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  • Israel - Kriegserklärung gegen alle Muslime der Welt

    Man wird aus einer ganzen Reihe von Gründen hier in Deutschland und in Europa ganz allgemein große, vielleicht größte Probleme damit haben, die Tragweite und Bedeutung dessen, was in Jerusalem nun schon wieder passiert, richtig zu verstehen.

    Das Attentat auf den jüdischen Extremisten Yehuda Glick ist nur die Spitze der unausgesetzten Provokationen, mit denen Judaisten seit mittlerweile Jahren versuchen, den Status Quo der heiligen Stätten Jerusalems auf Basis einer radikal-religiösen Sicht zu beschädigen. Seit 2013 verstärkt Glick seine Bemühungen, den für die Muslime der gesamten Welt höchst bedeutsamen Tempelberg, auf welchem sich die wichtige Al-Aqsa-Moschee befindet, gewaltsam für Juden zu öffnen.
    Man muss die Bedeutung verstehen: Glicks Anstrengungen wären direkt mit dem Versuch von Muslimen zu vergleichen, die Grabkirche Jesu für alle Menschen zu schließen und zu sprengen. Bei Glicks Versuchen handelt es sich um eine losgelöste faschistisch-rassistische Forderung, "Erez Israel" zu errichten, alle Araber zu vertreiben bzw. zu töten.

    Glick agitierte offenbar vorgestern gemeinsam mit Moshe Feiglin, der unter anderem durch seine ebenfalls extremistischen und menschenverachtenden Facebook-Veröffentlichungen in der radikal-jüdischen Szene bekannt geworden ist.

    Im Gegensatz zu fast allen bedeutenden und auch weniger bedeutenden (Welt-) Religionen verzichtet Islam im Grunde hundertprozentig auf Fetische. Der Glaube, Dinge oder Menschen könnten heilig sein, gilt nicht nur als verpönt. Obschon sich in ursprünglicheren Gegenden wie etwa Zentralafrika Glaubensmischformen herausgearbeitet haben, die neben der islamischen Lehre auch den Glauben an "Heilige" akzeptiert, wird dies von der überwältigenden Mehrheit aller Muslime strikt abgelehnt.
    Muslime binden sich weder seltsame Schnüre um die Arme, noch tragen sie Leichenreste von "Heiligen" durch ihre Straßen und beten auch keine steinalten Blutkrusten oder Kleidungsfetzen an.

    Lediglich drei Orte bezeichnen die Mitte des Islams: Mekka, Medina und eben der "Felsendom" auf dem Jerusalemer Tempelberg. Während die ersten beiden Orte von Saudi-Arabien in der Tradition der "Wächter der Heiligen Stätten" strikt von der nichtmuslimischen Öffentlichkeit abgeriegelt werden, bildet die al-Aqsa-Moschee eine muslimische Enklave inmitten Jerusalems.
    Hier fand nach Überzeugung aller Muslime die extrem bedeutsame Himmelsreise des Verehrten Propheten statt, deren Ereignisse und Lehren im Islam eine besondere Strahlkraft besitzen. Es ist dies einer von insgesamt nur drei höchstbedeutsamen Orte, an welchen Muslime direkten Kontakt zum Glauben und zu ihren Werten aufnehmen.

    Wenn innerhalb des Islam von weiteren, "Heiligen" Stätten die Rede ist, so wäre das tatsächlich nicht sonderlich ernst zu nehmen. So gilt etwa die ägyptische al-Azhar-Moschee als bedeutsamste auf afrikanischem Boden und sie nimmt religiöse Autorität für sich in Anspruch, die etwa mit dem Vatikan für die Christen zu vergleichen wäre - aber "heilig" ist auch die al-Azhar-Moschee nicht. Aber auch sie würde mit dem Leben von Millionen von Muslimen verteidigt.

    Wenn Mahmoud Abbas also die israelische Schließung des Jerusalemer Tempelbergs als "Kriegserklärung" gegen alle Muslime der Welt bezeichnet, so ist dies sehr ernst zu nehmen und kann tatsächlich in einen Krieg münden - selbst wenn er auf "Terrorebene" geführt werden sollte. Wenn Netanjahu diesen Kurs nicht ändert, so werden alle "Intifadas" der Vergangenheit ein Witz gegen die Anschlags- und Aggressionswelle sein, die nun folgen müssen. Und werden.
    Netanjahu spielt ein extrem gefährliches Spiel und man muss sich mittlerweile tatsächlich und ernst fragen, ob sein psychisches Problem daraus bestehen könnte, dass er beständig Krieg, Tod und Zerstörung anzetteln muss. Denn das er ein schweres, psychisches Problem tatsächlich hat, lässt sich leicht an seinen zum Teil extrem bizarren Reden und Auftritten erkennen.

    Mithilfe völlig verrückter, gemalter Bilder (statt irgendwelcher Beweise natürlich! Denn die existierten ja nie.) trachtete er noch vor etwa zwei Jahren, die UN-Vollversammlung zu einem Krieg gegen den Iran aufzuhetzen, weil Teheran angeblich danach getrachtet haben solle, Israel mit Nuklearwaffen anzugreifen. Da hierzu seine eigenen, israelischen Militärmittel und -Kräfte nicht ausreichten, intervenierte er extrem agil diverse Male persönlich in den USA. Erfolglos.
    Da sich mit dem Gaza-Streifen und heute mit dem Tempelberg neue Konflikt-, Terror- und Kriegsherde anzünden lassen, scheint der Iran für Netanjahu ganz plötzlich keine Gefahr mehr darzustellen - was nun das völlig Verrückte in der israelischen Politik offen zutage treten lässt.

    Mit der Schließung des Tempelberges hat Netanjahu den ultimativen Zünder für die tatsächlich ganz große, generelle Auseinandersetzung gefunden und er ist entschlossen, ihn auch zu drücken.
    Es verlangt ihn ganz offensichtlich nach dem ganz großen Show-down zwischen Muslimen und Juden, anders ist dieser Vorstoß nicht (mehr) zu werten.
    Der Zuschlag des Tempelbergs zu muslimischer Aufsicht war in der Vergangenheit ein zäh errungener Kompromiss zum Status Quo Jerusalems, welches von beiden Seiten als Hauptstadt betrachtet wird. Schon für diesen Kompromiss hat die damalige, palästinensische Seite einen extrem hohen Preis bezahlt, denn die Herrschaft über diese Stadt wurde ihr im Grunde vollständig genommen. Lediglich im Osten existieren einzelne Viertel in der Stadt, die mehrheitlich unter muslimisch-arabischem Einfluss stehen.

    Allein schon diese Lösung wird von vielen extremen Palästinensern schwer kritisiert - letztlich aber zähneknirschend hingenommen.

    Extremistische Strömungen in Israel fordern die Wiedererrichtung des "salomonischen Tempels" auf dem Tempelberg und entweder gleich die vollständige Entfernung aller muslimischen Einrichtungen dort oder aber deren Verbannung an den Rand der neu zu errichtenden Anlage. Hierfür stand Yehuda Glick, dessen gezielte und aggressive Provokationen am Tempelberg immer wieder zu Gewalt geführt haben.
    Dies wäre in der Tat eine Kriegserklärung.

    Aber hier dürfte sich Netanjahu übernommen haben; es steht kaum zu erwarten, dass muslimische Staaten einen derartigen Anschlag auf den Tempelberg hinnehmen - hinnehmen könnten. Sollten sie derartiges versuchen wollen, würden ihre Regierungen von einem Protest- und Terrorsturm aus ihren Bevölkerungen und sogar aus eigenen Reihen hinweggefegt.
    Ich wage die Prognose, dass sich ein Sturm aus vielen Millionen Muslimen gegen Israel erhöbe; dies würde ein Sturm, gegen die der gesamte "IS" samt al-Qaida nur eine leichte Frühlingsbrise wäre.

  • Schweden und Palästina - Aufbruch in korrekte Verhältnisse

    Unsere Nachbarn im Norden haben uns schon häufiger dadurch zu überraschen verstanden, dass sie in einigen Fragen durchaus ebenso schnell wie klug zu erfrischenden Erkenntnissen kommen - und diese auch zügig umsetzen.

    Schon vor ein oder zwei Wochen ging ein beinah ungläubiges Raunen durch die arabische Welt und es las sich zunächst auch etwas schräg, dass ausgerechnet Schweden beabsichtigen solle, Palästina offiziell anzuerkennen.

    Und dann das:

    (Zitat: SPIEGEL-Online)

    Nahost: Schweden erkennt Palästina als Staat an

    Schweden schert damit aus der Phalanx der europäischen Staaten aus, die Palästina ganz gern auch für die nächsten Dekaden im tödlichen Würgegriff Israels belassen hätte. Und dieser Würgegriff ist einer, da er den Palästinensern durch eisiges Schweigen und die totale Verweigerung, den Brutalitäten Israels auch nur rhetorische Empörung entgegenzusetzen, den Erstickungstod bringen soll.

    Wir müssen nur wenig zurückdenken uns können uns weidlich an die vielen, schrecklichen Bilder der bizarren Zerstörungs- und Tötungswut erinnern, mit der Israel im Gaza-Streifen raste.
    In Verbindung mit dem neuen Irrsinn, dass Netanjahu tagesaktuell im Sinne einer "Bestrafung" Palästinas den Bau neuer, illegaler (!) Siedlungen im Westjordanland beschleunigen und auch weiterhin jüdische Extremisten zur Provokation auf den Tempelberg schicken will, wäre die Weltöffentlichkeit längst dazu verpflichtet, den Unrechtsstaat Israel durch Sanktionen zur Räson zu rufen.

