szmmctag

  • Jemen - (An-) Klage eines Dreizehnjährigen

    Mohammed Tuaiman, ein dreizehnjähriger Junge aus dem Jemen, erhielt vor einigen Monaten durch das britische Blatt "The Guardian" eine Chance, sich aus seiner Sicht zu den beständigen Drohnenangriffen durch das US-Militär zu äußern.

    Mohammed hatte allen Grund dazu, immerhin fielen bereits sein Vater und sein Bruder Drohnenangriffen zum Opfer.

    Ich sehe sie jeden Tag und wir haben Angst vor ihnen.

    sagte Mohammed dem "Guardian". Vater und Bruder sind beide beim Hüten der Familienkamele von einer Drohne im Jahr 2011 getötet worden.

    Sie sagen uns dass diese Drohnen von Basen in Saudi-Arabien und von jemenitischen Basen kommen und Amerika sendet sie um Terroristen zu töten, sie töten aber immer unschuldige Leute. Wir wissen nicht warum sie uns töten. In ihren Augen verdienen wir nicht wie Menschen im Rest der Welt zu leben und wir haben keine Gefühle oder Emotionen oder weinen oder fühlen Schmerz so wie alle anderen Menschen in der Welt.

    Ach .... bevor ich es vergesse: natürlich wurden alle Getöteten durch die USA kurzerhand von unschuldigen Zivilisten zu "Al-Qaida-Mitgliedern" ernannt, denn es kann ja nicht sein, was nicht sein darf: ein viel zu hoher Anteil an Unschuldigen, Unbeteiligten unter den Todesopfern der Killertechnologie Drohne.

    Übrigens wurde auch Mohammed, unser Dreizehnjähriger, zum "Al-Qaida-Mitglied" ernannt.

    Er selbst wurde nämlich wenige Monate nach seinem Interview Opfer eines Drohnenagriffs.

    Das dritte Familienmitglied also .... alles al-Qaida-Mitglieder. Ausnahmslos.

  • Israel und Juden - zwei getrennte Welten, die nicht zusammengehören

    Die wohl weitaus meisten Juden unserer Tage sind nicht weniger in der modernen Zeit ankgekommen wie die weitaus meisten Muslime auch und sie sind wie jeder andere, strebsame, höfliche und entspannte Zeitgenosse in Deutschland natürlich ein unauflöslicher Teil des Landes.

    Im Grunde ist es höchst alarmierend, dass solche Selbstverständlichkeiten überhaupt formuliert werden müssen und diese Notwendigkeit zeigt uns, wo wir zwischenzeitlich angekommen sind.

    Sowenig wie man den "Kalifen"-Idioten neben seinen abgeprallten Schergen mit "dem" Islam identifizieren bzw. verwechseln darf, sowenig darf man Israel verwechseln mit "dem" Judentum.

    Benjamin Netanjahu allerdings müht sich wirklich redlich, auch das krankeste und wahrhaft mieseste Fehl- wie Vorurteil über "die" Juden mit Leben zu füllen. Wie wir bei SPIEGEL-Online erfahren müssen, besteht ein nicht allzu geringer Teil seines privaten wie politischen und wohl auch religiösen Lebens aus nichts als Lüge. Er schreckt auch vor drastischen Lügen nicht zurück, um seinen aggressivsten Kriegsprovokationen weiter folgen zu können - ich zitiere:

    Während einer Rede vor der Uno-Vollversammlung zauberte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu 2012 ein Plakat mit den Umrissen einer Bombe hervor und markierte mit einem fetten Filzstift die sprichwörtliche "rote Linie", ab der die Produktion einer Atombombe in Iran nicht mehr zu stoppen sei und Israel militärisch eingreifen müsse: Spätestens im Sommer 2013 sei es soweit.
    Nun berichten die britische Zeitung "Guardian" und der Fernsehsender Al Jazeera: Der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad hat wenige Wochen nach Netanyahus Rede in einem Bericht seiner Einschätzung widersprochen.

    Das hört sich heute, im Abstand von beinahe drei Jahren, sehr viel harmloser an als es jemals war: wir müssen uns daran erinnern, dass Netanjahus "Begleitmusik" zu diesem peinlichen Kasperleauftritt vor der UN aus dem intensiven Einarbeiten auf die US-Regierung bestand, die unter Hochdruck zum militärischen Losschlagen gegen Iran gekeilt werden sollte. Netanjahu bettelte Washington geradezu um den Kriegsausbruch an, wobei er immer wieder sein (wie wir heute wissen: erlogenes) Bild von einem Iran zeichnete, der seine ersten Atomraketen bereits auf die Startrampe schob, um sie gen Israel abzufeuern.

    Alles Lüge.

    Gut - die Welt hatte es längst gewusst. Nicht allzulang vorher hatte nämlich der CIA ehemals geheimes Abhörmaterial veröffentlicht, welches vermittels eines mitgeschnittenen Gesprächs hochrangigster, iranischer Wissenschaftler eindrucksvoll bewies, dass Iran längst alle Forschungen für Atomwaffen eingestellt hatte.
    Kurioserweise hatte sich (keine Ahnung, wie das passieren konnte!) die US-Führung seinerzeit völlig richtig entschieden und Netanjahu konsequent die kalte Schulter gezeigt. Nein, ein Krieg gegen Iran erschien den USA damals nicht erstrebenswert, uns so unterblieb er auch.

    Aber führen wir uns das doch mal vor Augen ..... denn was uns eine Petitesse ist, die uns im Zweifelsfall höchstens zum schiefen Grinsen reizt, das ist für viele Millionen anderer Menschen Grund genug, furchtbarste Ängste zu entwickeln. Viele Millionen Israelis und noch viele Millionen Iraner mehr haben monate- wenn nicht jahrelang unter der Angst eines kurzfristig ausbrechenden, mit hoher Wahrscheinlichkeit schnell atomar geführten Krieges zu leiden gehabt. Die Angst schlug sich in der Aktion "Israel loves Iran" nieder (der ich mich begeistert angeschlossen hatte) und zeigte hunderttausende von Israelis, die einen kühlen Kopf und ein warmes Herz behalten und den Iranern die Hand entgegengestreckt hatten. Sie weigerten sich schlicht und ergreifend, die schrille Kreischerei ihres durchgeknallten Ministerpräsidenten für sich umzusetzen. Die Antwort war überwältigend und berührend: hunderttausende von Iraner fingen die Botschaft auf und streckten ihrerseits Israel die Hand entgegen.

