aufgegangen. Der Diktator Al-Sisi hat im letzten Jahr eine zweigleisige Politik gefahren: Appeasement in Richtung Moskau und Washington.
    Washington versprach Al-Sisi, auch weiterhin wie Mubarak auf die eigene Bevölkerung ausreichend hart einzuschlagen, um jedwede Kritik an Israel und der US-Politik zu unterbinden. Unter anderem auch deshalb wanderten unter seiner Faust wieder 15.000 Menschen ohne jede Anklage in politische Folterhaft. Moskau versprach er Solidarität und gute Geschäfte; erst gestern kam das Gerücht eines mächtigen Waffendeals auf, nach welchem Kairo für überaus große Summen Luftabwehrsysteme aus Russland kaufen will.

    "Im Rückgang der Popularität Präsident Al-Sisis liegt nicht die geringste Überraschung." schreibt Abdallah al-Sennawy, ein politischer Analyst Ägyptens und bekannt für seine Nähe zum Präsidenten.

    Auch hierin liegt lediglich für den Insider und aufmerksamen Beobachter informelle Würze - der unvorbelastete Leser "merkt" daran nichts.
    Mit "Popularität" spielt Sennawy auf das Stützfeuer einiger, vorgeblich "oppositioneller" Gruppierungen an, die dem Militär aufgrund dessen perfider Politik Mursi im letzten Moment jede Unterstützung versagt und sich an den Rücktrittsforderungen gegen ihn beteiligt hatten. Noch Monate nach dem Putsch liefen sie zu tausenden durch die Straßen und griffen all jene Demonstrationen und Einzelpersonen brutal an, die nach wie vor noch am legitimen Präsidenten Mursi festgehalten hatten.
    Mittlerweile sitzen viele dieser Unterstützer selbst in Haft oder sind längst tot.
    Als sie erkannt hatten, welchem Lügengebäude Al-Sisis sie aufgesessen waren und welchem Dämonen sie damit die Tür zu Ägypten geöffnet hatten und Protest übten, war es längst zu spät. Sie wurden ebenfalls kassiert und mit Knüppeln und Gewehren von den Straßen und aus ihren Häusern geholt. Seitdem wird es still in der politischen Landschaft Ägyptens. Man nennt das Friedhofsruhe.

    "Wir haben einen Präsidenten, aber da ist kein System. Der Staat hat auch seine Institutionen nicht vervollständigt, wie es die Planung vorgesehen hätte." schreibt Sennawy.

    Der ägyptische Diktator Al-Sisi hatte die Wahlen aus dem November letzten Jahres mit fadenscheinigen Argumenten auf den März 2015 vertagt - nun äußerte er unlängst vorsichtig die Absicht, sie "noch dieses Jahr" ansetzen zu wollen. Daraus wird natürlich nichts - es sei denn, Al-Sisi bekommt bis dahin einen treuen und loyalen Nachfolger aus dem Militär aufgebaut, was höchst unwahrscheinlich ist. Immerhin hatte Al-Sisi den "verbrannten" Feldmarschall Al-Tantaoui abgelöst und gilt selbst als hoffnungsträchtiger Nachfolger.

    Der Diktator Al-Sisi hat bisher seinem Volk gegenüber kein einziges Versprechen eingelöst, welche er so reichhaltig und vollmundig kurz vor, während und kurz nach seiner "Wahl" veröffentlicht hatte. Die Lage für den "kleinen Mann" war selten ernster und mängelbehafteter als jetzt und im Vergleich zur Regentschaft Mubaraks muss man sogar feststellen, dass jener nicht ganz so brutal herrschte wie der aktuelle Diktator.
    Al-Sisi lässt es darauf beruhen, mit seiner Klientelpolitik den Habenden Ägyptens Hindernisse zu noch besseren Profiten aus dem Wege zu räumen und die Achsen Washington, Moskau, Riad und Kuwait zu bedienen - niemanden von den Genannten interessiert die Beseitigung des Hungers, Erlangung von Freiheiten und Rechten und die Schaffung von Jobs für die Bevölkerung.
    Im Übrigen hat Al-Sisi eine radikale Welle eines recht schlimmen Islamismus in Ägypten losgetreten. Die Verfolgung Nichtgläubiger hat völlig neue Dimensionen erreicht, die Töne im ägyptischen Fernsehen und den restlichen Medien gegen Nichtmuslime werden immer schriller. Der "IS", Salafisten und die Wahabiten Saudi-Arabiens können sich über TV-Aufnahmen von vorgeblich "Schwulen" freuen, die unter wüsten Schreiereien und körperlichen Übergriffen erst einer gewaltsamen (und, wie internationale Mediziner bereits kritisiert haben, vollkommen schwachsinnigen) Afteruntersuchung unterzogen und dann einem Gerichtsverfahren wegen "Ausschweifungen" (engl. Originalzitat: "debauchery") angeklagt und durch alle Medien gezogen werden. Auch hier spielen natürlich Beweise keine Rolle - die bloße Behauptung, jemand sei schwul, reicht zu dessen Eliminierung.

    Die nächsten Jahre werden für Ägypten noch schlimmer. :(

  • "IS" - Seine Armee wird in Kürze vom Irak neu bewaffnet und bekommt neue Soldaten

    Wenn es sich hier nicht um Kriege, Tote und ungeheuerlichen Hass ginge, wäre es beinahe lustig:

    Die irakische Armee flüchtet entsetzt vor dem anrückenden "IS". Dabei lässt sie haufenweise hochmoderne, neuwertige und fähige Rüstungsgüter zurück - bis hin zu Kampfpanzern (nur zur Erinnerung: so ein Ding kostet meines Wissens nach ein gutes Dutzend Millionen Euro!).

    In der Konsequenz erbeutet der "IS" diese Waffen nebst Munition und, so ganz nebenbei, eine recht große Stadt als Dreingabe.

    Nun aber wendet sich das Blatt und nach dem internationalen Aufschrei soll die irakische Armee nun doch einen Schlag gegen den "IS" wagen und zurückkehren, um die Stadt Ramadi zurückzuerobern.

    Wenn ich da mal SPIEGEL-Online zitieren darf (Hervorhebung von mir!):

    Demnach startete eine Kolonne von schiitischen Milizen und irakischer Armee in Richtung Ramadi. Die Einheiten sollen von einem Stützpunkt in der Nähe aufgebrochen sein.

    Allerhand. 88|

    Jetzt muss sich der "IS" seinen Waffennachschub nicht mehr abholen - er wird zu ihm gebracht.
    Na, das nenne ich "Dienstleistung am Feind"! :crazy:
    Völlig überflüssig zu erwähnen, dass diese "Milizen" oder gar die "Armee" zu diesem Unterfangen vollständig unfähig ist und schwerste Verluste hinnehmen werden muss. Wie schon so oft, werden sie auch dieses Mal laufen wie die Hasen - und wiederum große Mengen Waffen, Panzer, Kanonen und Munition zurücklassen.

    Manchmal überlege ich, und das meine ich überhaupt nicht ironisch oder satirisch, ob vielleicht sogar System dahintersteckt und die Nachschub- bzw. Waffenversorgung eines "IS" durch die irakische Armee gezielt vorgenommen wird.
    Denn soviel ist allemale klar: die irakische Armee besteht noch immer aus etlichen Sunniten und denen liegt nichts näher am Herzen als der Erfolg eines "IS". Dazu kommt, dass sich die Bevölkerung Ramadis ganz sicherlich ebenfalls auf die Seite des "IS" schlagen wird - denn sollte die Armee wider Erwarten siegen, wütet sie unter den Bewohnern kein bisschen weniger schlimm als der "IS" selbst.
    Der Armee wird schon lange vorgeworfen, an zurückeroberten Dörfern und Städten schreckliche Rache zu üben und Massaker an der Zivilbevölkerung zu verüben - selbst "neutrale" Bewohner Ramadis werden den "IS" schon aus reiner Angst vor der Armee unterstützen.

    Wir werden live miterleben, wie sich der "IS" nach seinem natürlich erfolgreichen Gefecht gegen diese komische "Armee" frisch bewaffnet, hochmobil, engagiert und siegessicher von Ramadi aus zu weiteren Orten in Marsch setzen wird. Sie werden hunderte oder noch mehr übergelaufene Kämpfer aus der Armee in ihren Reihen begrüßen.

    So ist es dutzendemale bereits geschehen - und weshalb sollte es diesmal anders laufen?

    Für die USA läuft es ebensogut wie für den "IS": sie setzen große Mengen Waffen an den Irak ab, sehen das Land ausreichend destabilisiert, um keine eigen- und selbständige Regierung in Baghdad befürchten zu müssen und pumpen in aller Ruhe wunderbar billiges Öl aus dem Irak ab. Wo wäre jetzt für die USA irgendein Problem? Für den Kriegstreiber Obama läuft alles genau nach der Bush-Doktrin:

    Wer sich zwischen die USA und das Öl stellt, wird vernichtet.

    (Originalzitat Bush senior anlässlich des "Golfkriegs 1")

  • "Islamischer Staat" - finden wir uns damit ab.

    Die ersten westlichen Experten wissen es seit geraumer Zeit: der "IS" wird definitiv nicht durch Militär zu beseitigen sein. Da aber aufgrund der internationalen Lustlosigkeit noch nicht einmal solche Interventionen wenigstens halbwegs Erfolge zeigen und politisch überhaupt nichts geschieht, werden wir den "IS" innerhalb der nächsten zehn Jahre stillschweigend als Staat anerkennen, mit ihm Geschäfte tätigen und ihn in wichtigen Fragen um Rat und Unterstützung fragen. Es wird natürlich diplomatische Verbindungen geben, selbst wenn sie vorbereitend zunächst (!) nur hinter verschlossenen Türen stattfinden und von zahlreichen Dementis begleitet werden.