    Aber nichts geschieht.

    Israel tötet tausende von Zivilisten, schießt nachweislich in Tötungsabsicht auf Kinder, Schulen, Alte und Krankenhäuser - und erhält dafür auch noch seine Munitionsbestände an Bomben und Granaten hilfreich von den USA aufgestockt. Die israelische Marine tötet zielgerichtet und absichtlich mit Raketen Kinder am Strand von Gaza - dennoch erfolgt keine andere, geschweige denn schärfere Reaktion der Weltgemeinschaft als die groteske und lächerliche "Mahnung" an Israel, man möge doch bitte "maßvoller" vorgehen.

    Es war nicht nur richtig, sondern ist auch seit vielen, vielen Jahren längst überfällig, dass Palästina ein eigener Staat wird.
    Schwachsinnige Schreihälse, die in der Regierung Netanjahu sitzen und seine Politik z.T. maßgeblich diktieren, können noch immer ungestraft ihr jüdisch-extremistisches Gift verspritzen und ganz offen via Facebook freuchten Träumen wie etwa der Ausrottung der Palästinenser in Gaza nachhängen. Sie erfahren noch nicht einmal eine Maßregelung, geschweige denn Kritik.

    Schweden hat eine neue Situation geschaffen und sich damit gegen die Kollaborateure Israels, also Deutschland, England und die USA gestellt.
    Palästina ist real und es gehört genausogut in unsere politische Realität gehievt wie Israel selbst.

    Denn soviel gibt die UNO-Charta zur Staatsgründung Israels ganz unzweifelhaft her: es war seinerzeit der erklärte Wille der Weltgemeinschaft, dass neben Israel eben auch ein Palästina gegründet zu werden habe und von daher ist das behauptete Existenzrecht Israels momentan zu bezweifeln. Da es derzeit noch kein Palästina gibt, kann, darf es auf Basis der Charta augenblicklich kein Israel geben.

    Stefan Löfven, Schwedens Außenminister, zeigt völlig zu Recht den Kameras der Welt ein breites und gewinnendes Lächeln. Er kann lächeln, denn er ist mit seinem Land der erste Politiker der Welt, der aus Worten auch Taten macht und Schweden könnte mit seinem mutigen Schritt endlich das Totengeläut der faschistisch-hysterischen Raserei Israels durch die Welt schicken.
    Denn soviel ist auch richtig: Israel braucht Palästina, weil es selbst an seinen verrückten Vernichtungsversuchen gegen Palästina langsam zerbricht.

  • Deutschland - aus Deinen Fremden werden wohl nie Freunde

    Bevor ich dezidiert auf den Artikel auf SPIEGEL-Online eingehe (Link: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/regierungsbericht-migranten-haben-nachteile-im-job-a-999777.html ), zitiere ich Johann Wolfgang von Goethe:

    Ein Land, welches seine Fremden nicht ehrt, wird untergehen.

    Ein starkes Wort von einem bedeutenden Denker.

    Kommen wir aber nun zu den Fakten:

    Seit 2008 ist der Anteil der ausländischen Jugendlichen ohne Hauptschulabschluss von 15,2 Prozent auf 11,6 Prozent 2012 gesunken - deutlicher, als bei deutschen Jugendlichen. Der Anteil der Abiturienten stieg von 11,2 Prozent auf 16,2 Prozent.

    Isoliert betrachtet, wäre das ja eigentlich eine gute Nachricht.
    Ist es aber nicht - weil Abiturienten mit Migrationshintergrund systematisch benachteiligt werden. Der Begriff "benachteiligt" allerdings umfasst eine ziemlich große Bandbreite an Ablehnung und betrifft alle Migranten auf breiter Basis.
    Der Trend führt zu einem langsamen, leichten, aber dafür stetigen und, auf Sicht auch lethalen Ausbluten Deutschlands. Unsere Bildungssysteme werden zwar mit Migranten besetzt und produzieren demnach natürlich auch Kosten, eine Rückbringung dieser Kosten durch spätere Steuerzahlungen aber fällt nur allzu häufig aus. Nicht wenige Migranten, die ihr Abitur in der Tasche und vielleicht sogar eine universitäre Ausbildung genossen haben, bleiben über lange Zeit ohne Anschlussbeschäftigung und kehren Deutschland oft genervt den Rücken zu. Etliche von ihnen tragen ihre Ausbildung, ihre Karriere, ihr Leben und somit auch ihr Steuerpotenzial zurück in die Heimat. So betrachtet, stellen unsere deutschen Schulen und Universitäten ein sehr subtiles, aber kräftig arbeitendes Subventionsprogramm für z.B. eine Türkei dar, die die Heimkehrer nur allzu gern aufnimmt - und natürlich beschäftigt.

    Über viele Jahre, sogar Jahrzehnte, hat die deutsche Politik hilf- wie ratlos versucht, diesem Trend entgegenzuwirken. Halbherzige Programme und Progrämmchen wurden aufgelegt und bei nächster Gelegenheit direkt wieder dem nächsten Sparvorhaben geopfert.

    Dabei ist hier ein sehr eindeutiger Trend vorhanden, der zumindest mittel-, in jedem Fall aber langfristig einige hausgemachte Probleme Deutschlands lösen könnte.
    Der Inhalt der deutschen Hose ist vertrocknet; der Geburtenrückgang ist längst in Szene gesetzt und tut sein Übriges an der Verelendung ganzer Landstriche. Der "Biodeutsche" stirbt mit ansteigender Geschwindigkeit aus - was jetzt kein Umstand wäre, der mich traurig machen könnte, eher ist das Gegenteil der Fall.
    Das Land aber erfährt aber durch den neu erstarkten Rechtsruck einen empfindlichen Karriereknick in seiner Geschichte. Und da hört der Spaß auf.

    Fremdenfeindlichkeit: 2010 hatten fremdenfeindliche Straftaten seit Beginn des Erfassungssystems 2001 den bislang niedrigsten Stand erreicht. 2011 stieg die Zahl allerdings um 16,7 Prozent und 2012 um 15,6 Prozent an. 2013 gab es noch einmal einen Anstieg um 11,2 Prozent auf insgesamt 3248 Straftaten.

    Allen bunten, warmen und ach so wohlgemeinten Worten zum Trotz wehrt sich Deutschland insgesamt gegen Migranten und schreckt immer weniger davor zurück, seiner Ablehnung auch gewaltsam Ausdruck zu verleihen.
    Die Politik macht das Spiel nicht nur mit, sie hat es nach meiner Meinung sogar selber begonnen: es regiert sich wesentlich leichter, wenn man seinem Volk ein veritables Feindbild gibt oder belässt, welches es für sein erlittenes Unbill verantwortlich machen kann. Die Strategie beispielsweise ist am tagesaktuellen "Köln-Hooligan"-Spektakel wunderbar und scharf umrissen zu erkennen. Die Gewalt und Schreierei gegen Migranten und Muslime wird seitens der Politik beredt beschwiegen.
    Damit wird erreicht, dass der Gegenstand des Hasses dieser besoffenen Hooligans gar nicht kritisiert wird und überhaupt kein Inhalt irgendeiner Diskussion wird.

    Es wäre interessant zu beobachten was wohl geschähe, wenn sich das gleiche Ereignis gegen Juden gerichtet hätte.

    Bei dieser Bundespolitik kann natürlich auch folgendes Ergebnis der von Aydan Özoguz ("S"PD; sie stellte den neuesten, den 10. Migrantenbericht vor) unterbreiteten Erkenntnis der Untersuchung nicht mehr verwundern:

    Armut: Migranten haben in Deutschland ein doppelt so hohes Armutsrisiko wie Menschen ohne Migrationshintergrund. Selbst ein hoher Bildungsstand hatte darauf kaum Auswirkungen. Auch in der Gruppe der Einwanderer mit Abitur ist das Risiko für Armut hoch.

    Wohl seit den ersten Tagen der Machtübernahme durch Adolf Hitler bis einschließlich heute hat sich an dem Umstand, dass die Ethnie und die Religion in Deutschland Wert und Leben von Menschen ausschlaggebend bestimmen, gar nichts verändert. Im Grunde muss konstatiert werden, dass große Teile des Zusammenlebens und der Politik Deutschlands nach wie vor nationalsozialistischen, ethischen Grundsätzen folgen - denn sonst wäre eine derartige Entwicklung unmöglich.
    Es existiert kein einziges, nicht an den Haaren herbeigezogenes oder erdachtes Szenario, welches andere Schlüsse zuließe oder wenigstens diskutabel erscheinen ließe.

    Schaut man von oben auf Deutschland herunter, wirken diese Daten unzweifelhaft rechtsradikal und faschistisch - denn wie wäre sonst zu erklären, dass gleich gut oder gar besser Ausgebildete ein doppelt hohes Armutsrisiko aufweisen?
    Da die Zahlen auch noch dazu einen klar aufwärts weisenden Trend aufweisen, kann die Prognose für die Zukunft nur wahrhaft erschreckend aussehen.