    Ich bin alles andere als sattelfest in jüdischen Fragen, das gebe ich gern zu.
    Aufgrund der Erfahrung, wie sehr sich Islam und Judentum ähneln wage ich die Behauptung, dass "hüben wie drüben" das Mittel der Lüge ein verbotenes ist, ein Friedensgebot gleich dem muslimischen gilt und Protz- wie Prahlsucht ebenso abgelehnt werden wie aufrührerisches, hetzerisches Kreischen. Benjamin Netanjahu aber hat sich gegen all das vergangen - bestialisch und auf das Widerwärtigste vergangen.

    Die Verzweiflung in der muslimischen Welt, die sich im Hass gegen Juden irgendwo auf der Welt Bahn bricht, resultiert aus dem todbringen wie eiseskalten Schweigen der Welt. Aus der trotzigen Kumpanei der Golfstaaten, die angeblich islamisch sein wollen, mit dem Westen auf diesem Weg. Aus dem Umstand, dass selbsternannte Führer der Gläubigen, ob sie sich nun "König" oder "Emir" nennen, Abziehbilder des Westens sind, die ihren Geschwistern in Palästina höchstens ätzende Kommentare, aber keine wie auch immer geartete Hilfe zukommen lassen.

    Benjamin Netanjahu ist ein kranker Mann, der zwischen seiner vielleicht einstmals zugewandten und produktiven Idee eines modernen Israels, der schieren Macht und den daraus entspringenden Versuchungen nicht mehr unterscheiden kann und den Blick auf alles Normale dem auf das Lukrative und sonstwie irgendwie gewinnbringende geopfert hat. Und er ist bereit dazu, noch viel mehr zu opfern. Sehr viel mehr.

    Nein - Israel ist alhamudlillah kein "jüdischer Staat"!
    Ebensowenig wie Deutschland ein "katholischer" Staat wäre oder jemals sein könnte.

    Wir müssen das auf jeden Fall ganz richtig verstehen, weil von dieser Frage Hunderttausende und Millionen von Leben direkt abhängen.
    Wie ich von allen Deutschen kategorisch verlange, zwischen Sunniten und Shiiten unterscheiden und Extremisten als solche erkennen zu lernen, weil wir eben viele Millionen und unauflöslicher Teil Europas sind, so erwarte ich gleichzeitig auch von Europäern, in dieser Frage unverstellten Blickes und klarer Idee zu bleiben: Israel ist kein "jüdischer Staat" und das, was Israels Regierung tut, darf unter keinen Umständen mit der jüdischen Religion verwechselt werden!
    Europa lebt und ernährt sich direkt von den Ländern und Menschen des Nahen und Mittleren Ostens; es säuft sein Öl, exportiert auf Deibel-komm-raus dorthin und müht sich, um möglichst viel politische und wirtschaftliche Macht dort zu installieren. Bisher aber versucht Europa, ein "Herr-Sklaven"-Verhältnis zu etablieren, in dem es seine Übermacht nicht nur zur Schau stellt, sondern auch aktiv benutzt. Schon Rom erfreute sich zwar generationenlang über ein durch Peitschen und Schwerter niedergeknüppeltes, aggressiv befriedetes Sklavenheer, ging jedoch genau daran zu Grunde. Schon Rom musste einsehen, dass man Vieh, welches man melken und eines Tages essen will, wenigstens anständig behandeln sollte - sonst senkt es eines Tages seine Hörner uns stürmt nach vorn, wir erinnern uns an Spartacus.

    Ob Netanjahu überhaupt Jude ist, kann und werde ich noch weniger entscheiden, als ich mich derartigen Fragen innerhalb des Islam widme - weil nicht widmen darf. Für einen Muslimen ist jeder solange Muslim, wie dieser sagt, dass er einer sei. Ich habe über ihn weder zu rechten noch zu urteilen, das steht allein Allah zu.
    Noch weniger würde ich Netanjahu absprechen, Jude zu sein.
    Vielleicht wünsche ich mir ganz einfach nur, er wäre keiner. Der Schmutz, mit dem er diesen Glauben bewirft, ist kaum reiner als der, mit der der "Kalif"-Idiot den Islam malträtiert.

    All das muss auch den Juden Europas durch den Kopf schwirren und es ist ein tragischer wie furchtbarer Fehler, sich reflexhaft starrsinnig hinter die israelische Führung zu stellen, damit man sich ein bisschen weniger allein auf der Welt fühlt.
    Es ist nur zu allergeringsten Teilen trivialer Antisemitismus, der überall auf der Welt zu Angriffen auf sie verleitet - es ist in wesentlichen Teilen aber die Schuld der jüdischen Vertretungen, die sich vom abstürzenden Regime in Israel in keinster Weise distanzieren. Sie vereinigen das Gesicht des "kleinen Mannes" mit dem Israels und setzen es dadurch der Wut aller aus, die die Verbrechen des israelischen Staates gegen jedes Recht, gegen jede Menschlichkeit einfach nicht mehr ertragen und keinen Anwalt finden können, der ihr Anliegen gut hörbar und für alle öffentlich gegen Israel platziert.
    Die, die beständig so unglaublich hohe Ansprüche im Maule führen wie Deutschland, das unablässig überall auf der Welt von "Menschenrechten" faselt, die verhalten sich unerträglich stumm und die, die wie Obama das Maul noch viel voller genommen haben und die ganze Region in Versprechungen haben ersaufen lassen, die verhalten sich gegenteilig und machen alles noch viel, viel schlimmer (indem sie für laufende Zivilistenbeschießungen direkt Waffen an Israel liefern etwa).

    Was übrig bleibt, das ist längst nicht nur der Loser unserer Gesellschaft, der Kleinkriminelle, der sich wegen seines verkrachten Lebens an die Extremisten wendet ..... das ist zuweilen ein sonst völlig normaler Muslim, der einem Kippatragenden Menschen begegnet und in ihm das eisige Schweigen des deutschen Zentralrats und der kumpelhaft mitschweigenden, deutschen Regierung sieht. Ein guter Muslim bemerkt seine aufkeimenden, hässlichen Assoziationen und wird seiner Herr. Der macht sich auf Befehl Allahs die Realitäten klar und erkennt, dass der mit der Kippa wahrscheinlich selbst gekeiltes Opfer seines Zentralrats ist.
    Aber auch für einen guten Muslimen ist diese Aufgabe zuweilen ganz extrem anstrengend; verfügt er über Verwandte und Freunde in Palästina und dessen Umgebung, jagt sie ihm Schauer des Entsetzens und der Anstrengung über den Körper, wenn er eine Kippa sieht und hört, dass er nichts hört. Keine Distanzierung, keine Verurteilung - sondern nur eisiges Totschweigen israelischer Verbrechen hier in unserer tagesaktuellen Realität, in unserem Dortmund auf der Straße, in Hannover vielleicht oder in Nürnberg. Nicht in Raqqa, nicht in Gaza, nicht in Jerusalem - sondern hier.
    Das jüdische Schweigen in Deutschland zu Israel drückt den Juden Deutschlands genau die Eisenstange in die Hand, mit der heute in Israel Araber systematisch gejagt und blutig geprügelt oder gleich erschossen werden.