    In ungefähr fünf oder sechs Jahren werden die ersten Stimmen laut, dass man sich der Wirklichkeit stellen muss und niemanden aus der Weltgemeinschaft ausstoßen darf; mit diesem Argument wird der "IS" in Gnaden aufgenommen werden.

    Man wird dem "IS" auf dem Verhandlungswege Zugeständnisse abtrotzen, sich fürderhin nicht mehr an Nachbarstaaten zu vergreifen und ihm dafür zusagen, ihn nicht weiter militärisch oder wirtschaftlich zu attackieren. Die Weltgemeinschaft wird sich desinteressiert von zehn- und hunderttausenden Menschen abwenden, die dem "IS" in die Hände fallen und kaum noch eine Zeile wird auf den zweiten oder dritten Zeitungsseiten über Massaker zu finden sein, durch welche der "IS" alles ausrottet, was andere Meinungen und Auffassungen vertritt.

    Das ist die bittere Wahrheit.

    Der US-Verteidigungsminister Carter hat mit seiner Kritik, die irakische Armee würde ohne Kampfeswillen beim ersten Auftauchen eines "IS" sofort die Flinte ins Korn werfen und abziehen, selbstverständlich Recht. :roll:
    Weshalb sollte sich auch eine Armee einem "IS" entgegenstellen, die innerlich ohnehin zu größten Teilen auf seiner Seite steht?
    Viele irakische Kommandeure sind als Sunniten von dem shiitischen Präsidenten Al-Maliki aus der Armee und im Allgemeinen davongejagt worden und zusammen mit der natürlich noch immer aktiven Seilschaft um den umgebrachten Saddam Hussein sitzen sie dem Irak als Racheengel im Nacken. Al-Maliki, Präsident von US-Gnaden, wütete unter den Sunniten im Irak wie ein Berserker; nicht selten hat er mit schwerer Artillerie ganze sunnitische Dörfer dem Erdboden gleichmachen lassen.
    Und nun sehen die verfolgen Sunniten in den sunnitischen Städten und der Armee eine gute Chance, durch ihren wehrlosen Abzug einen "IS" mit schweren, neuen und hochmodernen Waffen auszurüsten, die die irakische Armee von den USA erhalten hat. Auf diese Weise geriert sich der "IS" zu einer hochgerüsteten Armee, deren Schlagkraft auf den Errungenschaften der US-Waffenschmieden beruht.

    Die Rechnung, nun solle der Irak schwerpunktmäßig am Boden und die Weltgemeinschaft den "IS" buchstäblich "von oben" bis zur Zerstörung beschießen, kann unter diesen Umständen gar nicht aufgehen.
    Aber was ich als tatsächlich unprofessioneller Zivilist im Westen erkennen kann, wissen die US-Militärs natürlich schon lange: all diese kleinen Luftangriffchen dienen der Presse - aber keinem realen Ziel!

    Niemand glaubt noch ernsthaft daran, einen "IS" auslöschen zu können. Die politischen, religiösen und wirtschaftlichen Taue, mit denen sich der "IS" schon unauflösbar mit dem Gebiet verflochten hat, in dem er regiert, haben sich einerseits für ihn bewährt und sind andererseits kaum von außen anzugreifen. Wie ich schon vor Monaten schrieb, beweist sich dadurch die Anwesenheit einer großen Menge gut ausgebildeter Experten in der Führung des "IS". Bisher ist der "IS" nicht nur fähig zum Überleben, sondern auch dazu, darüberhinaus die gesamte Nachbarschaft durch gezielte und blutige Angriffe in Schrecken zu versetzen und darin zu halten.
    Die Experten des "IS" haben die weitaus meisten westlichen Regierungen stillschweigend längst mit dem Ölgeschäft gekeilt; unter tätiger Hilfe Israels wird das erbeutete Öl vom "IS" ins israelische Ashkelon gebracht, erhält dort bei der Verladung an griechische und türkische Großreeder neue und "reine" Ursprungszeugnisse und gelangt auf diesem Wege günstig in unsere Tanks. Wir reden hier nicht über ein paar Literchen, wir reden über Millionen Tonnen Öl - und damit über einen signifikanten Anteil an der Ölversorgung. Jedesmal, wenn wir den Zapfhahn an der Tankstelle drücken, überreichen wir dem "IS" wenigstens eine Patrone für seine Kalashnikovs.
    Theoretisch wäre es der Weltgemeinschaft ein Leichtes, hier einem "IS" wenigstens einen Wirbel im Rückgrat zu brechen. Aber das wird nicht geschehen.

    Der Zustrom zum "IS" ist nicht nur ungebrochen; die blöde Politik des Westens hat dazu geführt, dass sich hunderttausende von sunnitischen Pragmatikern auf den Weg in den Irak begeben. Sie sehen in ihm die Potenz dazu, missliebige, despotische und vom Westen installierte und bezahlten Regierungen aus den Angeln zu heben. Ich bin persönlich davon überzeugt, dass in ihren Köpfen die Idee, man werde nach dem großen Aufräumen einen "IS" zu einem erträglichen Mitglied der Weltgemeinschaft umreformieren und etliche brutale Regeln eliminieren, vorherrscht. Nicht zuletzt wird der "IS" zwar verborgen, aber massiv von einflussreichen, saudi-arabischen Kräften genährt, unterstützt, bewaffnet und bezahlt.

    Es war nichts als dummes Wunschdenken, sich den "IS" als ungeregelten, dummen und kreischenden Haufen ungebildeter Bauern vorzustellen und den Zuzug von wissenschaftlich hervorragend ausgebildeten Fachkräften zu ignorieren. Von Anfang an bediente sich der "IS" sofort führender Experten; zunächst waren es nur frustrierte, sunnitische Armeeangehörige, die beim Wüten Al-Malikis um die Existenz ihrer Heimatdörfer fürchten mussten, aber dann gesellten sich schnell Bankleute, Techniker, Politiker und Wirtschaftsfachleute dazu. Zwischenzeitlich verfügt der "IS" über eine in der Region akzeptierte, tatsächlich gehandelte, eigene Währung, ein Versicherungssystem und breite, soziale wie technische Netzwerke. Neben nennenswerten Ölquellen bezieht der "IS" seine Einkünfte aus landwirtschaftlichen Flächen, die 30 Prozent der gesamten Produktionskapazität des ganzen Iraks darstellen. Da wird kaum noch ein Brötchen im Irak mehr gebacken, über das der "IS" nicht seinen Segen gesprochen hat. :roll:

    Der "IS" stellt sozialen Krebs dar, der augenblicklich wild metastasiert. All die frommen Worte und hilflosen, militärischen Gesten der Welt und der Region sind wirkungslos geblieben - und ich bin fest davon überzeugt, dass von Anfang an niemand je daran geglaubt hatte, es wäre ein Effekt damit zu erzielen.

    Finden wir uns mit dem "IS" ab. Die Chance, ihn aus sich selbst heraus und effektiv bekämpfen zu können, haben wir wider besseren Wissens tatenlos verstreichen lassen. Wir haben uns viel lieber über unsere billige Tankrechnung, die große, geographische Distanz zum Kriegsherd gefreut und starrsinnig auf unser Wunschdenken verlassen, es handele sich nur um ein paar Irre, die gleich tot sein würden.

  • In eigener Sache - Robin Hood für Arme

    Aus diversen Gründen fand ich erst jetzt, eigentlich schon viel zu spät in diesem Jahr, den Weg zu meiner Sportausrüstung.

    Mein sogenannter "englischer Langbogen", gerade 40 Pfund Zugkraft, war seit vielen Jahren in den Gefilden meines Sohnes verloren, der ihn sich damals "mal kurz" ausgeborgt hatte.
    Als wir seine wegen Studentenschaft verwaiste Bude kartonweise umorganisierten, fiel er mir sozusagen vor die Füße. Unversehrt, gut in seine Hülle gepackt und mit ausgezeichneter Sehne.

    Seitdem hat es mich gejuckt.

    Den 50-Pfünder, meinen heißgeliebten Grizzly, einen Jagdrecurve, habe ich stehenlassen und zog heut Vormittag mit meinem "Langen" los.
    Er war der damals zweite Bogen in meinem Leben und hatte den Alu-Bogen abgelöst, mit dem ich das Schießen seinerzeit gelernt hatte. Ich erinnere mich noch sehr gut, dass ich etliche Trainings mit hoher Konzentration gebraucht hatte, bis ich den "Langen" halbwegs im Griff hatte. Er erzeugt einen harten Schlag beim Lösen, seine Pfeile beim Auftreffen allerdings auch.
    Sein Wurf ist vergleichsweise aggressiv, hoch temporeich und in all seinem Tun hochgradig effizient. Aber eben ohne große Kompromisse; wer ihn falsch handhabt, kann auch schon mal blutig vom Feld gehen.

    Sonst habe ich es ja eher mit meinem Grizzly. Ein kraftvoller, weicher Recurve für die Jagd. Aufgrund seiner Wurfarmgestaltung verzeiht er sogar kleinere Fehler und gilt im Verhalten allgemein als sehr gutmütig bei hoher Genauigkeit. Er lässt sich weich und elegant führen und verlangt proportionalen Kraftaufbau beim Auszug. Das bezahlt man mit einem moderaten Preis an Schussenergieverlust; der Pfeil ist vergleichsweise langsam, mit dem von einem Langbogen geschossenen nicht zu vergleichen.