    Eine winzige Chance, ein ganz kleiner Silberstreif am Horizont für Deutschland liegt jedoch unzweifelhaft in der schieren Masse:

    Asyl: Die Zahl der Asylanträge in Deutschland stieg in den untersuchten Jahren kontinuierlich an. 2012 waren es demnach 77.651 Anträge, 2013 dann 127.023 und in den ersten fünf Monaten 2014 bereits 62.602.

    Für Deutschland wäre zu wünschen, dass sich dieser Trend nicht nur manifestiert, sondern möglichst noch dramatisch ausbaut; eine Zukunftschance für dies Land liegt im "schleichenden Austausch" seiner Bevölkerung. Wir brauchen weitaus mehr und schneller Zuwanderung aus möglichst allen Teilen der Welt - nur so ließe sich Rechtsradikalität auf Sicht ersticken und Platz machen für eine ernstzunehmende "Willkommenskultur".
    Dafür bräuchten wir im optimalen Falle einen muslimischen Schwarzen als Bundeskanzler - und das meine ich weder ironisch noch sonstwie lustig, sondern ernst.

    Wir brauchen große Mengen Einwanderung. Arbeitgeber müssen gegenwärtigen, dass sie ohne einen anständigen Migrantenanteil in ihrer Arbeitnehmerschaft Probleme in ihrem Geschäft haben werden - etwa weil beispielsweise ihre Kunden über einen "ethnisch gesäuberten" Lieferanten die Nase rümpfen und lieber woanders bestellen.
    Aus dem gefühlten "Überfremdungsproblem" an Schulen etwa muss umgekehrt ein Problem bei zu niedrigem Ausländeranteil werden, weil Eltern etwa für ihre Kinder ein möglichst frühes Orientieren in anderen Kulturkreisen für wünschens- und erstrebenswert halten.
    Das alles wäre selbstverständlich leistbar - wenn nur der politische Wille da wäre.

    Den aber gibt es nicht.
    Die Bundesregierung setzt noch immer auf die Isolationshaft von Migranten und Flüchtlingen; sie werden zu hunderten in untauglichen Unterkünften zusammengepfercht und gegen jeden Verstand (!) erhalten sie noch nicht einmal Sprachunterricht. So bereitet man keine künftigen Bürger Deutschlands auf das Leben hier vor - so traumatisiert man sie, und genau das scheint mir die beabsichtigte Botschaft Berlins an die Welt zu sein:

    "Berichtet bloß Euren Angehörigen zuhause, wie dreckig es Euch hier ergeht und wie wir Euch geringschätzen, auf der Straße zusammenschlagen und arm halten - vielleicht kommen die ja dann nicht auch noch!"

    Aber diese Rechnung wird nicht aufgehen; der Flüchtlingsdruck wird durch die Krisen, die auch Deutschland maßgeblich und absichtsvoll mit ausgelöst hat, noch weiter ansteigen. Es werden noch viele hunderttausend zu uns kommen und sehr viele von ihnen werden dankenswerterweise auch bleiben.
    Wenn der negative Trend etwas langsamer vonstatten gehen sollte als dieser positive hier, dann werden unsere Städte hoffentlich bald überflutet von Menschen aus aller Herren Länder.
    Und es können nur noch sie sein, nur noch auf ihnen liegt meine schmale Hoffnung, dass sie selbst und durch ihre Kinder eines Tages aus Deutschland ein offenes, erfolgreiches und freundliches Land mit Zukunft machen.

  • Deutschland - Kuschelkasernen für Verwöhnte

    Unsere Bundeskriegsministerin möchte ihre Weiblichkeit offenbar nicht nur durch die Anzahl körpereigener Kinder, sondern auch ganz politisch und praktisch umsetzen.

    Ich sehe sie förmlich an ihrem ministerialen Schreibtisch, umgeben von Akten und Papierbergen, schellenden Telefonen und einem gehörigen Knäuel Garn auf dem Schoß, aus welchem sie stillvergnügt Spitzendeckchen für ihren Schreibtisch klöppelt.
    Längst ist der Kaffee einem lauwarmen Ringelblumentee gewichen, das Vorzimmer ist eine Krabbelstube für die Allerkleinsten und im Wartezimmer liegen reichlich Mode- und Frauenmagazine aus.

    Wie könnte es da anders sein, als dass sie sich nun um Strickhäubchen für die bösen Raketen bekümmert, denn die Bundeswehr soll ja ein Hort der Schönheit, des Wohlfühlens, der allgemeinen Freude und vor allem des höchstgerüsteten Friedens sein. Was spielt es da schon für eine Rolle, dass die hässlichen Eurofighter zu kaputt zum fliegen sind - die Dinger stehen ja sowieso in ihren Hangars und die werden demnächst pink gestrichen.
    Mit großen Blumenmotiven drauf.

    Vor meinem inneren Auge hüpfen junge Rekruten nackt und jauchzend über die Kasernenwiesen und spielen mit Soldatinnen (auch nackt natürlich) "Hasch mich, ich bin der Frühling!", der Koch bröselt noch ein wenig mehr Hasch in den Joghurt für den Nachtisch und in der Waffenkammer wird ein fröhliches Quiz (Donnerstags immer Bingo) abgehalten.

    Heißa! So macht man Krieg!
    Denn der neue Trick von der Leyens besteht aus einem beinahe zu verbietenden, weil äußerst miesen Programm der Kriegsführung: Überwältigung des Gegners durch Lachanfälle.

    Das Kriegsministerium hat daher, und das verstehe ich erst jetzt!, überhaupt keine Sorge um die zu Schrott zerfallenen Schießgerümpelmengen in den Kasernen - denn auf Feuerkraft kommt es überhaupt nicht mehr an! Unsere Soldaten werden rundumbespaßt, kampfunfähig und voller Humor auf die feindlichen Reihen zulaufen - und der Gegner wird sich in Lachkrämpfen am Boden winden, wenn er diese Gurkentruppe auf sich zumarschieren sieht. Da wird kein einziger Schuss fallen!

    Unsere Bundeswehr wird nie eine Schneise der Zerstörung hinter sich her ziehen, sondern eine, in der fröhliche Karussells, Kaffeebuden, Kindergärten und hübsch bepflanzte Parks wachsen und gedeihen.
    Das zentrale Interesse unserer Soldaten wird nie wieder aus "Kaliber", "Feuerkraft" und "Einsatzgeschwindigkeit", sondern aus "Früchtetee 'Südseetraum'", "Pampers in Camouflage-Optik" und "Cocktails für Helden" bestehen. Vermutlich bilden sich Soldatenräte, die während der Verhandlungen um das korrekte Blümchenmuster für die offizielle Bundeswehrunterwäsche schon mal mit Streik drohen.

    Als ich mich vor einigen Jahrzehnten dazu entschlossen hatte, den Kriegsdienst zu verweigern, stand ich noch unter dem Eindruck und hegte den vagen Verdacht, dass sich die Bundeswehr möglicherweise eines Tages einmal ganz ernsthaft mit der Absicht tragen könnte, ihre schöne Ausrüstung durch Einsätze in einem Ernstfall kaputt oder, beinahe noch schlimmer, ihre Kleidung dreckig zu machen.

    Heute geht das gar nicht mehr. Auch im Falle Kunduz, als auf deutschen Befehl Bomben auf Zivilisten geworfen worden sind, die aus dem umgekippten Tankfahrzeug Benzin mitnehmen wollten, gab es zu keinem Zeitpunkt die Gefahr, dass auch nur einem deutschen Soldaten die Bügelfalte aus der Jacke hätte rutschen können - der damalige Oberst und heutige General Klein bat die USA um das tödliche Feuer.
    Wir können heute nun einschätzen, dass allein dieser Schutz deutscher Soldatenmode ausreichte, um aus dem Oberst einen General zu machen.
    Ein persönliches Vorrücken deutscher Soldaten, das damals aufgrund der geringen Entfernung zur Überprüfung der Situation am Tankzug möglich gewesen wäre hätte ja auch von den Einsatzkräften verlangt, statt Rouge zu benutzen Tarnfarbe ins Gesicht zu schmieren - wie unästethisch! 88|

    Heute bin ich dahingehend beruhigt - es dürfte kaum einen zehnköpfigen Stamm in irgendeinem Urwald geben, der unsere Bundeswehr nicht nur als "Feind", sondern gar als "gefährlich" einstufen könnte.
    Wie auch.
    Wir lernen, dass die Hälfte des Schießgerümpels zu Schrott zerfallen in Hangars oder sonstwo herumsteht. Und das, was einsatzfähig (geblieben) ist, hat kein Personal, weil die Bewerbungen ausbleiben. Selbst das Standardgewehr des allgemeinen Infanteristen steht im Verdacht, zu ungenau im Schuss zu sein. Bravo! Das verringert die Gefahr bedeutend, dass sich jemand (egal, ob deutscher Soldat oder Feind) damit wehtun könnte.
    Das ist gut so.
    Und beinahe noch wichtiger ist das Signal an die Welt, dass Deutschland nur nominell über eine "moderne Armee" verfügt, welche nur auf Flyern und in Filmen zuversichtlich, grimmig, gesund, gut ausgestattet und vor allem fähig in die Kameras blinzelt. In Wahrheit haben wir eben eine Ansammlung von Menschen, die im wirklichen Leben nichts werden, nichts geworden sind und innerhalb der Bundeswehr kaum Gelegenheit bekommen dürften, außer ihrem eigenen Leben sonst jemandem gefährlich werden zu können.