    Wir Muslime haben uns in den letzten Monaten gefühlt millionenfach in allen Medien und auf allen Straßen, in vielen tausend Moscheen, auf vielen tausend Märkten und in hunderttausenden von persönlichen Gesprächen wie gewünscht von allem extremistischen Terror distanziert.
    Zugegeben: es hat uns oft einen Stich versetzt.
    Stellt Ihr Nichtmuslime Euch einfach nur einmal vor, Ihr würdet im Ausland als "Nazi" angesprochen und sowohl ganz ernsthaft als auch aufrichtig wie verwundert direkt gefragt, weshalb Ihr eigentlich persönlich bis heute Schwarze "Neger" nennt und sie auf offener Straße niederstecht. Ihr würdet Euch diesen Fragen zehnmal, vielleicht fünfzig Mal zugewandt, geduldig und freundlich widmen - aber irgendwann einfach nicht mehr können weil der Brunnen, dem diese Fragen entspringen, niemals leer wird. Ihr wüsstet ganz genau, dass der nächste, der um die Ecke biegt, Euch genau die gleichen Fragen wieder stellen und Euch als Nazi betrachten wird.

    Die Juden haben diesen Weg noch vor sich und je eher sie ihn beschreiten und endlich eine eigene, deutsche bzw. europäische Identität entwickeln, die sich von der israelischen distanziert, desto schneller wird eine Kippa keine Bedrohung mehr sein, sondern eine Zier - so, wie es sein müsste.

  • "Meinungsfreiheit" - wie schnell sie eingestampft werden kann, wenn sie den Falschen erwischt

    Hunderttausende von Menschen hielten Plakate hoch "Je suis Charlie!" und gröhlten irgendwas von "Meinungsfreiheit" und dass man sehr wohl ungestraft alles und jeden beleidigen könne, wie es einem gerade so passe.

    Dabei kommt es aber ganz offensichtlich immer nur darauf an, wer hier eigentlich wen beleidigen will - denn das allgemeine Beleidungsrecht steht natürlich nicht jedem zu. Muslimen schon mal gar nicht.

    Durch Zufall stolpere ich soeben über einen höchst pikanten Fall:

    Da hat einer bei der Stuttgarter Zeitung eine Karikatur gemalt:
    http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/16732

    Dies Bildchen zeigt einen vergnügten Benjamin Netanjahu, der auf einer Parkbank sitzt und mit einem Giftfläschchen, auf dem "Siedlungsbau" steht, Brot beträufelt. Daneben sieht man eine Taube mit einem Olivenzweig in dem Schnabel und vor ihr liegen offensichtlich vergiftete Brotkrumen. Auf dem Bauch der Taube steht: "Nahostfriede".

    Das geeeehht ja gaaaaa nicht! :crazy:

    Die "Jüdische Allgemeine" spricht denn auch von giftigen Reaktionen aus jüdischen Kreisen:

    Die Israelische Botschaft in Berlin wandte sich mit einem Brief an den Chefredakteur der Stuttgarter Zeitung. Darin verurteilt sie die Zeichnung aufs Schärfste. Das American Jewish Committee (AJC) forderte die Zeitung auf, sich für die Karikatur schnellstmöglich zu entschuldigen.

    Holla die Waldfee!

    Aber soweit würde es ja wohl niemals kommen, dass eine Führungsperson aus dem jüdischen Umkreis andere, schwerwiegendere Rechte genießen könnte als eine aus dem muslimischen? Das wäre ja wohl noch schöner, dass hier exklusive Rechte für bestimmte Interessengruppen formuliert und frecherweise auch noch eingefordert werden könnten!
    Man stelle sich das einmal vor!

    Wo kämen wir denn da hin?

    Die Stuttgarter Zeitung hingegen kann in der Karikatur keine antisemitischen Vorurteile erkennen. Dennoch bereut das Blatt inzwischen den Abdruck ihrer Zeichnung. »Die Stuttgarter Zeitung bedauert es sehr, dass durch die Karikatur Gefühle verletzt worden sind«, erklärte Michael Maurer, der stellvertretende Chefredakteur des Blatts.

    Das ist jetzt aber wirklich das Äußerste! Kein Schwein hat sich bei einem einzigen Muslimen je für die Verletzung seiner Gefühle entschuldigt und "bedauert" hat es auch niemals jemand.

    Aber es kommt noch schlimmer:

    Aus diesem Grund würde die Redaktionsleitung die Karikatur auch nicht noch einmal drucken.

    Irgendwie ist da also keiner, der der Süddeutschen zwei Millionen Euro nebst Equipment, Tränen und Kaffee zur Seite stellt, nur damit eine weitere Reihe solcher miesen, kleinen und giftigen Schmierereien zustandegebracht werden kann, die man hierzulande irrigerweise unter dem Begriff "Karikatur" führt.

    Darüber sollten einmal all die dummen Menschen nachdenken, die so freigiebig mit dem Wort "Meinungsfreiheit" herumwerfen und es überhaupt nicht verstehen.

  • USA - eine weitere, bittere Fehlleistung von "No, I couldn't!"-Obama

    Der nette Sunnyboy aus Washington produziert noch immer ganz gute Bilder - allerdings noch immer keine guten Ideen, geschweige denn Strategien. Sein sonniger Glanz ist längst verblasst und durch den ganzen von ihm verordneten Kanonendonner schmierig-schmutzig geworden.

    Seine Inhalte aus seiner gestrigen Rede sind wieder einmal keine; woher er die Zuversicht nimmt, dass ihn in außenpolitischen, globalen Fragen noch irgendjemand erstnehmen könnte, entzieht sich vollständig meiner Phantasie.
    Zu groß war die Enttäuschung, die er nach 2009, nach seiner berühmt-berüchtigten "Kairo-Rede" hinterlassen hat und viel zu bitter die Erkenntnis, dass er sich samt seines Landes vollkommen anders gegenüber Israel und Palästina verhalten hat als in Kairo so vollmundig versprochen. Dass es zu einigen weiteren Massakern gegenüber Palästinensern kommen konnte, liegt vollständig in seiner persönlichen Verantwortung - ach, sprechen wir doch deutlich von "Schuld".
    Einige tausend Tote hat die Einsicht gekostet, dass den USA selbstverständlich nicht zu (ver-) trauen ist, etliche zerstörte Dörfer, tausende von Quadratkilometern potenziell tödlichen Geländes, weil seine Drohnen es überfliegen und sich ganz gern mal zwischen Terroristen und Kindern irren.