    Wie kaum anders zu erwarten, waren die ersten zwei Scheiben und das erste Dutzend Pfeile eine erschütternde Katastrophe. Viel zu lange aus dem Training und dann der ungewohnte Bogen. Die Scheiben traf ich - viel mehr aber kaum.
    Dann versammelte sich das Schussbild und die Trefferlage verbesserte sich langsam. Ich merkte auch, dass sich meine Muskeln von neuem an den Bogen zu gewöhnen begannen und mir mehr und pünktlicher Energie beim Auszug zur Verfügung stellten. Es klappte immer besser.

    Nein - ich bin ganz bestimmt gar kein besonders guter Bogenschütze. Aber eben auch noch lange nicht der schlechteste.
    Immerhin traf ich dann wiederholt (!) einen Waschbären aus anwachsender Entfernung bis hin zu gut dreißig Metern - und zwar ins "Kill".

    "Übermut tut selten gut." dachte ich noch, als ich schon die Treppe zum Hochstand hochkletterte, von dem aus zahlreiche 3D-Ziele erreichbar waren und zum Teil ein sehr herausforderndes Schussfeld boten.
    Irgendwie meuterte mein Verstand; eine solche Aufgabe mit sowenig Training bewältigen zu wollen ohne sich (zumindest vor sich selbst) lächerlich zu machen, schien nur wenig aussichtsreich.
    Aber dann gewann das reine Gefühl und bestätigte sich: von insgesamt sechs Pfeilen auf je ein Ziel endete nur einer in der Irre und vom Rest trafen wenigstens zwei ins Kill.
    Einer der Pfeile verabschiedete sich theatralisch. Er bekam kurz vor dem Ziel doch noch Kontakt zu einem quer davorliegenden Ast, verriss sich in seinem Flug noch um wenige Zentimeter und knallte denn tatsächlich doch noch ins Ziel. Er zerstörte sich dabei vollständig - die komplette, hintere Hälfte rauschte senkrecht nach oben ins Geäst der Bäume und kam noch nicht einmal mehr herunter.

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    Man sieht den Pfeilschrott noch aus der Brust des unglücklichen Plastikvogels herausragen.

    Zum Ende meines Rundgangs, als ich zurück zum Auto durch den Wald stapfte, dachte ich an die vielen Jahre zurück. Bögen begleiten mich nun seit mehr als dreißig Jahren und ich kam aus einer reinen Kopfentscheidung heraus dazu. In jungen Jahren entschloss ich mich dazu, um etwas Bewegung zu bekommen und wenigstens irgendwas in Richtung Sport zu tun.
    Doch als ich den allerersten Pfeil schoss (der natürlich weit entfernt von der Scheibe irgendwo im Rasen landete), da bin ich der Faszination sofort völlig erlegen.
    Schnell wechselte ich aus der klassischen Ausbildung ins freie Lager und schloss mich den Anarchisten in unserem Verein an. Wir verzichteten konsequent auf alles Gerümpel, was über eine Pfeilauflage am Bogen hinausging und "pimpelten". Wir strichen nach offiziellem Trainingsende frei über den Platz, unterhielten uns, blieben manchmal stehen und fanden einige Scheiben in ungemessenen Abständen und Postionen zu uns vor. Dabei habe ich das Bogenschießen gelernt und entwickelte mich dann in die Richtung Jagdbogenschießen weiter. Allerdings habe ich nie auf Lebendiges Jagd gemacht, sondern nur massenhaft Kunststofftiere schwerst und "tödlich" verletzt.
    Es geht beim Jagdbogenschießen für mich überhaupt nicht darum, den Tod zu bringen. In dem Augenblick, in welchem sich meine Finger von der Sehne lösen und den Pfeil freigeben, wäre dieser in jedem Falle für ein reales Tier tödlich, daher spielt es überhaupt keine Rolle, ob mein Pfeil tatsächlich ein echtes, oder ein künstliches Reh trifft. Da ich allgemein Töten für höchst unästhetisch, kulturell fragwürdig und sozial recht unglücklich halte, ziehe ich also bei meiner "Jagd" Kunststoff dem Fleisch vor.

    Mein "großer" Jagdrecurve, der Grizzly, kam als Gebrauchter aus den USA zu mir. Ich mag ihn sehr und wir zwei sind ein ganz gutes Team. Mit ihm aber ist in den USA tatsächlich gejagt worden - jetzt ist er Vegetarier. B)
    Nein - und mit Robin Hood verbinde ich kaum etwas. Man wird ihm und seinen Männern wohl nicht zu Unrecht Meisterschaft der echten, englischen Langbögen nachsagen. Sie führten Bögen, die ungefähr doppelt so stark waren wie mein "schwerer" Jagdrecurve. Es kostet wahre Bärenkräfte, die Dinger auszuziehen. Ein solches Format wird mir wohl immer verschlossen bleiben - für ein dazu notwendig hartes und diszipliniertes Training fehlen mir Zeit und Geld.
    Das wars. Ich werde also bei meinem weichen und vergleichsweise leichten Jagdbogen bleiben.

    Mit einer Faszination vom Mittelalter hat meine Leidenschaft überhaupt nichts zu tun. Ich habe vor Jahrzehnten schon unsere hochtechnisierte Kultur zu schätzen gelernt und verstanden, dass das mittelalterliche Leben hart, krankheitsbehaftet und von ständigen Mängeln begleitet war und zumeist sehr früh und elend wieder endete. Selbst privilegiertes, wohlhabendes Leben watete im Unrat.

    Meine Bögen werden mich ganz sicherlich noch ein paar Jahrzehnte länger begleiten und mir viele schöne Stunden schenken.

  • Mogelpackung Ayaan Hirsi Ali - über das Wesen von "Islamkritik"

    Zunächst war ich überaus vorsichtig und traute mir keine Meinung zu.
    Zugegeben: ich war durchaus bereit dazu, mir die Ansichten von "Islamkritikern" wenigstens anzuhören, mich damit zu befassen. Ich bin nicht von der Sorte Menschen, die mit z.T. roher, psychischer und auch physischer Gewalt fremde Meinungen wegdrücken oder sogar vernichten wollen. Ich stelle mir in solchen Situationen nämlich grundsätzlich immer die Frage:

    Wenn ich glaube, ich müsse eine mir entgegengesetzte Meinung zum Schweigen bringen, dann habe ich nichts als die Angst, meine eigene Position könne schwächer sein und nicht bestehen.

    Das ist mir zur Lebensmaxime geworden - und glücklicherweise finde ich diese "Gedankenmechanik" im Islam wunderbar umgesetzt wieder. Nicht nur unser Prophet Mohammed (saws), sondern auch alle hervorragenden Gelehrten nach ihm haben ihre Ansichten und Meinungen immer dem Licht der offenen Kritik ausgesetzt. Allein schon deshalb betrachte ich es als arg unislamisch, wenn sich nicht nur Muslime untereinander bekriegen, sondern diese unnütze, falsche und sogar dumme Gewalt auch in fremde Reihen tragen.

    Da trat also vor vielen Jahren eine Frau aus Somalia ins europäische Licht, Ayaan Hirsi Ali heißt sie und berichtete uns von grauenvollen Umständen in ihrer Heimat, vom Krieg, von einem hasserfüllten Islam und vollkommen verrückter Gewalt durch durchgeknallte Muslime.
    Ich duckte mich innerlich nicht weg davor. Ich bedauerte Alis Lebensweg, der von soviel Schrecken flankiert war. Bis heute kenne ich eine andere, für mich haltbare da so oft erlebte Wahrheit, nach welcher der Islam deutlich von friedlichen Muslimen dominiert wird, die das Herz und den Verstand am rechten Fleck und ihren Qur'an gelesen haben. Aber, nichtsdestotrotz, es bleibt nüchtern festzustellen, dass es solche wie die von Ali beschriebenen Muslime gibt.

    Ihre Positionen fand ich schon immer etwas verrenkt und ihre Argumente verkamen häufig zu aggressiver Schreierei von haarsträubenden Forderungen, Anklagen, Herabwürdigungen und Beleidigungen begleitet. So benimmt sich einer, dachte ich damals recht schnell, der aus Erwägungen wirtschaftlichen Wohlergehens seine ehemalige Haltung verrät und sich von den Gegnern bezahlen lässt. Ein solcher reagiert so; er verfällt als gröbster "Kritiker" dem Populismus, weil dieser Geld, Achtung, Ruhm, Anerkennung verspricht.

    (Zitat: Qantara.de)

    Fast jeder - all die Experten, Kritiker, Beobachter und wie sie sich sonst nennen - versucht verzweifelt, auf diesen fahrenden "Orient-Express" zu springen, der in Richtung Profit und Selbstinszenierung fährt, nachdem man die Vorurteile der westlichen Mehrheitsgesellschaft bedient hat – wieder einmal.

    Natürlich. :roll:
    Hass ist besser als Verständnis.
    Hass bietet die Option, jenseits aller gesellschaftlichen Schranken unter dem Tarnmäntelchen der "guten Sache" Menschen zu verfolgen, zu verletzen, zu beleidigen und umzubringen. Hass bedient die dunkle Seite in uns - und die gibt es nun mal, ob wir es wollen oder nicht. Es tut gut, es "jemandem einmal richtig zu zeigen", weil es unser Bedürfnis nach Aggression und Gewaltanwendung befriedigt und uns gleichzeitig das Gefühl gibt, etwas "Gutes" zu tun.
    Verständnis dagegen macht Arbeit und bringt uns zuweilen dazu, gewohnte Positionen und Sichtweisen aufgeben zu müssen. Das ist der Preis für Intelligenz: latente Unsicherheit.