  • Deutschland - Ein Hallali auf die Jagd auf Muslime

    Bei allen fragwürdigen Vorgängen um die Krawalle von Köln bleibt eine Petitesse irgendwie völlig unbeachtet: noch nirgendwo habe ich ein halbes Wörtchen des Bedauerns dafür vernommen, dass sich diese sehr große Masse von Deutschen direkt nicht nur gegen Salafisten, sondern gegen Muslime allgemein gerichtet hat.

    "Hau ab, scheiß Moslem!"

    Das war wohl nur ein vereinzelter, hasserfüllter Schrei aus einer ganzen Brandung dieser Denkart aus dieser "Demonstration", die den rasenden Rollkommandos der frühen Nationalsozialisten ähnlicher war als einer modernen Kundgebung.

    Das Gehampele im Nachhinein bringt international nicht nur völlig zu Recht ein fragwürdiges Echo in Verbindung mit beißender Kritik, es fördert leider auch darüberhinaus Erschreckendes zutage.
    Da sagt heute morgen ein Wolfgang Bosbach von der "C"DU, man habe sehr wohl im Vorfeld in allen erdenklichen Netzwerken ein "Rauschen" vernommen und registriert, wieviele und welche Personen und Organisationen da Verabredungen getroffen hatten. Da mag sich ein Ralf Jäger noch so winden, herauszureden versuchen und seine Aktionen schönreden - das Stigma der totalen Unfähigkeit wird an ihm haften bleiben.
    Er entblödet sich nicht, die Wahrheit sogar zur Gänze zu verdrehen und die Geschichte umzuschreiben. Seit vielen Jahren schon registrieren die Kriminalbehörden, so richtig "offiziell", dass die Fußballszene gezielt von Rechtsradikalen unterwandert und ausgenutzt wird und es reicht die Sichtung einiger Fotos aus Stadien, um deren Präsenz neben oder gar in Fußballclubs unzweifelhaft und mannstark auszumachen.

    Da erregt sich die Republik nun beinah jahrelang über den Umgang der Bundesregierung mit Edward Snowden; kaum ein Monat, in welchem nicht über alles bereits Vorliegende hinaus wiederum neue Informationen an die Bürger durchgesteuert werden. Man muss den Eindruck gewinnen, dass unseren "Sicherheits"-Behörden die Farbe unserer Unterwäsche längst bekannt ist. Beinahe erwartet man eine SMS aus dem BKA, wann diese gewechselt werden müsse.
    Und trotzdem will Jäger mit seiner Polizei vollkommen ahnungslos in das im Vorfeld sattsam vorbereitete, riesige Gewaltszenerie hereingestolpert sein. Wie blöd eigentlich müsste man sein, das zu glauben? :crazy:

    Da diskutiert das ganze Land über die Polizei, über die angewandte Gewalt auf beiden Seiten - aber niemandem fällt ein oder auf, dass sich das Heer dieser Verblödeten direkt gegen Muslime richtet.
    Gegen alle Muslime.

    Aber all das passt hervorragend in das längst komplettierte Bild:
    Über quälend lange Jahre fälschten und logen die mit dem NSU befassten Kriminalbehörden, um den Verfolgungsdruck gegen die Angehörigen der Opfer selbst zu maximieren und alle anderen Hinweise auf andere Täterschaften mit nachhaltiger Gewalt und einiger dreckiger Tricks nicht nur aufrechtzuerhalten, sondern auch gezielt versanden zu lassen. Zeugen aus den Diensten fielen plötzlicher Amnesie zum Opfer, andere Aussagen drehen sich um 180 Grad, riesige Aktenberge verschwinden entweder, wurden hastig vernichtet oder derart massiv geschwärzt, dass ihre Aussage- bzw. Beweiskraft gegen Null sinkt.
    Was für eine jämmerliche und entwürdigende Veranstaltung war das, bis man seitens der Bundesregierung endlich einmal eine Gedenkstunde für die Opfer des Terrors abgehalten hatte, die ausschließlich nur durch die absichtsvolle und zielgerichtete Ignoranz der Kriminalbehörden sterben mussten. Denn ohne diese selbstgewählte, verbissene Blindheit auf diesem Auge hätten die Täter um Jahre früher gestellt werden können.

    Aber es sind ja nur Muslime ....

    Eben genau die Muslime, denen man nur zu Wahlzeiten demonstrativ für die Kameras Aufmerksamkeit und Besuche schenkt (was mich schon immer angewidert hat), denn immer dann erinnert man sich plötzlich daran, dass diese wahrhaft ungeliebten Steuerzahler eben auch Wähler sind. Wie unangenehm. >:-[

    Die Hassrufe der Verblödeten von Köln verhallen unwidersprochen - es findet sich kein einziger Politiker oder irgendeine Persönlichkeit aus der Öffentlichkeit, die sich diesem Hass wenigstens verbal entgegenstellen würden.
    Man findet zwar "Grüne" immer wieder mal bei Demonstrationen, von denen sie sich publicity und gute PR versprechen. Sie fahren in ihren Limousinen vor, setzen sich auf die Straße, lassen sich fotogen und im Blitzlichtgewitter von dort wegtragen, steigen in ihre Limousinen und freuen sich auf das Bild des "Rebellen", welches ihnen mit ihrem eigenen Antlitz aus der nächsten Tageszeitung entgegenlächelt.

    Aber die Muslime, die vergessen wir mal jetzt. Wir denken über verschärfte Gesetze nach und zählen die Verhafteten und Verwundeten, das Ziel dieser eskalierenden Gewaltexzesse aber - das vergisst das ganze Land. Niemand spricht darüber, dass die Juden von damals die Muslime von heute sind und vermutlich schwingt für die meisten unausgesprochen dieser Satz in dieser ganzen "Köln-Diskussion" mit: "So richtig hats ja nicht den Falschen getroffen." und im Stillen freuen sich so manche doch über den Vorfall.

  • Deutschland - Dein Sonnenuntergang ist braun, nicht rot.

    Das Heulen und Zähneknirschen wegen der absehbaren Katastrophe von Köln dröhnt durch die Presse und in den Ohren - aber es ist eine ebenso jammervolle wie jämmerliche Kakophonie.

    Ralf Jäger, kein geringerer als unser Landesinnenminister, nimmt in Interviews die Vokabel "neu" in Verbindung mit der jetzt plötzlich entdeckten Schlagkraft der rechtsgerichteten Behinderten in den Mund, der ihm dafür mit Seife ausgewaschen gehört.

    Was ist ein Innenminister eigentlich wert, der sich in seinem Büro vielleicht mit einer Micky-Maus-Sammlung beschäftigt und Lego spielt, seine Amtsgeschäfte aber offenbar als "laaaangweilig" betrachtet?
    Denn anders kann es sich nicht verhalten.

    Es kann keinen Landes- oder gar Bundesinnenminister geben, der die potenzielle Kraft der rechtsradikalen Strömung und deren in den letzten Jahren wiederholt unter Beweis gestellten Findungsreichtum nicht kennt.
    Es dürfte keinen einzigen Bundesbürger mehr geben, der mit den Buchstaben "NSU" noch immer eine Automarke assoziiert, die vor Jahrzehnten zugrundegegangen ist. Mit Ausnahme des NRW-Innenministers vielleicht.

    Spätestens mit den Umtrieben um die berühmt-berüchtigte "Wehrsportgruppe Hoffmann" war allen Bundesbürgern, allen Sicherheitsbehörden vollkommen klar, dass es in Deutschland eine nur wenig illustre, dafür aber hervorragend bewaffnete und aufgehetzte, rechtsradikale Szene im Lande gibt.
    Ich erinnere mich sogar sehr gut an ein Interview mit dem Fürsten von Luxemburg zum Ende der siebziger Jahre (!), in welchem er explizit Deutschland eindringlich wie eindrücklich vor der braunen Gefahr warnt und damals bereits anmerkte, dass er sähe, dass beinah alle Politiker Deutschlands offenbar glaubten, alles im Griff zu haben.

    Man wüsste nicht, was einem NRW-Innenminister als erstes ins Hausaufgabenheft geschrieben werden müsste, wenn es offensichtlich nicht sowieso vollkommen sinnlos wäre, dies unternehmen zu wollen. :(

    Ich frage mich nur noch, ob Jäger seine Wähler und NRW-Bürger einfach nur mithilfe einer schlecht ausgedachten Verarsche verunsichern will oder wohin diese dumme Auslassungen zeigen sollen. Es ist schlechterdings unmöglich, sein Versagen irgendwie kaschieren zu wollen.

    Möglicherweise hat man seitens aller Landesminister einfach nur die Wirkung der Strategie unterschätzt, mit welcher gezielt die Randgruppe der Salafisten ins Fadenkreuz radikaler Kräfte gerückt werden sollte. Bisher fand ich noch kein einziges Wort zu der Tatsache, dass Salafismus seine Anhänger nicht per definition, sozusagen "automatisch" zu Radikalen erklärt und keiner aus dieser Versammlung hätte jemals ausgeführt, dass der überwiegende Teil selbst der Salafisten (!) ruhig, friedlich, moderat, tolerant und leise vor sich hin lebt und nur der verschwindend geringste Teil von ihnen in mancher Hinsicht bedenklich denkt und lebt.