    Seine so vielbeachtete Rede von Washington gestern ist unter dem Licht Kairos zu betrachten und enthält ausschließlich nur triviale Platitüden, Oberflächlichkeiten und billige, rhetorische Effekthascherei. Er wird nichts (mehr) verändern, keinen Blutzoll durch US-Waffen verringern, keine Folter unterbinden - es wird regelrecht gar nichts geschehen.

    Vertrauen wir mal der von SPIEGEL-Online zusammengestellten "Inhalte"-Liste der Obama-Rede:

    Der US-Präsident hat erklärt,...

    …dass der Westen nicht im Krieg mit dem Islam sei und die Milizen des "Islamischen Staats" (IS) oder von al-Qaida keine religiösen Anführer sondern Terroristen seien;

    Das ist objektiv betrachtet die Unwahrheit. Tatsächlich lehren Militärakademien in den USA in dieser Beziehung eine sehr eindeutige, unzweifelhafte und nicht falsch zu interpretierende Definition, nach welcher Araber zuvörderst und Muslime generell in der Nähe der Tiere anzusiedeln seien. Vor ungefähr einem Jahr wurden entsprechende Schulungsschriften, Vorträge und Vorlesungsmitschriften öffentlich; all diese Schriften lassen unterstellen, dass die US-Militärführung erstens durchaus an einen rassistisch unterlegten, "göttlichen" Auftrag und zweitens an die Anforderung glauben, den US- "way of life" mithilfe möglichst schwerer Waffen in den Nahen Osten zu tragen - wobei hier sehr offen von der Notwendigkeit gesprochen wird, dafür möglichst viele Araber bzw. Muslime umzubringen (weshalb auch häufig von "Experten" die Anwendung superschwerer, wenn auch konventioneller Bomben empfohlen wird, um das Abschlachten zeitlich kurz und wirtschaftlich effizient zu gestalten).
    Die US-Militärführung glaubt sehr wohl an ihren Krieg gegen des Islam - soviel ist sicher.

    …dass dem Extremismus der Nährboden entzogen werden müsse durch die weltweite Bekämpfung der Armut und den Ausbau von Bildungsangeboten;

    Tatsache ist, dass islamistischer, jihadistischer Terror ohne US-Mittel, die direkt nach Saudi-Arabien und häufig direkt in die Kassen der al-Qaida geflossen sind, nur schwerlich möglich wäre - auf keinen Fall aber in der vorliegenden Ausprägung. Die USA sehen zusammen mit dem gesamten Westen dem Umstand, dass der "IS" über sehr gut bekannte Wege Öl transportiert und über mehr oder weniger offizielle Bankenwege auch international handelt, vollkommen tatenlos zu. Das bringt sie nicht nur in den Verdacht, den "IS" tatsächlich überhaupt nicht vernichten zu wollen, sondern beweist, dass der "IS"-Terror wirtschafts- und hegemonialpolitisch höchst erwünscht ist.
    Die USA brauchen den Terror, um die betroffenen Länder möglichst nachhaltig zu destabilisieren. So handeln sie Waffen in großen Mengen und erzielen durch die dadurch entstehende Geldnot der Empfängerländer höchst günstige Ölpreise. Zudem hindern sie die gesamte Region daran, durch Solidarität erheblich mehr Marktmacht zu erlangen.
    Armut, Seuchen und Tod der Zivilbevölkerung werden dabei leidenschaftslos wie achselzuckend in Kauf genommen.

    …dass nicht Regierungen, sondern vornehmlich Familien, Freunde, lokale Religionsgemeinschaften die Radikalisierung Einzelner verhindern könnten;

    Obama spricht hier exakt von den Familien, von den Freunden und lokalen Religionsgemeinschaften, die vor Ort im Nahen Osten durch seine Waffen und Politik vollständig traumatisiert und wehrlos geworden sind. Er weiß sehr gut, dass eine Familie im irakischen Falluja, die soeben ein furchtbar missgebildetes, dem Tode geweihtes Kind zur Welt gebracht hat, ganz sicherlich niemanden an der Radikalisierung hindert. Und diese entsetzlichen Missbildungen ereignen sich aufgrund der Vergiftung ganzer Landstriche durch die Uranmunition der USA zahlenmäßig in furchtbarem Ausmaß.
    Da klingt es ganz entsetzlich zynisch, wenn Obama diesen Familien abverlangt, sich gegen Radikalisierung zu stellen.

    …dass führende muslimische Geistliche klarmachen müssten, dass es keinen Kampf der Kulturen gebe;

    Ach? Den gibt es gar nicht? Dann sollte Obama einmal Huntington und dessen Buch "Clash of Civilizations" ("Kampf der Kulturen lesen - Huntington ist US-Amerikaner. Nach dieser Lektüre sollte er vielleicht einmal einige Ausbrüche und Auswürfe seines Amtsvorgängers zur Kenntnis nehmen, den immerhin nach einem "Kreuzzug" gelüstete und der einem Diplomaten am Rande eines Gesprächs im Nahen Osten zu dessen tiefer Bestürzung zuraunte, er, immerhin niemand geringeres als der damals amtierende US-Präsident, agiere "in göttlichem Auftrag" und er habe den "Befehl" von "Gott", nötigenfalls mit brutaler Gewalt Frieden nach US-Zuschnitt über die Welt zu bringen.
    Das führt mich zu der Einsicht, dass man vielleicht führenden US- und westlichen Politikern näherbringen sollte, dass sie keinen Kampf der Kulturen führen sollten.

    Die Rede von Obama enthält diesmal noch viel mehr Schwurbelei und will sich aus der Verantwortung für das auf der Welt angerichtete Unheil herausstehlen; Obamas Beteuerung, weder der Islam noch irgendein Muslim seien der "Feind", lässt leider auf das genaue Gegenteil schließen.
    Aber nach neuesten Informationen gedenkt Obama, nun seine Kampfdrohnen zu verkaufen und so steht eine Minimierung der Gewaltanwendung auf der Welt wahrlich nicht zu befürchten. Waffengeschäfte sind glänzend lukrativ und man kann den Bedarf beinahe nach Belieben steuern, somit stehen die USA nicht etwa für eine Zukunft mit weniger Kriegen, sondern für das exakte Gegenteil.