    Und nun ist Ayaan Hirsi Alis Geschichte zu ihrem großen Unglück beinahe lückenlos recherchiert - und sie enttarnt sie als billige Lügnerin. Sie baute sich zunächst selbst, und dann ganz schnell mit reichhaltiger Hilfe, eine wirklich tränenreiche und bedauernswerte Vergangenheit auf, mit der sie durch Europa tingelte und sehr schnell feststellen musste, dass es für ihre Geschichte einen Markt gibt. Einen begeisterten Markt, in dem sehr viel Geld und Ruhm für sie steckt.

    Bei "Titel, Thesen, Temperamente" (ARD) etwa gönnte man Hirsi Ali einen umfangreichen Beitrag, der mit ihrer vermeintlich grausamen Vergangenheit angekündigt wurde. Dies wiederholte sich mehrere Male. Unter anderem wurde Hirsi Ali beim "Forum am Freitag" (ZDF) und beim Deutschlandfunk eine Bühne geboten.

    Zur kulturellen Prime-Time bei Öffentlich-Rechtlichen Sendern. Wow. 8|

    Eine grundsätzliche Kritik an der Person Hirsi Ali als vermeintliche Reformerin gab es nicht, stattdessen wurde sie als "weiblicher Luther" gepriesen, der den Muslimen, ja, tatsächlich all diesen 1,5 Milliarden Menschen, bald die Erlösung bringen werde. Dass der echte Luther ein glühender Antisemit gewesen ist und dazu aufrief, Synagogen anzuzünden, scheint dabei längst verdrängt worden zu sein.

    Ali wurde sehr schnell instrumentalisiert und benutzt. Nicht, dass sie etwas dagegen gehabt hätte; man muss im Gegenteil feststellen, dass sie ein recht gutes Marketing in Szene gesetzt und sich wirklich prima in den Medien platziert hatte. Immerhin wird sie bis heute auf zumindest der halben Welt von der denkbar dreckigsten Szene (um Henryk M. Broder herum) hofiert, bezahlt, gebucht, gefragt, gewürdigt, geehrt.
    Und das geschieht mit einer unheimlichen Reflexhaftigkeit. Die Szene verzichtet auf die Überprüfung ihres eigenen Vokabulars und in Momenten wie dem des "Luther-Vergleichs" zeigt sich, wie plötzlich ein ursprünglich ungewollter Hintersinn darin auftaucht.

    Ali wurde unvorsichtig und hat sich von der Szene mitreißen und in immer neue Höhen ihres Crescendos, ihrer Schreierei treiben lassen:

    Und den rechtsextremistischen und islamfeindlichen Terroristen Anders B. Breivik, der im Juli 2011 77 Menschen in Norwegen getötet hatte, sprach Hirsi Ali einst jegliche Schuld ab, indem sie meinte, dass dieser zu seiner Tat "gezwungen worden sei".

    Solche Sprüche katapultierten sie endgültig ins Aus und gaben den Muslimen die echte Möglichkeit, sich fürderhin keinesfalls mehr mit irgendetwas befassen zu müssen, was sie von sich gibt. Ich gebe zu, ich habe sie ergriffen. Ali ist (und ich bin damit sehr, sehr sparsam!) definitiv keine Muslima und dürfte sogar ähnlich wie Salman Rushdie, der aus den gleichen niedrigen Motiven seinen Schmonzes "Satanische Verse" geschrieben hatte, als tatsächlicher Feind des Islam gelten.

    In den vergangenen Jahren hat Ali ihren Lebensmittelpunkt in die Vereinigten Staaten verlegt. Kein Wunder, denn in ihrer Wahlheimat, den Niederlanden, verlor sie jegliche Glaubwürdigkeit. Einfach ausgedrückt: Sie flog auf. Verantwortlich hierfür war eine niederländische Dokumentationsserie, die sich im Jahr 2006 dem Fall Ali widmete. Dabei kam heraus, dass so ziemlich alles, was Ayaan Hirsi Ali den niederländischen Behörden bei ihrer Einreise erzählt und in den Medien immer wieder wiederholt hatte, frei erfunden war.

    Im Grunde ist sie eine von vielen Idioten, die man geflissentlich vergessen dürfte.
    In diesem Fall aber liegen die Dinge anders: sie hat tausende von Menschen entehrt, deren Geschichte wirklich in die Öffentlichkeit und auf den Tisch von Anklägern gehören würde. Sie hat sie benutzt, missbraucht, sich selbst der Lächerlichkeit preisgegeben und aus allem nichts als Geld geschlagen. Sie ist auf den zahllosen Geschichten derer herumgetrampelt, die wirkliches Leid erfahren haben.

    Die gebürtige Somalierin Hirsi Ali behauptete damals, vor dem Bürgerkrieg in Somalia geflohen zu sein. Tatsächlich hatte sie das Land jedoch schon vor Beginn des Krieges verlassen und besuchte in Kenia eine angesehene muslimische Mädchenschule. Ihr Schulbesuch wurde von den Vereinten Nationen finanziert, die Umgebung war sicher. Kriegszustände, wie sie später in Somalia ausbrachen, hatte sie nie erlebt.

    Das ist kaum noch zu kommentieren. Ihre Lügen sind womöglich noch dreister als die eines Hamad Abdel Samad, einem ähnlichen Münchhausen, der in Europa ebenfalls durch schrillste Islam-"Kritik" auffällt, die bei näherem Hinsehen natürlich auch krachend in sich zusammenbricht. Auch Samad hat eine düstere, vernebelte und geldhaltige Geschichte. Sein kurzfristiges Verschwinden in Kairo wurde als "Anschlag" wegen seiner Anti-Islamkreischerei verkauft - in Wahrheit aber wurde er vorübergehend von Leuten verschleppt, denen er eine erhebliche Summe Geldes geschuldet hatte.

    Genauso erfunden waren auch die Geschichten um ihre Familie. Hirsi Alis Mann, der ihre "Flucht" nach Europa finanziert hatte und von dem sie sich später problemlos scheiden ließ, besuchte sie später mehrmals in ihrem damaligen Flüchtlingsheim. Mit ihrer Familie blieb sie auch nach der Scheidung in Kontakt. Ihr Bruder besuchte sogar eine christliche Schule. All das passt nicht recht in das Bild von jener brutalen Islamisten-Familie, die ihr mit Gewalt und Ehrenmord gedroht haben soll.

    Für ihre wahre Geschichte aber hätte niemand bezahlt. Keiner hätte sie durch ein Blitzlichtgewitter geführt, niemand hätte ihr zugehört und kein Broder, kein Geert Wilders hätte sich um sie geschoren. Mit ihrer Geschichte wäre sie keine Munition gewesen und hätte nicht benutzt werden können. Gerissenerweise hat sie sich die Aura eines "Opfers" sofort zu Beginn zugelegt und der Szene ist nur vorzuwerfen, sich allzu leicht belügen und benutzen lassen zu haben.

    Europa ist zu dumm geworden, um rechtzeitig wirksame Bremsen im Kopf ansprechen zu lassen. Es reagiert zunehmend hysterisch und begierig darauf, Vorbeter, Vordenker, Leitfiguren, ja Führer auf Podien heben zu können, denen man vertrauen und unkritisch folgen darf. Es ist eine Glaubensfrage.
    Ich bin überzeugt davon, dass es trotz und alledem noch immer tausende von Anhängern Alis in Europa gibt, die die zwischenzeitlich gewonnenen Erkenntnisse über Ali wegfegen und nicht zur Kenntnis nehmen wollen.

    Die USA aber sind im Kopf noch um einiges dümmer als Europa:

    Auch sonst haben sich in den USA um Hirsi Ali vor allem jene geschart, die vehement eine aggressive US-Außenpolitik im Nahen Osten fordern und meinen, sich im "Krieg gegen den Islam" zu befinden. Darunter lassen sich auch Vertreter der sogenannten "Neuen Atheisten" ("New Atheist") finden, die zwar alle Religionen harsch kritisieren, es aber allen voran auf die Stigmatisierung des Islam abgesehen haben.

    Nun wissen wir, dass der Intellekt des durchschnittlichen US-Bürgers kaum zum Binden von Schnürsenkeln oder zur Aufrechterhaltung einer regelmäßigen Atmung ausreicht und weil sie Unmengen von Waffen in den Händen halten, kann man sie leider nicht als Leute beschmunzeln, die deutlich unterhalb der legendären Ostfriesen anzusiedeln wären.
    Ali aber kann wunderbar damit umgehen. Sie korrigiert ihren Populismuskurs nur um wenige Grade - und findet sich wieder aufgenommen, geehrt, gefragt, umworben - und vor allem: bezahlt.

    Zufälligerweise geht ihre Argumentation stets Hand in Hand mit den Kriegsarchitekten des Weißen Hauses. Ob Drohnenangriffe oder Guantanamo-Folter - all das sei schließlich gerechtfertigt, da die USA den "wilden Barbaren", sprich, den Irakern oder Afghanen, moralisch überlegen seien.

    Hier tuts für Ali auch der gröbere Klotz: sie spricht unumwunden von der Minderwertigkeit und Verwerflichkeit arabischer Philosophie und lässt aus ihren Worten den Schluss zu, dass man "sowas" natürlich vernichten kann und darf, wie's halt grad gefällt.