    Diese m.E. recht absichtsvoll und zielgerichtet in Szene gesetzte Strategie sollte wohl die Türken wegen der europapolitischen Richtung der Bundesregierung aus dem Fokus nehmen und gegen Antisemitismus ließ man den Bundespräsidenten Gauck auftreten - für die Muslime aber interessiert sich niemand. Hier lässt man selbst prominente Politiker wie Sarrazin laut von "Verblödungsgenen" bei Muslimen schwadronieren und schweigt verbissen dazu so laut, dass es in den Ohren dröhnt.

    Man möchte noch immer ein Spielchen mit den Rechtsradikalen machen; wie durch den NSU-Untersuchungsausschuss bekannt wurde, hat man seitens der Kriminalbehörden und offenbar mit Wissen und Willen der Bundesregierung ungeheure Summen an Steuergeldern in den rechtsradikalen Apparat gepumpt - oder besser: an viele Einzelpersonen, damit diese sich endlich ordentlich und "heimlich" organisieren konnten. Einige dieser Nazis prahlten damit, dass ihnen die Gründung radikaler Untergrundorganisationen erst durch "hunderttausende" an DM und Euros vom Staat ermöglicht worden sei. Man übergab seitens der Bundesbehörden sogar Waffen, Sprengstoffe und vertrauliche Informationen.

    Und heute geht ein Ralf Jäger hin und krakeelt, diese Form des Gewaltausbruchs seitens der rechtsradikalen Szene sei (ihm) "neu"!
    Der Mann müsste demissionieren, selbst wenn es sich tatsächlich so verhielte! Denn dann taugt keine seiner Kriminalbehörden und kein Dienst etwas. Eine derart massive Veranstaltung kann sich unmöglich im unerkannten Nichts vorbereitet, bewaffnet, verabredet und dann zugeschlagen haben.

  • Ägypten - wieder ein Urlaubsland?

    In den zurückliegenden Monaten bin ich Zug um Zug ein wenig nervöser geworden. Allzu viele Menschen haben mich nach meiner Einschätzung der Lage am Nil in Verbindung mit der üblichen Frage, ob man denn dort wieder halbwegs beruhigt Urlaub machen könnte, intensiv befragt.

    Ich muss dem Umstand, dass sich (natürlich) längst nicht jeder Reisewillige intensiv in Recherchen hineinbegibt und eher dazu verführt ist, allgemein-offiziellen Reden und Behauptungen zu folgen dabei beachten. Letztlich halte ich es damit auch für meine Aufgabe, möglichst vielen Interessierten meine Informationen zukommen zu lassen.

    Vorweg: ich werde selbst im nächsten Jahr weder allein noch mit meiner Frau nach Ägypten reisen.

    Zu meiner persönlichen Einschätzung der Lage, zu meiner Begründung:

    In den zurückliegenden Wochen detonierten in Kairo und am Sinai eine ganze Anzahl Sprengsätze mit vielen Dutzend Toten.
    Die Verantwortung hierfür wird von einer Terrororganisation namens Ansar Bayt al-Maqsis übernommen, die sich selbst in der Nachfolge von al-Qaida sieht und eine Kooperation mit dem "IS" anstrebt.

    Die Lage insgesamt ist mehr als unübersichtlich; die gezielte Desinformationspolitik des ägyptischen Innenministeriums, welches Bekenntnisse zu diesen Anschlägen zuweilen vollständig ignoriert und stereotyp die Muslimbruderschaft beschuldigt, trägt zur Verunsicherung bei und drängt Ansar Bayt al-Maqsis förmlich dazu, weitere und noch blutigere Anschläge zu verüben.
    Der letzte Anschlag auf dem Sinai, der aus einem Maschinengewehrüberfall und einer Atuobombe bestand, forderte allein gut 30 Tote und mehrere Dutzend Verletzte und gilt als das schwerste Attentat bisher.

    In loser Folge explodierten augenblicklich (noch) vor allem in Kairo Spreng- und Brandsätze, erst vor wenigen Stunden (!) ging das Auto des saudischen Diplomaten in Flammen auf. Es ist momentan beinahe unmöglich festzustellen, welche Menschen, welche Organisationen in Ägypten den Griff zur Waffe und zur Bombe für sich als letztes Mittel des Protestes erkannt haben. Es kann sich um die in Äypten in den letzten Jahren zahlreicher gewordenen Salafisten handeln, die, obschon sie den Putsch im letzten Jahr anfangs unterstützt hatten, zwischenzeitlich selber zum unappetitlichen Mitglied des öffentlichen Lebens erklärt und verfolgt werden.
    Es können Kräfte aus der neuen Allianz politischer Strömungen sein, die als Kritiker des Regimes selbst in den Fokus der "Sicherheits"-Kräfte Ägyptens geraten.

    Führende Köpfe zahlreicher, politischer Parteien befinden sich bereits in den berüchtigten, politischen Gefängnissen Ägyptens und haben Todesurteile oder zumindest jahrzehntelange Haftstrafen zu befürchten.

    Mir scheint ein bedeutsamer Anschlag auf Touristenzentren letztlich nur noch eine Frage der Zeit zu sein; es bedarf einer nur noch sehr geringen, weiter ansteigenden Radikalisierung um den Akteuren den allgemeinwirtschaftlichen Preis, den Ägypten für das Aussetzen von Tourismus zu bezahlen hätte, attraktiv erscheinen zu lassen. Zudem bieten westliche Opfer eine ungeheure, weltweit sehr stark beachtete Wirkung.

    Hotelanlagen in den bekannten Ferienzentren wie Hurghada, Scharm el-Sheikh usw. sind nach meiner persönlichen Einschätzung schon längst Teil einer einschlägigen Anschlagsplanung; man hat vor einigen Monaten dort bereits "gute" Erfahrung damit gemacht, (Transfer-) Busse mit Maschinengewehrfeuer einzudecken, was bereits etlichen Franzosen das Leben gekostet hatte. Wer die Konzeption der Anlagen kennt weiß auch, dass ein Attentat vermittels eines mit Sprengstoff vollgestopften Autos, welches Absperrungen durchbricht und in der Empfangshalle zur Detonation gebracht wird, Erfolg verspräche. Sicherheit von den überall vorhandenen Streitkräften und Polizeieinheiten würde ich keineswegs erwarten; sehr viele von ihnen tragen zwar Kalashnikovs, aber ohne jede Munition und sie zählen eher zum Unterdrückungsapparat, als dass sie Sicherheit aufrecht erhalten könnten.

    Eine abgefeuerte Kugel fragt ihr Opfer nicht, wie es zu Ägypten und seinen Menschen steht und eine Bombe tut dies ebenfalls nicht.

    Spaziergänge durch das Land (wie ich sie so sehr liebe), weit entfernt aller touristischen Anlagen dürften heute gefährlich geworden sein. Emissäre des "IS" sind auf jeden Fall auch in Ägypten tätig und kaufen bekanntlich sehr gern westliche Entführungsopfer ein.
    Ägyptische Politik braucht augenblicklich den Terror und würde sich dem zumindest jetzt auf keinen Fall tatsächlich entgegenstellen. Denn nur durch detonierende Bomben kann ein Angstszenario aufgebaut und aufrecht erhalten werden, welches politische Säuberungen und eine nachhaltige Gleichschaltung des Volkes erlaubt. In den zurückliegenden Monaten hatte man die Verhaftungen von Journalisten und deren Beschuldigung mit tatsächlich vollkommen abstrusen Anschuldigungen nicht nur aufrechterhalten, sondern noch ausgebaut. Mittlerweile gelten dutzende Journalisten als erschossen, gefoltert und verhaftet.

    Da es augenblicklich sehr leicht ist, in den Fokus der "Sicherheits"-Kräfte zu geraten, ihnen zum Opfer zu fallen und da gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit, mittel- oder unmittelbar Zeuge oder gar Opfer eines Anschlages zu werden halte ich es derzeit zumindest für mich selbst für nicht vertretbar, das Land zu bereisen.

    Jeder mag dies für sich selbst entscheiden - es ist allerdings auch abseits aller Terrorgefahr eine Frage der persönlichen Einstellung, ob man derzeit in Ägypten rasende Terrorregime, welches der Blutsäufer al-Sisi errichtet hat, durch sein hart erarbeitetes Urlaubsgeld auch noch unterstützen will.

  • Deutschland - die Chance ist wohl endgültig vertan.

    Zugegeben: mich zu dieser Erkenntnis durchzuringen bedurfte zahlloser zerquetschter Träume, Wünsche, die an der bundesdeutschen Realität zerschellten.

    Nach den erheblichen, politischen Bodengewinnen der ultrarechten Szene in Deutschland aber werde ich wohl der Wirklichkeit ins Auge zu sehen haben.

    Die Zeit, in der ich mir noch erfolgreich einreden konnte, es handele sich bei den braunen Spinnern nur um ein paar, letztlich isolierte, Auswürfe unserer Gesellschaft und jede humanistisch geprägte Demokratie müsse sowas ertragen, ist endgültig vorbei. Dazu gibt es mittlerweile viel zu viele Erfahrungen, die auf eine besondere Breite und vor allem gesellschaftliche Tiefe der Rechtsradikalen hinweisen.