  • Israel - Juden, verlasst Israel!

    Man könnte sich prächtig amüsieren, wenn der Anlass dafür in den zurückliegenden Jahrzehnten weniger Tote, Leid, Tränen, Zerstörung und Hass produziert hätte:

    Augenblicklich steht Benjamin Netanjahu in seinem Wahlkampf wegen einiger extrem unangenehmer Themen im Fokus, die er sich sicherlich zuletzt als Wahlkampfthema gewünscht hätte. Seine private Verschwendungssucht, die wahrhaft derart bizarre Gipfel erklommen hat, dass sein Haushalt für ein Jahr allein gut 110.000 Euro ausschließlich nur für Lebensmittel ausgegeben haben will, möchte er ganz bestimmt ebensowenig medial verarbeitet sehen wie die Tatsache, dass er sich 4.500 Euro für ein Frühstück erstatten ließ, welches er mit 75 Euro ausgelegt hatte.

    Wir können uns darüber amüsieren - Israels Bürger können das nicht.
    Der Anteil der Bürger, die aufgrund hochjagender Sozialabgaben, stagnierender oder gar nachlassender Löhne kaum noch in der Lage dazu sind, ein Leben in wenigstens halbwegs erträglicher Entfernung zu ihrem Arbeitsplatz in einer der Großstädte zu finanzieren, steigt stetig. Immer mehr israelische Bürger stürzen wirtschaftlich aufgrund der desolaten Haushaltslage ab und geraten in prekäre Verhältnisse - da kommen dann Nachrichten über Lebensmittel im Wert von 110.000 ? pro Jahr nicht gut, die ihr Ministerpräsident verprasst.

    Die in großen Teilen absolut vermeidbaren Ausgaben für die israelische Armee, die aufgrund der verrückten bis wahnsinnigen Politik Netanjahus konsequenterweise nach immer mehr Mitteln fragen (müssen), addieren sich zu den Ausgaben für kurzfristig und vorübergehend arbeitslose Israelis, die infolge der Kriegsanstrengungen Netanjahus jedesmal plötzlich von ihrer Arbeitsstelle fort und in den Dienst einrücken müssen. Ihren Sold zahlt Israel, während die arbeiterlosen Fabriken Produktionen drosseln oder gar ganz einstellen müssen, was wiederum zu Einbrüchen bei den Steuern führt.

    Da helfen auch keine der Netanjahu'schen, verlogenen Wahlkampfplakate, die die Opposition dadurch verhöhnen wollen, dass sie graphisch als Einladende für den "IS" dargestellt werden und ihm den Weg nach Jerusalem weisen. So ein Unsinn: Netanjahu höchstselbst ließ "IS"-Kämpfer in israelische Krankenhäuser bringen, kostenlos behandeln und schüttelte ihnen gar vor den Kameras der Presse noch die Hände. Die Bilder davon sind im Netz nur einen Klick entfernt und sprechen Bände.

    Für die Juden in der Welt wird der krankhafte Wahnsinn Israels zur lebensgefährlichen Lage; nicht nur in Europa finden sich genug Dumme, die tatsächlich die jüdische Religion mit der Tagesrealität Israels verwechseln. Das ist unzulässig; allen Beteuerungen und Behauptungen Netanjahus und seiner extremistischen Regierung zum Trotz ist Israel keineswegs ein "jüdischer Staat". Von einem solchen könnte man vielleicht sprechen, wenn der Anteil der jüdischen Bevölkerung sich deutlich oberhalb von 90 Prozent bewegte - aber das tut er nicht: 25 Prozent der israelischen Bevölkerung bekennen sich anders oder gar nicht.
    Der Wahrheitsgehalt der Netanjahu'schen Behauptung ist ungefähr so hoch wie die, nach welcher Hitler Deutschland damals als "neues Germanien" verkaufen wollte, was ebenfalls unausgegorener Schwachsinn ist.

    Persönlich bin ich der festen Überzeugung, dass es die Aktivitäten des Staates Israels sind, die vielen, leider viel zu vielen Antisemiten und Muslimen die notwendige Motivation für ihre Anschläge auf Juden und jüdische Einrichtungen auf der ganzen Welt liefern.

    Solange es derart blinde und einfältige Kolumnisten wie einen Jan Fleischhauer (auf SPIEGEL-Online) gibt, die ganz sicherlich auch das furchtbarste Massaker Israels noch gesundbeten wollen und werden, solange wird diese Motivation aufrechterhalten, immer neu gespeist und kann sich nur noch ausweiten.
    Die verrückte Politik Israels, in den letzten Jahren vom dumm-aggressiven Vieh Netanjahu in immer schlimmere Exzesse getrieben, hat natürlich nichts mit dem jüdischen Glauben zu tun und daher ist es tatsächlich höchst tragisch und traurig, dass redliche, friedliche und freundliche Menschen einem derartigen Irrsinn zum Opfer fallen.

    Man dürfe sich nicht wundern, wenn sich der Palästinenser einen Sprengstoffgürtel umschnalle, erklärte der linke Superstar Giannis Varoufakis 2005 in einem Radiokommentar. Wie man eben so redet, wenn der einzige Terror, dem man selber ausgesetzt ist, der Ärger mit der Ehefrau ist.

    Fleischhauer schreibt hier vollkommen verrücktes Zeugs; vermutlich steht er für solche verdrehten Pamphlete über Broder zumindest irgendwie indirekt auf Netanjahus Geschenkeliste.
    Ein Fleischhauer ist es selbst, der auf diese Weise daherfaselt, weil er noch nie Knüppel, Gewehre oder Granaten der israelischen Armee erlebt und sich bisher nur vor seiner Ehefrau gefürchtet hat.

    Die Schüsse in Kopenhagen liefern die traurige Bestätigung, dass die Anschläge von Paris erst der Anfang von dem sind, was uns erwartet. Wie wir bald erkennen werden, macht es einen gewaltigen Unterschied, ob man das religiöse Attentat nur aus den Nachrichten kennt oder ob man damit rechnen muss, selber zum Opfer zu werden - weil man die falsche Veranstaltung besucht hat oder im falschen Café saß.

    Fleischhauer versagt hier in seiner Absicht, jihadistischen Terror bunt auszumalen und liefert dafür einen Einblick in seine Seele, die den israelischen Terror als Ursache dafür unter allen Umständen rechtfertigen will.