    Broder und Wilders allerdings haben nun wieder ihren alten Job und müssen die Welt wieder neu nach Menschen abgrasen, die sie zur neuen Lichtgestalt aufbauen und schreien lassen können. Samad und Ali sind ja leider verbrannt. Die Führer aber können sich mit der Idee trösten, dass Europa Ali und Samad sehr bald vergessen und neuen Raum für neue Kreischereien geschaffen haben wird.

  • Israel - Polizei knallt Mann ab und lügt

    Was seit Monaten in den USA für schwere Unruhen, brennende Barrikaden und eine international z.T. erregt geführte Diskussion sorgt, geschieht in Palästina sehr regelmäßig und regt eigentlich niemanden auf.
    Hier, und dies ist tatsächlich nur einer von mittlerweile sehr, sehr vielen Fällen, wurde der 22-jährige Kheir Hamdan von hinten einfach abgeknallt.

    Die israelische Polizei hat recht schnell ein Statement zu dem Vorfall veröffentlicht, nach welchem Kheir versucht haben soll, einen Beamten mit einem Messer zu töten, der ihn verhaften wollte. Man erwartet hier natürlich eine Szene, die eine Rangelei, einen Kampf zwischen einem Polizeibeamten und einem randalierenden Mann zu sehen, der ein Messer zückt und auf ihn einstechen will. Der Polizist würde dann, so setzt man voraus, in buchstäblich letzter Sekunde seine Dienstwaffe gezogen und geschossen haben. Nötigenfalls auch ohne weitere Vorwarnung. Eine solche Szene würde man achselzuckend mit den Worten kommentieren: "Hier ist dem Polizisten kaum ein Vorwurf zu machen."
    Man kann dieses Statement der israelischen Polizei unter folgendem Link bei "The Guardian" nachlesen:
    http://www.theguardian.com/world/2014/nov/09/violence-spreads-israel-shooting-galilee-video-kheir-hamdan

    (Zitat: "The Guardian")

    In their original statements about the death on Friday night police said Kheir Hamdan was shot when he tried to stab an officer during an attempt to arrest him for allegedly throwing a stun grenade in the town, near Nazareth.

    (Übers.: In ihrer ursprünglichen Aussage über den Tod am Freitag Abend sagte die Polizei, Kheir Hamdan wurde erschossen, als er versuchte, einen Offizier bei dem Versuch, ihn wegen des angeblichen Wurfs einer Blendgranate in der Stadt in der Nähe von Nazareth zu verhaften, zu erstechen.")

    Das zugrundeliegende Video vom Vorfall selbst habe ich hier verlinkt; der Betrachter möge selbst entscheidend, wie weit israelischen Verlautbarungen zu trauen ist.

    http://electronicintifada.net/blogs/ali-abunimah/video-captures-execution-palestinian-citizen-israeli-police

    Hier fällt alles zusammen und selbst mit bestem Willen ist im tatsächlichen Vorfall gar nichts wiederzufinden, was man durch das offizielle Polizei-Statement erfuhr.
    Hier hatte die Polizei noch nicht einmal mehr den Versuch unternommen, eine wenigstens halbwegs nachvollziehbare Erklärung für die Tötung von Kheir zu erfinden und irgendwie zumindest mittelbar in der Nähe der Wahrheit zu bleiben. Die Polizei hat ihr Statement schlicht zusammengelogen und eine haarsträubend falsche Gesichte erfunden.
    Das kann sie selbstverständlich tun, weil, wie in den letzten Monaten zu sehen ist, willkürliche Erschießungen überall auf der Welt ein Echo finden - nur eben nicht in Israel.

    Kheir Hamdan hatte in der Tat ein Polizeifahrzeug angegriffen und, wie im Film erkenntlich, dabei mit einem Gegenstand auf das Auto eingeschlagen. Leicht erkennbar ist, dass ganz offensichtlich zu keinem Zeitpunkt auch nur einer der Insassen Schaden davon genommen hatte. Inwiefern hier überhaupt tatsächlich ein Messer zum Einsatz kam, darf stark bezweifelt werden, lässt sich aber objektiv nicht leugnen.
    Es lässt sich allerdings auch nicht leugnen, dass sich Kheir Hamdan zur Flucht wandte und fortlief, als ihn die ersten Schüsse trafen. Nach allen geltenden Regeln hätte selbstverständlich auf keinen Fall auf Kheir geschossen werden dürfen; die Tötung war eine Hinrichtung.

    Völlig unnötig zu sagen, dass die israelische Polizei natürlich überhaupt gar kein Fehlverhalten ihrer Beamten sieht und die Ermittlungen in dem Fall trotz des vorliegenden Videos als Beweismaterial abgeschlossen hatte.

    Hier geht es furchtbarerweise noch nicht einmal um Kheir Hamdan. Sein Tod ist tatsächlich nur einer von vielen, die z.T. in noch sehr viel krasserem Widerspruch zu den jeweiligen Verlautbarungen der israelischen Armee und Polizei stehen.
    Hier geht es wieder einmal darum, dass alles, was israelische Behörden oder die israelische Regierung auch immer offiziell sagen, vollkommen unkritisch und ohne jedes Hinterfragen von der ganzen Welt nicht nur geglaubt, sondern auch leidenschaftlich vertreten wird. Egal, wie furchtbar Palästinenser durch Israel ums Leben kommen - die Schilderung der Hintergründe wird exklusiv und ausnahmslos von Israel abgefragt und obschon in sehr vielen Fällen belastbares Beweismaterial für die Wahrheit vorliegt, wird dies konsequent weggeblendet und findet auch in unseren Medien hier nicht statt.
    Ob Israel nun von Kriegsschiffen aus mit Raketen Kinder am Strand tötet, über viele Stunden mit schwerer Artillerie in Wohngebiete hineinfeuert, mit Brandbomben in Städten Menschen verbrennt - es interessiert hier niemanden.

  • Israel - Bericht über das Gaza-Massaker von 2014

    Nicht, das etwas anderes zu erwarten gestanden hätte.
    Im Gegenteil muss sogar festgestellt werden, dass die brutalen Übergriffe der israelischen Armee auf die Zivilbevölkerung diesmal wenigstens nicht mit den furchtbaren Phosphor-Brandbomben durchgeführt worden, die die USA für das Massaker in 2009 geliefert hatten.

    Die Aktion "Breaking The Silence" ("Brecht das Schweigen"), von israelischen Soldaten gegründet, die massive Probleme mit ihrem Gewissen haben, widmet nun einen insgesamt 237-seitigen Bericht zum Massaker des letzten Jahres.

    Die zentrale Aussage darin:

    (Quelle: Egypt Independent)

    Israel fügte palästinensischen Zivilisten massive und beispiellose Gewalt im Gaza-Krieg 2014 mit unterschiedslosem Feuer und laxen Einsatzregeln zu, so werden dutzende Zeugenaussagen zitiert, die anonym von Soldaten gemacht worden sind.

    Ein Sergeant von der Infantrie gab an, dass in dem Moment, in dem die Truppen Zivilisten aus Wohngebieten haben fliehen sehen, im Grunde auf alles gefeuert wurde, was sich bewegt hatte.

    Die Idee war, wenn Du irgendetwas siehst, schieße.

    Bestätigt wird dies von einem israelischen Scharfschützen, dem eigentlich nur ein einziger Befehl vorlag:

    Wenn Du jemanden siehst, schieß.

    Bereits beim Massaker in 2009 berichtete ein Scharfschütze, dass er trotz Befehl nicht sofort geschossen hatte, weil das angewiesene Ziel aus einer alten Frau und einem Kind bestanden hatte. Sein Vorgesetzter fuhr ihn an: "Alles was Du hier siehst, ist ein Ziel. Was jetzt hier noch herumläuft und nicht geflohen ist, ist ein Feind."

    Ein Panzerkommandant sagte über den Einsatz im letzten Jahr:

    Wir haben einen ganzen Tag lang ohne jeden Anlass gefeuert. Die Hamas war nirgendwo zu sehen.

    Bei diesem Massaker beseitigte Israel insgesamt 2.256 Menschen, davon waren zumindest 1.563 unbeteiligte Zivilisten. Gut drei Viertel aller Todesopfer also waren weder mit einer Hamas, noch mit Terror in Verbindung zu bringen - was sich furchtbar anhört, wenn man dabei an die vielen getöteten Kinder denkt, die absichtsvoll beschossen worden sind.

    Noch vor ungefähr zwei Jahren antwortete Benjamin Netanjahu auf die entsetzlichen Vorwürfe von "Breaking The Silence" sehr eindeutig - nämlich gar nicht.
    In zumindest einem Interview bestreitet er sogar, dass eine solche Aktion überhaupt existiere, dabei hatte BTS zu dem Zeitpunkt bereits mehrere, international beachtete Symposien und Ausstellungen ausgerichtet und reichlich Material veröffentlicht. Netanjahus Bestrebungen allerdings ist zu verdanken, dass BTS nirgendwo und von niemandem öffentlich diskutiert wird; nichts aus ihrem Material fließt in die Reaktionen des Auslands ein - dafür aber werden die Aussagen von Netanjahu überall verbreitet, nach welchen sich Israel angeblich Grenzen und hohe moralische Ansprüche für Einsätze dieser Art gegeben haben will.