    Die vollständig verlorenen Idioten, die sich mit der Geschwindigkeit eines Flächenbrandes multiplizierten, finden sich vor allem in den "Neuen Fünf Ländern". Nirgendwo findet sich derart viel irrationaler Hass, nirgendwo bricht sich dieser mit derart brutaler Gewalt Bahn wie ausgerechnet dort.

    (Ich zitiere im Folgenden aus: http://www.netz-gegen-nazis.de)

    Wenn die Flüchtlinge in Mecklenburg-Vorpommern untergebracht werden, kommt zu all dem Elend allerdings außerdem der rassistische Hass. Es ist ein rassistischer Hass, wie er kaum vorstellbar ist für ein sich demokratisch nennendes Land, und er wird umso schlimmer, je dunkler die Hautfarbe des Flüchtlings ist.

    Für jeden Deutschen ist angesichts dieser Zeilen Fremdschämen angesagt; ein starkes wie beinah übelkeitserregendes Gefühl muss sich jedem einstellen, für den dieses Deutschland mehr ist als nur ein Schriftzug in einem Atlas. Da ich damit nicht gemeint, durch meine Konversion selbst aber Ziel für irrationalen Hass (geworden) bin und schon seit Jahrzehnten kein "Heimatgefühl" mehr kenne, bleibt mir nur, mich für meine politischen Träume von damals zu schämen.
    Sie sind allesamt in Rauch aufgegangen.
    Als aufmerksamer Schüler habe ich die Grundsätze dieses Landes in der Schule gelernt; ich habe mich auf zahllosen Veranstaltungen, Parteiinformationsabenden und Versammlungen herumgetrieben und fand den Ansatz der damals noch jungen Bundesrepublik gut. So gut, dass ich ihn für beispielgebend hielt.

    Was hatte Deutschland damals nicht alles auf der Agenda!
    An wievielen hohen und hehren Zielen wurde damals nicht gearbeitet! Welche Ansprüche sind damals nicht an die Gesellschaft gerichtet worden!

    Und nun das.
    Aziz, eine Syrerin, die mit ihren zwei Söhnen den Weg aus dem syrischen Irrsinn zu uns fand:

    „Da sind die Nazis. Sie beschimpfen uns, sie spucken auf uns, sie schreien. Hier im Haus beschützt uns wenigstens der Sicherheitsdienst.“ Und wie läuft es in der Schule? Aziz lächelt: „Alles gut“. Ihr Sohn, der schon recht gut Deutsch versteht und spricht, schaltet sich ein: „Ich bin blond genug, dass ich keine Probleme habe.“ Wie oft muss ein Siebenjähriger das schon gehört haben, dass er auf so eine Idee kommt?

    Die alte Nazi-Denunziationsmode, der ekelerregende Rassismus finden neue Wege tief hinein in diese Gesellschaft, die so fulminant versagt hat, weil sie sich entsetzlich wehrlos dagegen zeigt:

    Mecklenburg-Vorpommern hat eine verhältnismäßig große und gewalttätige Nazi-Szene, die das Flüchtlings-Thema nutzt, um über rassistische Stimmungen ihren Einfluss in der Gesellschaft zu sichern. Flüchtlings-Helfer berichten, dass die NPD in Schulen Anweisungen herausgibt, sich nicht mit jugendlichen Flüchtlingen anzufreunden oder gar Geschenke auszutauschen. Viele Jugendliche sind schon dadurch so eingeschüchtert, dass sie Ärger für ihre eigene Person befürchten und sich strikt daran halten.

    Wer das liest, kann, darf und muss den Mut sinken lassen. :(
    Es scheint vorbei zu sein - das "Experiment Deutschland" ist jämmerlich gescheitert, wir können den Laden zumachen.

    Ich erinnere mich an die "Kriegsfibel" von Bertold Brecht - und angesichts des letzten Blattes, welches ein Foto von Adolf Hitler zeigt und unter dem steht:

    "Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch."

    ... weiß ich folgende Zeilen aus dem zitierten Artikel wohl ganz richtig einzuordnen:

    Schlimmer noch trifft die Flüchtlinge allerdings der Rassismus der Mehrheitsgesellschaft, der ihnen alltäglich entgegenschlägt. „Wenn wir das Heim hier in Güstrow verlassen, zeigen uns die Menschen auf der Straße den Mittelfinger, sie schreien und rempeln uns an“, erzählt Abdoulaye aus Mauretanien. Wie oft passiert das? „Jeden Tag. Immer.“

    Es sind aber nicht die Alten, die Verkalkten, die Aussterbenden - sondern nur allzu häufig mittlerweile auch die ganz jungen, die den nie abgetöteten Hass weiter auszubrüten haben und ihn zu ganz neuen Blüten führen:

    Und dann treffe ich im Flüchtlingsheim in Ludwigslust ein kleines Mädchen, das im Hof Fahrrad fährt und lacht. Gehst Du hier zur Schule? „Ja“, sagt sie. Und, wie ist es da? „Sehr gut. Ich lerne viel.“ Und wie geht es mit den Mitschüler_innen? „Meine Klassenkameraden sind sehr nett. Aber leider gibt es die Hofpause. Dann laufen die anderen Kinder um uns herum und rufen ‚Ausländer, Ausländer, wir spielen nicht mit Euch‘.“ Das ist ja gemein. Was machen denn dann Eure Lehrer_innen? „Sie sind dann nicht da. Sie machen gar nichts.“ Sie setzt sich auf das Fahrrad und fährt weiter.

    Sie sind nicht da .... die LehrerInnen. Nicht da.
    Aber wo sind sie?
    Sind sie vielleicht da, wo Millionen von Deutschen waren, als es mit industriellen Tötungsmethoden gegen die ging, die vermutet "anders" waren? Nämlich im Nichts? In der verzweifelt selbst errichteten Ahnungslosigkeit, die am Ende des Tages auch nicht vor dem Horror der Straße schützt?
    Wenn man sie eines Tages einmal fragt, diese LehrerInnen, die nicht da sind, wo sie denn wohl gewesen sind, als die ersten Scheiterhaufen errichtet worden sind - was sagen sie denn da?

    Das gleiche vielleicht, wie Millionen von Deutschen vor ihnen?
    Und was war das für eine himmelsschreiende Zirkusnummer, als diese vormaligen LehrerInnen auf Befehl der Alliierten damals zwangsweise durch "unaufgeräumte" Konzentrationsläge geführt worden sind? Was haben sie sich damals schreiend, heulend und kreischend die Hände vors Gesicht geschlagen - wo sie doch ebenfalls einfach nur "nicht da" gewesen sind und angeblich von nichts gewusst haben wollten. Sie haben selbst dann nichts geahnt haben wollen, als die dunkelschwarzen, furchtbar stinkenden Rauchwolken aus den Verbrennungsöfen über ihre Städte gezogen sind und zehntausende vor allen Augen in die Läger einfuhren, aber keiner mehr je dort herauskam.

    Nein - dieses Land hat seine Chance verpasst und freiwillig, ohne jeden Zwang, ohne Not, ohne Druck den Weg des dummen wie dumpfen Hasses und der Dummheit gewählt.
    Ich lebe hier nur noch aus ganz pragmatischen Gründen, die mein Fortgehen nachhaltig verhindern und ich zähle mittlerweile ganz ernsthaft bereits die Monate, bis ich frei genug zum Gehen bin.

    Deutschland - manchmal ekelst Du mich richtig an.

  • "IS" - Nabelschau eines Intellektuellen dazu

    Elias Khoury zählt zu den bedeutenderen, international bekannten, kenntnisreichen Journalisten und Beobachtern im Nahen Osten; wer sich mit den Medien der Region etwas auseinandersetzt, begegnet seinem Namen häufiger.
    Nicht jeder ist sein Freund, denn dazu ist er, obschon er noch immer am Leben ist, viel zu offen und unverblümt. Man sollte auf Khoury hören, denn von seinem Sitz in Beirut aus beobachtet er kenntnisreich und erfahren alles, was in seiner Region so geschieht.

    Es gibt auf Qantara.de einen lesenswerten Essay von ihm, den ich hier in Auszügen zitiere.

    Der IS ist ein Kind des späten Kalten Krieges und zugleich der Beginn eines totalen Krieges gegen die Länder des arabischen Ostens. Er ist die Folge des Zusammenbruchs politischer, moralischer und sozialer Werte in der Region.

    Unerheblich, welcher (Verschwörungs-) Theorie man gerade folgt ist und bleibt wahr, dass ein "IS" ohne die nachhaltigen Destabilsierungen des Westens niemals würde existiert haben können. Der "IS" stößt in ein Vakuum vor und übernimmt Macht und Verantwortung dort, wo kein Staat, keine Regierung mehr existierte. Schon vor Jahren war festzustellen, dass der Islam überall dort, wo alle anderen Strukturen jämmerlich versagten, als funktionierendes Gesellschaftssystem etabliert wurde. Dies gilt nicht nur für geographische Regionen, sondern auch für kopfinterne. Im Herzen von Kairo konnte sich seit nunmehr Jahrhunderten eine Form von "Paralleljustiz" ausbilden und halten, die von islamischen Gelehrten betrieben wurde und bis heute unangefochten, unwidersprochen weiterhin ausübt. In diesem Falle hat das überhaupt nichts mit "Extremismus" in irgendwelcher Form zu tun; die islamische Rechtsprechung z.B. in Ägypten hat einen hervorragenden Ruf und mit Gewalt, Brutalität, Körperstrafen oder Menschenrechtsverletzungen überhaupt nichts zu tun.
    Die irrationale, bizarre Radikalität des "IS" ist der langanhaltenden Gewalt zu verdanken, denen Millionen von Menschen ungeschützt ausgesetzt waren. Sie versammeln sich unter anderem auch mit dem Gefühl, endlich Rache an all den korrupten und verlogenen Politikern zu üben, unter der schwarzen Kriegsflagge des "IS".