    Genau das aber ist das wahrhaft Tragische an der Gesamtsituation und am Anwachsen des islamistischen Terrors! Wer heute nicht aus seinem Kadavergehorsam und seiner "Ich verstehe immer alles, was Israel anrichtet!" - Haltung zügig zurückrudert und Israels endlich als das sieht, was es ist, der füttert den Terror. Und zwar sowohl den israelischen als auch den jihadistischen.
    Wir können und wir dürfen den wechselseitigen Terror nicht unterschiedlich bewerten und beurteilen: der israelische Terror ist keiner von "den guten" und der jihadistische ist keiner von "den Dummen, den Steinzeitlern".
    Denn auch das ist eine Tatsache, vor der wir hier gern die Augen verschließen: unter denen, die sich leider einem "IS" anschließen, befinden sich jede Menge ausgezeichnet ausgebildete Akademiker. Der Beweis hierfür liegt in tausenden von Einzelgeschichten und der Realität eines "IS", der sich als höchst gerissen, wendig, kenntnisreich und souverän positioniert. Es können keine Dummköpfe oder einfältige Schreihälse sein, die wesentliche Gebiete des "IS" hochgradig mit der Weltwirtschaft verknüpfen und routiniert wie schnell allerlei hastig und schlampig errichtete Hindernisse überwinden. Dem "IS" gelingen in Zusammenarbeit mit dem Westen hochkomplexe Finanztransaktionen vermittels eigener, international tätiger Banken.
    Der Krake "IS" samt seines "Kalifen"-Idioten ist eben keine Herde zurückgebliebener Hetzer und Fanatiker.

    Deshalb liegt die Hoffnung der Juden der Welt entgegen der ausgestreckten Arme Netanjahus keinesfalls in Israel - sondern im Gegenteil möglichst weit davon entfernt.
    In Marokko zum Beispiel, wo (ich schrieb davon!) augenblicklich viele Muslime an der Restauration der alten, jüdischen Viertel arbeiten und sich die Rückkehr der Juden wünschen, weil sie soviele gute Erinnerungen an ihr Zusammenleben mit ihnen haben. Dort kann ihnen zwar auch niemand absolute Sicherheit garantieren, aber das kann niemand auf der Welt. Dort gibt es jedoch wenigstens eine Regierung, die einen solcherart gestalteten Zuzug freudig begrüßen, beschützen und sicherlich auch subentionieren würde neben einer Bevölkerung, die seit Jahrzehnten in Trauer um die leeren Viertel ist.

    Den Juden, die neben ihrem Leben auch ihren Glauben beschützt sehen wollen, bleibt meiner Meinung nach nur eine Distanzierung von Israel übrig - und das gilt politisch wie geographisch und auch spirituell.
    Netanjahu verrät das Judentum und formt aus ihm etwas höchst Widerwärtiges, Abstoßendes und seit vielen Jahren wundere ich mich mit wachsendem Erstaunen über die Betonköpfigkeit des deutschen Zentralrats, der bisher noch jedes israelische Massaker an Wehrlosen begrüßt und verteidigt hat. Deshalb messe ich dem deutschen Zentralrat ein gerüttelt Maß an Schuld für anwachsenden Antisemitismus zu. Aus der Angst heraus, in der Diaspora den Schulterschluss zu Israel zu verlieren und allein dazustehen, riskiert der Zentralrat bewusst und sehenden Auges Leben und Gesundheit ihrer Zugehörigen.

    So wie ich möglichst große Distanzen zwischen mir und islamistischen und extremen Hetzern suche, so kann ich auch nur Juden empfehlen, sich von ihren Zentralräten samt ihres Kadavergehorsams und Israel möglichst weit zu entfernen - innerlich wie eben auch geographisch.

    Nichtmuslimische, nichtjüdische Deutsche müssen gut aufpassen, wenn sie schräge und tendenziöse Hetzschriften wie diese lesen:

    In den beiden Jahren vor Errichtung der umstrittenen Grenzanlagen zählten die israelischen Behörden 89 Anschläge mit 305 Toten und 4942 Verletzten. Das entspricht umgerechnet auf die deutsche Bevölkerungszahl einer Stadt in der Größe von Baden-Baden.

    Sie sollten dann einmal Palästinenser nach Opferzahlen fragen und sich erkundigen, nicht nur wieviele, sondern auch wie die Menschen durch Israel ums Leben gekommen sind. Dann tun sich Welten auf, die man nicht betreten möchte und man kommt auf Zehnerpotenzen dessen, worüber die israelische Regierung mit ihrem Sprachrohr Fleischhauer jammern will. Dann betritt man eine Welt voller Grausamkeiten und Bestialitäten, in der Erwachsene Kindern in den Kopf schießen.
    Fleischhauer jedenfalls beachtet das ungeschriebene Protokoll, nach welchem eben genau diese Sachverhalte nicht öffentlich ausgebreitet werden sollten - das eiserne Gesetz des "dröhnenden Schweigens", welches Israel über die Folgen seiner aggressiven und menschen- und landfressenden Politik ausbreiten will.

    Und dann wundern sich plötzlich wieder alle - und betrauern die Opfer jihadistischer Terrorakte, die in ihrer Stumpfsinnigkeit, Gefährlichkeit und in ihrem Zerstörungswahn hinter den israelischen Großmachtssüchten, rassistischen und faschistischen Paranoias nichts nachstehen.
    Speziell Muslime, allerdings auch allerlei "sonstige" Flüchtlinge, die von den USA, Europa und Israel um Leben und Land gebracht worden sind, kennen all diese Bilder sehr wohl und wissen, wieviel Verzweiflung und oft genug verzweifelte Wut sie produzieren.

  • Ägypten - und die 21 enthaupteten Kopten in Libyen

    Wohl zumindest in Teilen nicht ganz zu Unrecht beschuldigt die Muslimbruderschaft Ägyptens aus dem Exil heraus, dass nicht wenige der im letzten Jahr verübten Terror- und sonstige Bombenanschläge auf das Konto des augenblicklich wütenden Putschistenregimes gehen.
    Die Bruderschaft führte diverse Male aus, dass derartige Anschläge nicht nur bewusst nicht vereitelt, sondern sogar angezettelt, organisiert und mit Waffen bzw. Sprengstoffen versehen worden sind.

    Der seltsame "Präsident" al-Sisi beschwor bereits kurz vor seiner Machtergreifung im Juni 2013 anhand dreistester Lügen und Horrorgeschichten das Bild eines Landes herauf, das sich vollständig in den Klauen extremistischer Kreise befand und vor allem ein Opfer von außen lancierter Umsturzversuche war.
    Seine Schreierei war lauter, und vor allem genau deshalb ganz wesentlich effektiver als die vielen leisen Stimmen, die ihm entgegentraten und den Beweis dafür erbrachte, wo und wie al-Sisi log.