    Hier ist der Facebook-Auftritt von "Breaking The Silence":
    https://www.facebook.com/BreakingTheSilenceIsrael

    Hier ist die eigene page der Aktion:
    http://www.breakingthesilence.org.il/

    Ganz Europa und die USA schweigen über all diese israelischen Verbrechen solidarisch und eisern. In der Politik finden sich diese Vorwürfe nicht im Ansatz wieder; die halblauten Anmerkungen der Genannten zum Zeitpunkt des Massakers selbst können unmöglich als "Kritik" bezeichnet werden.
    Noch während des Massakers, längst wurde über die tödliche Raserei der Armee gegen Zivilisten offen berichtet, lieferten sowohl Deutschland als auch die USA fleißig Munition in Form von Granaten nach, da sich die israelischen Läger zu leeren drohten und die Vernichtung von Palästinensern ins Stocken hätte geraten können.

    Ebenso ignorierte der gesamte Westen das politische Stützfeuer aus der Knesset für das Massaker vollständig. In tatsächlich widerwärtigster, ekelerregender Art ergoss sich der Stellvertretende Sprecher der Knesset, Mosche Feiglin, damals in "Groß-Israel"-Visionen, zu deren Durchsetzung er schon mal Massenerschießungen von widerspenstigen Arabern herbeisehnte, die nicht freiwillig alles aufgeben und zu Fuß durch die Wüste nach Ägypten auswandern wollen würden. Kranken und Schwachen, phantsasierte Feiglin damals öffentlich, würde von der großherzigen, israelischen Armee mit Lastwagen geholfen.
    Ayelet Shaked, ebenfalls eine hochrangige Politikerin mit Sitz in der Knesset, erging sich ähnlich wie Feiglin in Vernichtungsphantasien, bezeichnete die Mütter von Palästinensern als "Schlangen" und empfahl, ebenfalls ganz öffentlich, man möge erst die "Schlangen" und dann sofort ihre Brut zertreten. Sie hatte damals absichtsvoll Bezug auf extremistische Judenvisionen genommen, nach welchen die Vernichtung von Kleinkindern und Babies des Feindes sehr zu empfehlen sei - da sie ja später, wenn sie die Vernichtung ihrer Eltern begreifen würden, ebenfalls zu Feinden werden könnten.

    Das nächste Massaker wird wohl ungefähr 2018 spätestens angesetzt sein und vermutlich wird sich die israelische Regierung dann einen Durchbruch der 3.000-Opfer-Grenze fest vorgenommen haben. In 2009 gab es etwas mehr als 1.000 Tote unter Zivilisten, in 2014 waren es mehr als 2.000 und deshalb wird man beim nächsten Mal ganz sicherlich mindestens 3.000 Zivilisten und Kinder vernichten wollen.

  • Warum ich "Azharit" bin!

    Das Wort bezeichnet einen sunnitischen Muslimen, der für sich die Weisheit der Al-Azhar-Moschee in Kairo als nächstbeste Rechtleitung nach dem Qur'an anerkennt.

    Die Moschee hat eine jahrtausendealte Geschichte; sie ist seit dem neunten Jahrhundert Lehrstätte und bündelt in sich alles, was Menschen je zum Islam produktiv, positiv und progressiv zusammengetragen und umgesetzt haben.
    Ich persönlich erkenne in der Lehrmeinung der Al-Azhar-Moschee die konsequente Deutung und Umsetzung dessen, was uns die Offenbarung nahebringen will.
    Die Grundhaltung der Moschee ist, und unter anderem liebe ich sie genau dafür, eine sehr konsequent friedliche und friedfertige. Sie erkennt sehr scharfe, unumstößliche und recht exakt gezogene Grenzen der Gewaltanwendung etwa, sie akzeptiert mit großer Selbstverständlichkeit die Gleichberechtigung der Frau und alle Menschenrechte - sie führt sogar für gewöhnlich dazu aus, dass es der Islam war, der die ersten fundamentalen Menschenrechte formuliert hatte.

    Die Al-Azhar-Moschee lässt sich weder von radikalen Strömungen noch von Regierungen beirren; nötigenfalls geht sie in offene Opposition, nicht selten sind Azhariten für ihre Überzeugungen in den Kerker oder zum Richtblock geführt worden.

    Der oberste Geistliche der Al-Azhar-Moschee, und damit in Personalunion der einfluss- wie kenntnisreichste Gelehrte und Muslim der gesamten, islamischen Welt ist der Großscheich Ahmed Mohammed al-Tayyeb. Wie seinem Vorgänger auch, so gehört auch ihm immer und sofort jedes Ohr in der islamischen Welt, ihre Ideen und Statements werden zwischen den Polkappen der Welt von mehr als einer Milliarde Muslime diskutiert und beachtet.
    Deshalb kommt diesem Amt und der jeweiligen Person eine nicht zu unterschätzende Bedeutung zu.
    Al-Tayyeb äußerte sich zu einigen Fragen in einem Interview; die faszinierendsten und deutlichsten Passagen zitiere ich hier:

    Und die Al-Azhar als Institution lehrt seine Studenten, dass der Islam nicht mittels Waffen herrschen und sich verbreiten kann, sondern durch Argumente, Logik und Überzeugung. Was die islamistischen bewaffneten Bewegungen machen, ist falsch. Die Al-Azhar ist damit nicht einverstanden und missbilligt deren Aktivitäten.

    Wir müssen Al-Tayeeb hier konsequent richtig verstehen:
    Ein guter Muslim lehnt ganz grundsätzlich bewaffneten Kampf zur Sicherung oder Herstellung einer islamisch geprägten Herrschaft ab. Somit zieht sich ein Muslim immer dann zurück, wenn er mit einer islamischen Botschaft abgelehnt wird. Ein guter Muslim missioniert nicht; zu schweigen davon, dass er neue Gläubige mit Tricks, Täuschung oder roher Gewalt zum Islam bringen will.

    Frage: Was sind die Gründe für die Entstehung dieser radikal-islamistischen Gruppen?

    Al-Tayyeb: Unter anderem sind dafür die vielen Rückschläge für die Jugendlichen ausschlaggebend, die wirtschaftliche Rückständigkeit, die Arbeitslosigkeit. Und das bedeutet, dass wir eine Belebung der Wirtschaft benötigen. Da muss auch der Westen seine Verantwortung wahrnehmen und den arabischen Ländern helfen, sich von der Bestie dess Terrors zu befreien.

    Das wahrhaft Wohltuende daran ist die beinahe trockene Realitätsbezogenheit in Al-Tayyebs Worten. Im Gegensatz zu verschwurbelt-radikalen Muslimen sieht er den Ursprung zahlloser Probleme nicht in der Religion oder mangelhaften Religionsausübung, sondern im täglichen Tun der Wirtschaft. Es ist wiederum einmal diese Nüchternheit, die keiner Esoterik und keiner Mystik bedarf um Probleme in ihrer Entstehung und Wirkung richtig zu bezeichnen. Azhariten sind Realisten; sie genehmigen sich im stillen Oberstübchen und in kontemplativen wie meditativen Momenten mehr oder weniger stark emotionsgeladene Hinwendung zu Allah, sie sind Gläubige, die ihr jeweiliges Tun genau beobachten und zumindest versuchen, sich beständig neu nach dem Islam auszurichten.
    Das macht sie in westlichen Gesellschaften beinah "gefährlich". :DD
    Azhariten sind weder an der Kleidung, noch an ihrer Sprache als Muslime zu erkennen und es könnte passieren, dass man sich angeregt und amüsant mit einem unterhält, während man seine religiöse Ausrichtung lange nicht erkennt. Sie sind unaufgeregt, souverän und brauchen keine ausgeführte oder gefühlte Aggression, um ihren Glauben zu fühlen.

    Frage: Sie erwähnten wirtschaftliche Faktoren für die Entstehung des IS. Aber diese militanten Gruppierungen berufen sich alle auf den Islam. Wäre es also nicht eher erforderlich, das Bild des Islam zu verändern?

    Al-Tayyeb: Nein. Erforderlich ist es, den Islam so zu präsentieren, wie er ist, wie er den anderen respektiert, an den anderen glaubt und ihm die Glaubensfreiheit gewährt. Es funktioniert nicht so, wie manche es fordern: Ändert Euer kulturelles Erbe! Ändert den Koran! Nein, der Koran unabänderlich, genauso wie es die Bibel ist.

    Danke, Eure Eminenz! Danke!
    An Worten wie diesen erkenne ich (immer sehr erleichtert!) die Richtigkeit meines eigenen Weges. B)

    Wir finden in Al-Tayeebs Sätzen zwei ganz fundamentale Weisheiten, die ich persönlich für unverrückbar, für absolut unveränderbar halte: zum einen die extrem weitreichenden Freiheiten im jeweiligen Gegenüber, die Islam verlangt und schützt und zum anderen die eherne Feststellung, dass nichts, kein einzelnes Satzzeichen, keine halbe Silbe, geschweige denn ein einziges Wort des Qur'an verändert werden kann. Und das gilt für die Ewigkeit.
    Ich hoffe ganz persönlich und inständig, dass sich die Interpretation des Islam durch die Al-Azhar-Moschee durchsetzen und gegen alle radikale Strömungen etablieren kann. Dass sie gehört und verstanden werden möge. Vielleicht, dass man ihre Schönheit, ihre Strukuriertheit, ihren ernsten Humor und ihren humorigen Ernst, ihre Zuverlässigkeit und tiefreichende Analyse kennen- und schätzenlernt.