    Es ist aber nicht einfach eine amerikanische Verschwörung, wie manche Naiven glauben, und auch keine israelische, wie wir gern behaupten würden, sondern eine arabische. Wir Araber haben uns gegen uns selbst verschworen, und wir sollten uns dies zunächst eingestehen, um uns dann das Recht nehmen zu können, über die Mitverantwortung anderer zu sprechen.

    Das ist fraglos richtig so. Der Westen hat sich die vorherrschenden Verhältnisse lediglich zunutze gemacht und stellenweise sicherlich auch initiiert. Es braucht ja nicht viel, fragile, neue Strukturen nachhaltig zu erschüttern. Ohne den Selbsthass der Stämme Arabiens allerdings wäre das Geschäft für den Westen ganz wesentlich schwieriger.

    Die arabischen Monarchien des verordneten Schweigens, zu denen auch die Erbrepubliken von Syrien über Ägypten, Irak, Libyen bis nach Tunesien und Jemen gehörten beziehungsweise gehören, sind ein Produkt von Parteien, Armeen und Landeseliten, die sich während des Kalten Krieges auf den Trümmern der Freiheit erhoben, die es verstanden, die Niederlage gegen Israel für sich zu nutzen und unter denen Korruption und Konfessionalismus epidemisch wurden.
    Statt die versprochene soziale Gerechtigkeit zu schaffen, zerstörten sie die Mittelschichten, machten die Armen noch ärmer, zerstörten moralische Werte und hinterließen eine jedem Angriff schutzlos ausgesetzte Gesellschaft.

    Hier kommt Khoury zum Punkt und erklärt uns, wie dieses politische, gesellschaftliche Vakuum entstehen konnte. Wie es eigentlich möglich wurde, dass ein allerdings in jeder Beziehung reicher Landstrich zum schmutzigen und hungernden Hinterhof der Welt verkommen konnte. Denn es bleibt eine beunruhigende wie besorgniserregende Entdeckung, dass Länder, die im Grunde genommen wirtschaftlich die Führung der Welt innehaben müssten, sich am genau entgegengesetzten Ende wiederfinden, von Hunger, Kriegen und Schreiereien zerrissen sind.
    Der letzte Satz Khourys zeigt, woher der Extremismus, die brutale Radikalität stammen - sie sind das Werk der Angst, des Gefühls, allein gelassen zu sein, schutzlos, jedem dahergelaufenen Bandenchef hilflos ausgeliefert.

    Die nominellen Monarchien am Golf ihrerseits schufen mit ihren Öleinnahmen ein System der Prostitution, das alle Lebensbereiche erfasste – von der körperlichen Prostitution bis zur politischen, von der Presse über die Kultur bis hin zum Sport. An die Stelle von Sauerstoff trat Gas, das den Verstand vergiftete, und alle verneigten sich vor den Worten von Hand- und Halsabschneidern.

    Und die Strukturen, die überhaupt noch existieren und arbeiten, sind weder Vorbild, noch stünden sie für irgendwelche Werte. Sie vermitteln nur das Bild, dass der Brutalere, der Schnellere, der Gewissenlosere Gewinne und Sicherheit für sich, seine Familie, seinen Stamm erreichen könne. Währenddessen haben sich die Führungen etlicher Golfstaaten eingemauert; sie umgeben sich mit Unmengen höchstmoderner Waffen, riesigen Sicherheitsringen und top-effektiven Durchschnüffelungs- und Unterdrückungsapparaten, die sie sich vom Westen liefern lassen.
    Niemand kritisiert Saudi-Arabien und man müsste sich eigentlich sehr erstaunt fragen, warum das nicht geschieht. Das Land ist eine stahlharte, eiseskalte und brutale Monarchie, die vermittels öffentlicher Hinrichtungen, Folter und Verstümmelungen seit nunmehr Jahrzehnten durch den Wahhabismus ein Schreckensregiment führt. Wir haben uns offenbar in Europa niemals Gedanken darüber gemacht, wie der "kleine Mann" auf saudischen Straßen fühlt, welchem Unrecht er täglich ausgesetzt ist, wie schmerzhaft sein Knebel und seine Fesseln sitzen. Aber dafür machen wir in der Tat märchenhafte Geschäfte mit diesem Land.

    Die zweite Illusion bestand darin, dem globalisierten neoliberalen Diskurs Gehör zu schenken und zu glauben, Europa und die USA würden den Arabischen Frühling als eine Fortsetzung des Osteuropäischen Frühlings betrachten und ihn entsprechend unterstützen. Die NATO würde es schon richten, so wie anfangs in Libyen. Weit gefehlt!

    Dies war sicherlich einer der tragischsten und folgenreichsten Fehler, dem hunderttausende, aufgeklärte Araber im "Arabischen Frühling" zum Opfer gefallen sind.
    Vielleicht hatten die Aktivisten des "Frühlings" von Anfang an gar keine andere Hoffnung oder Chance, auf die würden gesetzt haben können und so haben sie aus dem Wunsch den Vater des Gedankens gemacht. Vielleicht sind sie sehenden Auges in das Meer aus Blut gestiegen und hatten gehofft, der Westen würde schon kommen, wenn es herzzerreißend hart käme.
    Aber der Westen kam nicht.
    Im Gegenteil. Er verstärkte zunächst nur seine waffentechnische Unterstützung der despotischen Unterdrücker.

    Der IS ist ein Kind des späten Kalten Krieges und zugleich der Beginn eines totalen Krieges gegen die Länder des arabischen Ostens. Bewaffnete treten wie Monster aus dem Dunkel der Gegenwart hervor. Ihr Schrei ist eine Mischung aus krimineller Besessenheit und Blutdurst und einer Sehnsucht nach der Wiedererrichtung jenes islamischen Kalifats, das die Osmanen vor fünf Jahrhunderten von den Arabern übernommen hatten, bevor es am Ende des Ersten Weltkriegs zerfiel.

    All diese "Bewaffneten" von heute hatte noch vor Jahresfrist kein einziger Stratege auf dem Schirm. Alle betrachteten all diese vielen Millionen abgerissener Hungerleider nicht anders als Bedarfsträger, Notleidende, Verzweifelt, Bedürftige und niemand konnte sich vorstellen, was aus ihnen eines Tages würde werden können: eine einzige, gigantische, blutsaufende und hysterische Bestie namens "IS".
    In den zurückliegenden Jahrhunderten vermochte es keine Dynastie, kein Herrscher, keine Vereinigung irgenwelcher Art, die zugrundeliegenden, tribalen Strukturen in der Region dauerhaft zu befrieden - ob mit dem Mittel schierer Unterdrückung oder gar im (versuchten) Dialog.
    Die letzten, denen das über einige Zeiträume gelungen war, waren die Kalifen, deren Leben und Wirken sich mehr in Legenden und Märchen, als in Form historischer Fakten bis heute volksnah überliefert. Es sind, unter dem Eindruck latenter Sehnsucht nach Stabilität, ganz sicher viele mit der Zeit verzerrte, idealisierte Erzählungen, die die Errichtung eines Kalifats für die Menschen attraktiv erscheinen lassen.
    Allerdings ist an jeder dieser Geschichten natürlich auch immer ein Körnchen Wahrheit: immerhin gelang es den Kalifen, für eine vergleichsweise lange Zeit eine vergleichsweise hohe Stabilität in der Region herbeizuführen.

    Militärisch wird der IS nicht zu besiegen sein, was immer man sagen mag über intelligente Luftschläge oder den türkischen Traum, die Region wie früher zu dominieren. Man mag den IS schwächen oder vielleicht aus der einen oder anderen Stadt vertreiben können. Doch das ändert nichts daran, dass diese Terrororganisation ein Ausdruck der kompletten Verzweiflung in den Ländern ist, in denen er sich eingenistet hat.

    Wie unschwer in meinem blog recherchierbar, teile ich Khourys Meinung zu hundert Prozent und gelange gleich ihm zum gleichen, frustrierenden wie eigentlich entsetzlichen Schluss: der "IS" ist da und wird nicht mehr verschwinden. Er ist Realität; unbesiegbar, beinahe unverletzlich, monolithisch, furchteinflößend - und genau das ist es, was er auch sein will.

    Das für mich Erschütterndste liegt in Khoury letzten Sätzen des Essay. Darin liegt die für mich berührendste, schmerzhafteste Wahrheit, die, einmal ausgesprochen, beinahe neue Wunden in die blutende Seele schlagen kann:

    In der blutigen Auseinandersetzung, die vor uns liegt, bleibt uns nur die Option, an den Werten von Freiheit und Gerechtigkeit festzuhalten und ihnen konkrete Bedeutung zu verleihen. Wir dürfen nicht weiter auf eine Rettung warten, die nicht kommen wird. Das arabische System der Tyrannei wird uns ebenso wenig retten, wie Amerika sich um unsere Schmerzen schert.
    Es ist ein Kampf menschlicher Werte gegen die Barbarei, und dieser Kampf wird lange dauern. Wir müssen ihn als Einzelne wie als Gemeinschaft in dem Bewusstsein dessen führen, der aus seiner Verzweiflung ein Fenster der Hoffnung macht.