    Die Zeit unter dem gewählten Präsidenten Mohammed Mursy war eine sehr schlechte für das Militär, das in den vielen Jahrzehnten zuvor recht ungestört seine Politik des Raffens durchziehen konnte. Es war hart für Ägyptens Milliardäre, zumal sie ihren Reichtum nicht mehr vollkommen unbelästigt von Fragen oder Forderungen der Bevölkerung mehren konnten.
    Hosni Mubarak wartete geduldig in seiner Haft und konnte recht zuversichtlich sein, dass nicht nur er und seine Politik, sondern auch seine Gefolgschaft vollständig rehabilitiert werden würde und zurück an die vollen Fleischtöpfe Ägyptens kehren könne.

    So kam es denn ja auch; der Putschist in Kairo hat bereits viele hundert Gefolgsleute des Diktators Mubarak vollständig rehabilitiert - und zur nächsten Wahl tritt, wenig überraschend nur, die vormals heftig beschuldigte Anhängerschaft der alten Mubarak-Seilschaft wieder an:

    Der Stahlbaron Ahmed Ezz tritt an, nachdem er unter durchaus dubiosen Umständen vom ärgerlichen Vorwurf der Geldwäscherei unter Mubarak reingewaschen wurde, der ihm vorübergehend ein Urteil von 10 Jahren Haft eingebracht hatte. Unter al-Sisi kam er gegen Kommission frei - und nun kandidiert er wieder. Er begleitete Mubaraks Regierung für 30 Jahre.

    Hany Sorour, ebenfalls unter Mubarak in dessen Partei NDP Teil des Regimes, stolperte als verantwortlicher Vorstand der Haidylena for Advanced Medical Industries Company über den Skandal bezüglich 300.000 verseuchter Blutspendebeuteln, die tausende von Transfusionsempfängern lebensgefährlich infizierten. Er entkam dem Skandal durch solidarische Mithilfe seiner und Mubaraks Seilschaften. Nicht so der Mitarbeiter, der den Skandal öffentlich machte: Sohair al-Sharqawy verlor seinen Job.
    auch Sorour kandidiert. Natürlich.

    Während wir also beobachten können, wie das alte Mubarak-Regime neu an die Macht drängt, können wir auch die Handschrift Mubaraks wiedererkennen und dann verstehen, weshalb der Putschist al-Sisi die UN auffordert, in Libyen erneut militärisch einzugreifen:

    Die schier unvorstellbare Grausamkeit und Brutalität, mit welcher das Regime in Ägypten augenblicklich längst nicht mehr Muslimbruderschaftmitglieder, sondern sämtliche Kritiker und Oppositionelle verhaftet, foltert und tötet, produziert natürlich wie gewünscht genau die Situation, gegen die das Regime im Rahmen seiner öffentlichen Verlautbarungen angeblich zu Felde ziehen will.
    Längst sind Millionen von Ägyptern, die weder an der Revolution im Januar 2011, noch am Umsturz im Juni 2013 teilgenommen hatten, selbst Ziel von Verdächtigungen, Anklagen, Inhaftierungen und Folter geworden. So ist leicht nachvollziehbar, dass sich gerade durch die Raserei des Regimes extreme und extremistische Gruppierungen bilden und z.T. auch bewaffnen. Der "Präsident" erhält, was er braucht, um die Öffentlichkeit Ägyptens immer stiller, immer leiser zu machen: Terror. Er produziert ihn, weil er ihn selbst verübt.

    Und er hat Erfolg: zumindest eine der wahrhaft bedenklichen, extremistischen Gruppen Ägyptens schwor unter dem Eindruck dieser landesweiten Verfolgung dem "IS" die Treue - und kooperiert mit ihm. Er wird dem "IS" Unterschlupf, Waffen und jedwede Infrastruktur zur Verfügung stellen.
    Al-Sisi hat den "IS" in Libyen nicht etwa wegen der enthaupteten Kopten angegriffen, dies Argument kam ihm letztlich nur zupass, um seine wirkliche Motivation zu verschleiern: Angst.

    Genau die Angst, die er den Ägyptern einpflanzen wollte um sie von Meinungsäußerungen oder gar Kritik abzuhalten, ergreift nun ihn selbst. Er sieht völlig zu Recht in den verrückten Bastarten vom "IS" samt seines grotesk-lächerlichen Karnevalskalifen eine Macht, die ihm selbst in Ägypten ungefähr die gleiche Zerstörung, ähnliche Opferzahlen und furchtbare Hinrichtungen androhen, mit denen er selbst sein Land überzieht.
    Al-Sisi würde keinen Augenblick davor zurückzucken, die Straßen Kairos mit gekreuzigten Muslimbrüdern zu säumen und er hätte überhaupt kein Problem damit, sie, wie im Übrigen natürlich auch Kopten, auf dem Tahrir-Platz öffentlich köpfen zu lassen, wenn er nicht internationale Verdammnis zu fürchten hätte.

    Dabei geht er bereits längst hart an die Grenze; dutzenden von Videos, die die Wahrheit über die offenen Massaker seines Militärs an der Zivilbevölkerung deutlich zeigen, stellte er sich gar nicht - er erwähnt sie mit keinem einzigen Wort und kein einziger Militär- oder Polizeiangehöriger wurde bisher verurteilt.
    Er zeigt der Welt diese Bilder und sagt ihr damit: "Seht her! Das alles kann ich straflos tun!"
    Die Vorwürfe seiner Justiz gegen tausende von Menschen, die er mit lebenslanger Haft und Todesstrafen direkt bedroht, sind so leicht erkennbar irre, grotesk, bizarr und regelrecht wahnsinnig, das man über die Machtfülle des Putschisten mindestens so sehr staunt wie über die Wortlosigkeit der ganzen Welt dazu.