    Großscheich Ahmed Mohammed al-Tayyeb wirkt ernster als sein Vorgänger - aber, vielleicht durch die Ereignisse der zurückliegenden Jahre, auch viel bedrückter. Al-Tantaoui, der vorherige Großscheich, wusste durch seine Scherze, aber auch durch seine legendären Wutausbrüche zu beeindrucken, mithilfe derer er durchaus schon mal einen unverschämten und frechen Reporter prügelnd aus seinem Büro warf. Für einen Großscheich war dies durchaus eine Verfehlung - sie machte ihn aber zu einem Menschen, dem man trauen konnte und .... wollte.
    Al-Tayeeb ist der Akademiker von den beiden, der nüchterne Analyst, der die Welt und unsere Zeit grunsätzlich immer als das sah, was sie sind. Al-Tayyeb war es auch, der die Al-Azhar wieder einmal vor dem Zugriff einer Regierung zu beschützen hatte und es ist ihm, wie einigen seiner Vorgänger in all den Jahrhunderten zuvor auch, gelungen.
    Er ist kein Papst, er ist überhaupt kein "Herrscher". Er hat keine reale Macht und sein persönlicher Einfluss in der Welt ist überschaubar. Er ist ein Mensch - und dazu einer, dem ich geistige Überlegenheit zugestehe. Er ist dazu fähig, meinen Gedanken mehr Ordnung und Struktur zu verleihen als ich allein es vermöchte.
    Aber er ist ein Mensch.
    Wie jeder gute Muslim, so schaut er nicht auf mich herab. Er besitzt keine größere Nähe zu Allah als ich selbst. Er übernimmt für mich keinerlei Verantwortung, ich erhalte von ihm keine Befehle.

    Aber wir haben etwas ganz Entscheidendes gemeinsam:
    wir sind beide Azhariten. :wave:

  • Ägypten - Deutschland: Man "nähert sich an".

    Friede - Freud - Eierkuchen:

    (Zitat: SPIEGEL-Online)

    Frank-Walter Steinmeier und Präsident el-Sisi lächeln. Es sind die üblichen Bilder bei einer Auslandsreise eines deutschen Außenministers.

    Natürlich. Alles wird gut.
    So einer wie Steinmeier hat schließlich im gezielten Weghören, Ausblenden und eleganten Negieren Übung. Darin ist er kaum zu schlagen und seine Konzilianz überbrückt selbst schärfste Gegensätze und breiteste Gräben. Er lächelt sie einfach zu.

    Für Abdel Fattah el-Sisi sind sie [die Bilder] wichtig. Sind sie doch ein sichtbares Zeichen dafür, dass seine Person und sein Land bei einem der wichtigsten Länder in der der EU - Deutschland - zunehmend Anerkennung findet.

    "Zunehmend Anerkennung" findet al-Sisi ausschließlich nur, weil er die alten Verhältnisse wiederhergestellt hat, die Mubaraks Herrschaft ausgezeichnet hatten: die erklärte Bereitschaft dazu, jedwede Unmutsäußerung auf Ägyptens Straßen nötigenfalls auch mit Maschinengewehrsalven zum Schweigen und diejenigen unter die Erde zu bringen, die mit ihrem anwachsenden Elend nicht mehr für ägyptische Willfährigkeit in europäischer Nahost-Politik bezahlen wollen.
    Natürlich findet Steinmeier das toll.
    Er erhält Ägypten auch viel zu gern als Urlaubsregion für seine (dummen) Deutschen, die "all-inclusive"-Bier unter Sonnenschirmen bis zum Abschädeln brauchen und die Verhältnisse im Land kraftvoll und mit großer Energie ignorieren wollen.

    Ob Syrien, Irak, Jemen, das Atomabkommen mit Iran, die Lage in Libyen, die Flüchtlingsströme, der Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen, die Kooperation beim Kampf gegen den Terror - all das stand beim Treffen auf der Agenda.

    Natürlich. Dabei weiß jeder, dass sich Ägypten zu kaum je einem Zeitpunkt ernsthaft mit dem Terror, den es selbst produziert hat, beschäftigen würde und im Gegenteil selbst unmittelbar vor der Situation steht, dass der "Islamische Staat" in die Startblöcke zu zu breitgefächerten Angriffen und zahlreichen Anschlägen geht.
    Das sind aber auch nur Lippenbekenntnisse, hintergrundlose Verlautbarungen, um das wahre Ziel des Westens Ägypten gegenüber nicht allzu öffentlich diskutiert zu sehen: die "Sicherheit" Israels.
    Diese "Sicherheit" bezieht sich ja nicht etwa auf den Schutz Israels vor militärischen und/oder terroristischen Angriffen von außen, sondern ausschließlich nur auf das Zerquetschen jedweder Kritik, die Israel dazu zwingen könnte, tatsächlich doch einmal von riesigen Massakern an der palästinensisch-arabischen Bevölkerung des Westjordanlands und des Gaza-Streifens absehen zu müssen.

    Al-Sisi wurde schließlich ab genau dem Augenblick vom Westen gefördert und unterstützt, als die ägyptische Bevölkerung unter dem legitimen Präsidenten Mursi und nach dem Wegfall der Pressezensur plötzlich prostestierend auf die Straße gegangen war und lautstark die Aufhebung des verrückten "Friedens"-Vertrages mit Israel forderte.

    El-Sisi, der nach dem gewaltsamen Sturz der Muslimbruderschaft durch das Militär und der Verhaftung des früheren Staatspräsidenten Mohamed Morsi im Juli 2013 an die Macht kam, wird nachgesagt, mehr in soldatischen denn politischen Kategorien zu denken und in diesem Stil auch das Land führen zu wollen.

    Ihm "wird nachgesagt"? 88|
    Welchen Benefit hat die SPIEGEL-Redaktion wohl von dieser völlig verbogenen Darstellung? :roll:
    Politik- und Wirtschaftsexperten beobachten bereits seit vielen Monaten, dass sich die Militärführung an der Spitze des Landes höchst bequem eingerichtet hat. Die Putschisten halten ganz einfach nur die Hand auf und laufen wie Sterntalerchen mit aufgespanntem Röckchen durch den Goldregen. Saudi-Arabien und Kuwait haben hunderte von Milliarden Dollar nach Kairo gepumpt, die USA schaufeln nun wieder wie gewohnt jährlich 1,5 Milliarden Dollar nach Kairo - direkt in die Hände des Militärs übrigens; über diese Summen existiert keinerlei parlamentarische oder sonst irgendwie geartete Kontrolle.
    Al-Sisi ist Pharao von eigenen Gnaden - hat aber doch von Wirtschaft nicht die geringste Ahnung. Deshalb lösen sich auch nur wenige und untergeordnet wichtige Bremsen in der Industrie; al-Sisi beschränkt sich darauf, den Tagesbedarf der Bevölkerung direkt aus den Überweisungen zu tätigen. Selbst die gleichgeschaltete Presse kann nicht umhin wenigstens leise anmerken zu müssen, dass es der "Regierung" an Ideen und Programmen fehle. Al-Sisi selbst äußert in der Presse immer wieder Hinhalteparolen; man "müsse eben abwarten", er sei "auch nur ein Mensch", und überhaupt stehe die "Weltwirtschaft gegen ihn".

    Und jetzt einer der üblichen wie beinahe wirklich amüsanten Bonmots unseres gewieften Außenministers:

    Vor seiner Visite gab er der unabhängigen Tageszeitung "Al-Masry al-Youm" ein Interview - und nicht einem der Staatsmedien. In dem Blatt nannte er zwar Ägypten einen "zentralen politischen Partner", der eine "unersetzliche Rolle für die Stabilität in der Region zu spielen hat". In dem Interview, das am Tag seiner Ankunft veröffentlicht wurde, kritisierte er aber auch die Todesurteile, die Deutschland und Europa aus grundsätzlichen Erwägungen ablehne.

    Gut gebellt, Löwe? :roll:
    Wohl kaum. Die Zeitung "Al-Masry al-Youm" ist ein Rand- und Outsidermagazin mit nur wenig Publikum in Ägypten. Der Verleger steht gegen die Regierung und wurde bereits mehrfach mit haarsträubenden Anzeigen und Verfolgungen belästigt. Ebensogut hätte Steinmeier den Steinen in der Wüste ein Interview geben können; seine Äußerungen dort sind medial ohne Wellen geblieben, weil sie auf halber Strecke verhungert sind.
    Er hätte sich mit diesen Worten an die "Al-Ahram" etwa wenden sollen - denn das ist das größte und direkt von der Regierung gekeilte Zeitungshaus Ägyptens. Aber dann wären seine Äußerungen nie gedruckt, wohl aber energisch zurückgewiesen und wohl mit Häme und Zorn bedacht worden. So kann Steinmeier wenigstens mit einer Zeitung wedeln - auch wenn diese in Ägypten geächtet ist und kaum Verbreitung findet.

    Ägypten gilt in einem Meer der Instabilität und des Terrors als ein Ruhepol, trotz der stockenden Reformen. So hat die Wahl eines neuen Parlaments - ursprünglich für dieses Frühjahr vorgesehen - bislang nicht stattgefunden, nachdem das Oberste Gericht das Zuschneiden der Wahlbezirke aufgehoben hat. Kürzlich versprach el-Sisi, die Wahlen würden bis Ende dieses Jahres erfolgen. Ursprünglich war in Berlin ein Empfang el-Sisis von der Abhaltung der Parlamentswahlen abhängig gemacht worden. Nun aber wird el-Sisi Anfang Juni in der deutschen Hauptstadt erwartet, auch ohne Urnengang.