    Khourys Botschaft ist ganz besonders für empfindsame und aufgeklärte Muslime verständlich, da sie von ur-islamischen Werten und Disziplinen spricht, mithilfe derer die Menschen ihren Weg durch das Blut finden, das noch vor ihnen liegt. Es macht einen Kloss im Hals, denn in diesen Sätzen steckt nur wenig Hoffnung, aber viel Anforderung - ja beinahe Androhung.

    Es wird, und Khourys Essay unterstützt mich auf eine für mich wirklich schmerzhafte Weise in diesen Gedanken, noch eine Zeitspanne von vermutlich mehreren Generationen blutiger Kriege und Zerstörungen vor uns liegen.
    Und wir hier im Westen, wir haben wirklich keine Anstrengung unterlassen, es auch wirklich dahin kommen zu lassen.

  • Kanada - Nun ist es wirklich fester Teil der westlichen Staatengemeinschaft!

    Wenn auch durch andere als gewünschte Indizien hierzu geadelt zu sein. 8|

    Kanada darf sich nicht wundern; mit großem Bedauern, aber nur gelindem Schreck, lese ich die Nachricht, dass islamistischer Terror nun auch in Ottawa angekommen ist.

    Nunja. Was soll man sagen? :roll:
    "Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um!" vielleicht?
    Oder besser: "Mitgefangen, mitgehangen."?

    Die Welt wird erzwungenermaßen vom Terror polarisiert; Regierungen, die sich heute nicht explizit gegen das westliche Staatenbündnis stellen und deren Aktionen im Nahen Osten verurteilen, geraten früher oder später in das Fadenkreuz entweder verrückter Einzeltäter oder radikalisierter Organisationen.
    Ich halte diesen Trend für leider unumkehrbar - er wird früher oder später zwangsläufig in nicht nur große, regional begrenzte Schießereien, sondern in furchtbare Massentötungen durch Luftangriffe oder großangelegte Terroranschläge münden.

    Der Fantasie sind hier überhaupt keine Grenzen gesetzt - es darf sich vor allem gefürchtet werden, was man sich so ausdenken kann: Giftgasangriffe auf U-Bahnen etwa (wie in Japan bereits vorexerziert!), die viele hundert Tote fordern und durch nichts zuverlässig zu verhindern sind.
    An die Anblicke "irrtümlich" niedergebrannter Dörfer durch den Westen sind wir ja schon lange gewöhnt, das schreckt uns nicht mehr.

    Uns wird aber in Zukunft ganz sicher sehr viel geboten werden, was uns dann tatsächlich doch schrecken wird, weil der Tod auf den Spaß eingeht und zu uns kommen wird.
    Myriaden von Tätern, die entweder jetzt noch gar keine sind, aber morgen früh als solche aufwachen werden, Schläfer, diese berühmten "Rückkehrer" .... mit ihnen setzt sich schon sehr bald ein Heer von Unauffälligen, Unaufgefallenen in Bewegung die Dank guter Bildung durchaus in der Lage dazu sind, große und größte Schäden anzurichten und unter ihren Mitbürgern Opfer zu fordern.

    Es war ein Fehler zu glauben, man könne den Konflikt im Nahen Osten erst künstlich erzeugen und dann wie ein Ungeheuer zuverlässig im regionalen Käfig festhalten, während man immer und immer wieder mit Lanzen durch die Gitterstäbe auf es einsticht.

    Weil Geld nicht denkt, sondern sein einziges Interesse auf seine Multiplikation bündelt, weil unsere Bevölkerungen zum Begreifen längst zu blöd geworden sind, wird die "Bestie Terror" ihren Ausbruch nicht nur vollenden, sondern zu immer neuen Spitzen führen.
    Drei, vier Tropfen Gift in unsere Wasserversorgung vielleicht ..... hunderttausende sterben daran.
    Will man wirklich alle Wissenschaftler, alle Rohstoffe dazu lückenlos überwachen? Geht das?

    Und was würde das helfen, wenn, wie in den USA ja tatsächlich geschehen, aus einem loyalen Soldaten tatsächlich über Nacht ein durchgeknalltes Nervenbündel wird, welches im Zentrum des Militärs plötzlich um sich schießt und Dutzende Menschen tötet?

    Wir haben uns ein unglaublich verrücktes, bizarres, erlogenes und geheucheltes Bewusstsein um das Thema "islamistischer Terror" gebildet, welches von der verzerrten Geschichtsdarstellung lebt, die wir nur allzu gern als bequemes "Wissen" haben aneignen lassen.
    Unsere Menschen hier sind derartig verbogen, dass es ihnen noch nicht einmal mehr auffällt, dass ihnen die Vokabel "Muslim" gar nicht mehr einfallen will und für sie in aller Harmlosigkeit jeder Muslim begrifflich ein "Islamist" ist! Das verhält sich, als würden etwa ägyptische Eltern über Westler ganz leidenschaftslos immer nur von "Schweinen" sprechen - und sich dann wundern, wenn ihr Kind einen deutschen Gast ganz fröhlich und harmlos mit den Worten begrüßt: "Tritt ein, Schwein." - Aber was würde diese Anekdote (wenn ich sie mir nicht ausgedacht hätte!) über den Glaubensinhalt, über die Überzeugungen der Eltern erzählen?

    Bitte - ich halte all diese Verbogen- wie Verlogenheiten für mittlerweile systemisch implantiert und kann mir nicht vorstellen, wie gerade jüngere Generationen diesen Gedankenbildern entkommen will.
    Aber viele, wirklich viele Millionen von Muslimen in Europa leiden darunter - jeden Tag.
    Sie können nicht weggehen, was sich so viele der dummen Westler so wünschen, weil sie hier geboren und aufgewachsen sind, weil sie den Islam nicht aufgeben wollen und werden. Weil sie als Bürger von ihrem Nachbarn nicht unterschieden werden können - und dürfen!

    Irgendwann einmal ist jede Nachricht immer eine zuviel gewesen - und ein bis dato freundlicher und friedlicher Muslim steht morgens als Amokläufer auf.
    Es kann ein Bericht über ein erschossenes Kind in Afghanistan sein, für dessen Tod seine Mörder noch nicht einmal ein einziges Wort des Bedauerns, des Erschreckens finden sondern wie üblich nur murmeln: "Naja. War halt ein Versehen."
    Es mag ein Film über die entsetzlichen Zerstörungen in Gaza gewesen sein oder die Nachricht an ihn, dass Teile seiner Familie durch fehlgegangene Bomben der USA ausgelöscht worden sind.
    Aber der Morgen wird kommen, an dem ein solcher Muslim aufsteht, in Tränen ausbricht und Opfer sucht. Opfer, die er als Teil ihrer Gesellschaft unter anderem auch als verantwortlich für all diese Toten und Zerstörungen erkennt - und erkennen darf. Weil sich diese lieben Mitbürger als Bürger eines demokratischen Staates um ihre Verantwortlichkeit nicht scheren und sogar ihn selbst jeden Tag ein wenig drangsalieren, verspotten, beleidigen, herabsetzen.
    Aber jeder verspottet diesen Muslimen ja immer nur ein bisschen ... das wird der "blöde Mohammedaner" doch wohl nicht krummnehmen, wie scheiße ist der denn drauf ... ist ja nur ein kleiner Spaß ... nur ein einzelner Zahn auf dem Sägeblatt, welches irgendwann einmal den dicken Stamm durchgeschnitten hat.

    Ich behaupte:
    Solange unsere Bürger hier nicht endlich das Verlangen haben, sich der Schicksale all dieser Menschen anzunehmen, sich objektiv zu informieren und ihren Regierungen ultimativ einen Strategie- und Politikwechsel abverlangen, solange wird die Terrorgefahr ebenso konsequent wie schnell weiter ansteigen, noch um ein Vielfaches unberechenbarer, bösartiger und furchtbarer werden.
    Wir werden es eines Tages wirklich erleben, dass plötzlich ganze Innenstädte zerrissen werden, tausende von Menschen an spontan erzeugten Vergiftungen sterben und Gebäude, Gegenstände und Orte von besonderem Wert in Flammen aufgehen oder in Stücke gerissen werden.
    Wenn wir unsere Kinder nicht lehren, dass Menschen ganz generell niemals und unter keinen Umständen bedrängt, beschossen, beleidigt und gefoltert werden dürfen und selber daran glauben,
    wenn wir nicht endlich damit aufhören, einfachen Rezepten zu folgen oder gar danach selbst zu fragen,
    wenn wir nicht endlich damit aufhören, für unser Wohlergehen tausende von Kilometern entfernt sterben zu lassen,

    dann wird es uns eines Tages nicht nur in unserer eigenen Heimat, sondern im eigenen Zuhause tödlich treffen. Dann werden wir es sein, die nach einem Anschlag kaum genug "Material" für eine ordentliche Bestattung finden können und es werden unsere Mütter sein, die sich verzweifelt auf Särge und Trümmer werfen.

    Kanada ist nur ein Anfang.

    Es wird mit großer Sicherheit viel, sehr viel schlimmer kommen. :(

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