    Nun will mir wirklich nichts mehr einfallen, wie Deutschland seine totale Ignoranz innerägyptischer Verhältnisse noch deutlicher beweisen könnte.
    Ebensogut hätte al-Sisi Steinmeiers Weg vom Flughafen nach Kairo-downtown mit Kreuzen Hingerichteter säumen können und wäre ja doch nach Deutschland eingeladen worden. Was müsste al-Sisi noch anstellen, damit seine Einladung storniert würde? Tausende von Toten, Zehntausende von politischen Gefangenen, Erschießungen auf offener Straße, Massenvergewaltigungen und massivste, härteste Rechtsbrüche vor Gerichten reichen nicht hin.

    Da fragt man sich, was die Welt bereit ist zu opfern, damit Israel seine kranken "Groß-Israel"-Träume mit militärischer Gewalt ungestraft durchsetzen kann?

    Ägyptens restriktive Politik im Inneren - vor allem bei der Verurteilung früherer Morsi-Anhänger zum Tode (die allerdings noch nicht rechtskräftig sind) - hat Berlin wiederholt kritisiert.

    Sorry - aber das ist schlicht die Unwahrheit.
    Ich will nicht ausschließen, dass irgendwann irgendein Abgeordneter in irgendeinem einem Interview bei einer Schülerzeitung mal gesagt haben könnte, dass Berlin die hunderte von Todesurteilen "nu nich ganz soooo toll" fände - irgendeine wertbare, verwertbare Kritik mit Substanz hat Berlin nie geäußert. Geschweige denn, mit Rückzug von der Finanzierungsfront oder mit distanzierteren Gesprächen gedroht.
    Aber gut.
    Steinmeier hat ja auch gar kein Problem mit öffentlichen Hinrichtungen, Folterungen, Verstümmelungen in Saudi-Arabien und verkauft ganz gern alles erdenkliche Schießgerümpel dorthin - wie sollte er da an den tausenden von Toten Ägyptens Anstoß nehmen?

    Dennoch will Steinmeier das Land am Nil nicht abseits liegen lassen. Dazu ist es als Akteur im Nahen Osten zu wichtig, nicht nur wegen der Beziehungen zu Israel, sondern auch zum Nachbarn Libyen, der in einem Krieg der Stämme, Milizen und Terrorgruppen zu versinken droht.

    Ach neeee ...... sollte der SPIEGEL doch etwas gemerkt haben? 88|
    Was er definitiv nicht gemerkt hat ist der Umstand, dass Ägypten in keinem Thema eine (an-) treibende Kraft darstellt und die Beteiligung an der Bombardierung der Huthi im Jemen nur für Plakate und Interviews, aber nichts im Kontext der Instabilität der Region taugt. Al-Sisi schützt nichts - sondern nur sich und das Militär (in genau der Reihenfolge).
    Al-Sisi selbst ist für das häufig direkte, häufig auch indirekte Befeuern des "Islamischen Staats" persönlich verantwortlich. Er selbst lieferte die besten Motivation für Attentäter und demzufolge hat er nur Angst um sich selbst, seine Machtfülle und um das Militär, welches ihm nach guter, alter ägyptischer Sitte sofort den Dolch in den Rücken stoßen wird, wenn sein Wohlleben gefährdet sein könnte.

    Der tausendfache Tod am Nil, die breite und brutale Vernichtung selbst fundamentalster Rechte und Freiheiten wird von Steinmeier mit einer rosa Schmusedecke erstickt. Ganz einfach totgetreten.

  • Texas - Tote wegen Karikaturen von Mohammed (saws)

    (Zitat: SPIEGEL-Online)

    Im US-Bundesstaat Texas haben zwei Männer auf ein Gemeindezentrum geschossen, in dem Mohammed-Karikaturen ausgestellt werden. Laut Polizei wurde bei dem Angriff in der Ortschaft Garland, einem Vorort von Dallas, ein Polizist verletzt, der am Bein getroffen wurde. Die Sicherheitskräfte erwiderten das Feuer und töteten die beiden Attentäter.

    Eingangs mein übliches Credo - für mich selbst, und parallel dazu für die NSA und den BND:
    Natürlich missbillige ich den Angriff. Gute Muslime wissen selbstverständlich, dass Mord aus solchen und ähnlichen, allerdings tatsächlich "niederen" Beweggründen im Islam ebenso schlicht wie unmissverständlich und unzweifelhaft verboten ist. Demzufolge sind nun nicht (mehr) die Aussteller schuldig, sondern verrückterweise diejenigen, die das Objekt des Streits mit Waffengewalt vernichten wollten.

    Das ist schlimm. Wirklich schlimm.

    Dieser Terrorangriff ist beinahe so verwerflich wie der US-Angriff auf den Irak und dieser hat die Grenze zur Barbarei aus Dummheit, Arroganz und Niederträchtigkeit bei weitem durchschlagen. Hier haben sich Muslime womöglich ähnlich schuldig gemacht wie die hunderttausenden von US-Soldaten - und deren Taten übersteigen alles Vorstellbare und sind in ihrer Bösartigkeit und Grausamkeit kaum zu übertreffen.

    Dabei ist der Islam weit besser als diese - und das macht den Angriff von Texas so unerträglich wie alle anderen Angriffe von Muslimen auf Muslime und Unschuldige, Unbeteiligte etwa.
    Wenn ich solche headlines lese wie die oben zitierte, dann will mich leise Verzweiflung packen und in meinen düstersten Momenten von der Sinnlosigkeit, dem entgegensteuern zu wollen, überzeugen.
    Dieser Angriff ist ungefähr so "islamisch" wie Russland "demokratisch" und Europa "friedensliebend".
    Es ist völlig grotesk, dass die Genannten für ihre vorgebliche Überzeugung mit Mitteln arbeiten, die gleichzeitig ihre Überzeugung vernichten - für mich ist das, als würde man einen Richter zum Tode verurteilen, weil er soeben ein Todesurteil gesprochen hat. :crazy:

    Mit solcherlei Schieflagen allerdings, das ist meine Lehre aus dem vergangenen, halben Jahrhundert, kann die Menschheit offenbar hervorragend umgehen und folgt irrwitzigerweise nicht nur solchen Vorgaben, sondern findet selbst auch noch "Argumente" dafür, die ihnen nicht in den Mund gelegt worden sind. So spannt sich ein blutroter Faden von der Judenvervolgung in Deutschland über den Angriff gegen den Irak bis zu den Schüssen von Texas; in allen Fällen ist es der "kleine Mann", der die Verrenktheit in öffentlichen wie offiziellen Verlautbarungen nicht erkennt und sogar durch eigenes Tun noch befeuert. Nur so kann aus vereinzelter, "von oben" sehr zielgerichtetet, absichtsvoll verordneter Häme eine breite Bewegung werden, die dann durch die Straßen rast und Menschenopfer fordert.

    Ich gebe es offen zu: weit mehr als jede Verirrung eines Nichtmuslimen trifft mich die eines Muslimen. Der europäische Nichtmuslim ist zum überwältigenden Teil nicht nur dumm, sondern eben auch völlig unpolitisch und zu guter Letzt auch alles andere als bildungsaffin. Wenn dieser Einblasungen von seiner Regierung innerlich nicht standhält und ihnen unkritisch folgt, ja sie auch noch befeuert, dann ist das nicht weiter verwunderlich und hinterlässt mich achselzuckend. Er ist wie ein dummes Kind, nicht anders erschaffen und in die Welt gebracht als wir Muslime und seine Aufgabe ist es (nur), Muslimen als Beispiel zu dienen.
    Ein Muslim allerdings, der müsste zwingend etwas Besseres, Gebildeteres, Kultivierteres und allerdings Besonneneres sein - und "Sabr" üben, eine islamische Disziplin, die nur ungenügend mit "Geduld" übersetzt werden könnte. Deshalb trifft ihn meiner Überzeugung nach weitaus härterer Vorwurf, weitaus härtere Sünde bei gleichem Tun als einen Nichtmuslimen.

    Frustrierenderweise sehe ich, dass der Angriff zwar nicht für die Angreifer und auch nicht für den Islam, dennoch aber "kulturpolitisch" ein großer Erfolg sein wird: zusammen mit dem noch schlimmeren Übergriff in Paris erzeugt er das beabsichtigte Bedrohungsszenario und es wird künftig nur noch ganz wenige oder sogar gar keine solche Ausstellungen mehr geben.
    Die vielen, dummen und blöden Nichtmuslime, die auch weiterhin starrsinnig wie bösartig auf eine eingebildet "grenzenlose" Meinungs- und Kunstfreiheit pochen, die ihrer Meinung nach selbstverständlich alle Menschen auch in ihrer Würde und in ihrem Glauben tief verletzen darf, sie werden nicht aus Überzeugung, sondern aus nackter Angst auf solche Ausstellungen verzichten.
    Und diese Angst ist eine, die Kriege erzeugt.
    Keine Kugel, keine Granate, kein Krieg wird sie jemals der Einsicht näherbringen, dass sie selbst ebensowenig beleidigen dürfen wie sie selber beleidigt werden wollen. Sie werden durch das Attentat nicht irgendwann innehalten und denken: "Stop. Das darf ich jetzt nicht tun, weil es Menschen in ihren Werten und in ihrem Glauben verletzt. Ich würde selbst meine Werte auch nicht so geringgeschätzt und in den Dreck getreten sehen wollen."

    Es ist schade, sehr schade, wenn ich es vorsichtig ausdrücken will, dass der Islam soviel Dummheit in den eigenen Reihen hat, wo die reine Erkenntnis, der schöne Glaube nach kurzem Studium so offen vor einem liegt. Es reicht nicht, schreiend durch die Straßen zu laufen und mit dem Qur'an in der Faust zu wedeln.

    Man muss ihn auch lesen.

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