    Und nun veröffentlicht der "IS" seit Monaten seine Pläne und seine erklärte Absicht, auch in Ägypten selbst wüten zu wollen und als erstens die gesamte "Regierung" nebst all ihrer (Sicherheits-) Apparate Wellen schwerster Anschläge aussetzen zu wollen.
    Deshalb schreit der Putschist nach einem UN-Mandat und militärischen Aktionen in Libyen: offenbar hat er an der Strategie der USA, im Ausland möglichst Ausländer für die eigenen Interessen marschieren und sterben zu lassen, Geschmack gefunden. Al-Sisi würde den Konflikt wirklich sehr gern in Libyen und von anderen ausfechten lassen, der ihm in seiner Heimat auch die letzte Maske vom Gesicht ziehen könnte. Ihm ist völlig klar, dass ihm das angedrohte Strafgericht des "IS" schweren und schwersten Schaden zufügen und seine Macht nachhaltig erschüttern könnte. Nicht alles verläuft für al-Sisi nach Plan; zwar hat er der ägyptischen Mehrheit sehr wirkungsvoll Angst gemacht und Schweigen verordnet - aber auch die Bereitschaft zur Teilnahme und Unterstützung an extremistischen Organisationen gefördert. Der "IS" könnte, wenn er ägyptischen Boden betritt, möglicherweise auf breit angelegte Hilfe rechnen. Das würde zahlreiche, schwere und schwerste Bombenanschläge (zunächst nur) auf Regierungsgebäude und Militäreinrichtungen bedeuten und zwänge dem Regime einige Planänderungen ab.
    Man wollte eigentlich ja nur Verhältnisse schaffen, in denen sich ein neues "Mubarak"-Regime etablieren und ungestört unter Abwesenheit von Meinungen und Wahlen verdienen könnte, weshalb man die Bruderschaft zum Schreckgespenst stempelte, selbst Terror verübt und ihm diese "false flag"-Aktionen anderen in die Schuhe schiebt.
    Nun aber ist er tatsächlich da, der islamistische Terror, den man so sehr beschworen hatte ohne sich wirklich vor ihm fürchten zu müssen. Er steht gedanklich bereits vor den Toren Kairos. Auf einmal müssen oder müssten seine Soldaten nicht eingebildete "Islamisten" jagen - sondern sich vor echten fürchten. Seine Militärs sind gegen den echten Islamismus und dem ihm folgenden, umfangreichen Terror gegenüber vollkommen hilflos.

    Al-Sisi selber ist schließlich und immerhin Islamist - und ich wähle mein Wort mit Bedacht. Er hatte, als er in den USA an einer Militärakademie studierte, eine Hausarbeit über die Vorzüge einer islamischen Regierung verfasst und war darin zu dem Schluss gekommen, dass eine bewusst nichtsäkulare Regierungsform eine höchst erstrebenswerte sei. Er ist, zumindest seinen Behauptungen und tausenden und abertausenden Fotos nach, selber ein sehr frommer Muslim (obschon mich die Idee, dass sowas wie er meinen Glauben teilen will, anwidert).

  • Ägypten - Eins zu Null für die Lüge!

    Heute morgen gab der Journalist Björn Blaschke im Radio auf WDR 5 eine "Darstellung" der ägyptischen Verhältnisse und jüngerer Geschichte in Bezug auf den ägyptischen Luftangriff auf Stellungen des "IS" in Libyen ab, wie sie unter den herrschen Umständen zu erwarten war:

    Es handelte sich bei Blaschkes "Erläuterungen" wohl ausschließlich um ein Pamphlet aus Händen der Putschisten, welches er unkritisch schlicht und ergreifend zusammen mit haarsträubenden Fehlern und Falschdarstellungen einfach nur ungeprüft übernommen hat. Er unterschlägt sämtliche Massaker, bei welchen weit mehr als tausend Menschen auf offener Straße einfach abgeknallt worden sind. Kein einziges Wort von den weit mehr als zehntausend Inhaftierten.
    Überhaupt gar kein kritisches Wort. Die vielen hundert Todesurteile aufgrund obskurer Beschuldigungen, für die noch nicht einmal gefälschte "Beweise" vorgelegt werden, sind natürlich auch nicht erwähnt.
    Für all die vielen Opfer ist dies ein Schlag ins Gesicht.

    Man konnte es geahnt haben - und womöglich habe ich so sehr auf die Unbestechlichkeit unserer Medien gehofft, dass ich die deutlichen Zeichen dafür, dass es so und nicht anders geschehen würde, schlicht und ergreifend nicht gesehen habe weil ich sie nicht sehen wollte. Solches geschieht mir höchst selten.

    Vielleicht konnte es geschehen, weil ich in den zurückliegenden zwanzig Jahren einen schleichenden, allerdings leider sehr massiven Rückgang in der Qualität unserer Medienarbeit registriere.
    Der Schlagzeile und der Auflage werden in immer rascherer Abfolge immer mehr journalistische Werte geopfert - übrig bleibt ein Sumpf an Schlagzeilen und Aufmachern, die ausschließlich nur noch Empörung, Hass, Schreierei und sonstige Erregung erzielen will, eben weil sie damit Auflage erreicht.
    Die Recherche wird anderen überlassen oder unterbleibt zwischenzeitlich ganz.
    Da werden nur noch unkritisch und ungeprüft Informationen von Agenturen übernommen oder, wenn sie denn irgendwo vorgefertigt überreicht werden, abgemalt - dabei ist ganz offensichtlich unerheblich, wer hier welche "Informationen" zusammengestellt hat.

    Blaschke wird sich auf Ansprache grundsätzlich immer sehr empören und behaupten, seine Informationen seien "objektiv" und "nachprüfbar". Die Frage würde sich nun ergeben, wer hier bei wem Informationen überprüfen wollte.

    All das aber ist völlig unerheblich, weil der Mechanismus grandios funktioniert: das Wissen der Europäer über globale Vorgänge reicht über die Latte, die unsere Nachrichtensendungen anlegen, keinesfalls hinaus. Nur eine vergleichsweise klitzekleine Elite verfügt über den notwendigen Durchblick - das ist aber genau die Elite, die beispielsweise aus der Schieflage im Nahen Osten generell und womöglich aus den dramatischen Menschenrechtsverletzungen in Ägypten dieser Tage selbst wirtschaftliche und/oder politische Profite zieht!
    Von der wird kaum jemand erwarten, dass sie sich gegen fehlerhafte Berichte wie den von Blaschke zur Wehr setzen würden.

    Im Fazit bedeutet das Niederschmetterndes: die europäische Öffentlichkeit wird journalistische Fehlleistungen wie die von Blaschke aufgrund ihrer latenten Dummheit und ihres Desinteresses nicht als solche enttarnen; wer irgendwann in mittelbarer Zukunft aus welchen Gründen auch immer eine Recherche über die politischen Vorgänge am Nil anstellt und über die Blaschke'sche Fehlleistung stolpert, der läuft Gefahr, sie als wahr anzunehmen und sie zu verwerten.
    Die Geschichte, die der Blutsäufer al-Sisi zu installieren wünscht, wird also Erfolg haben. Schon in wenigen Monaten wird es kaum noch ein Störgefühl geben und die Zahl derer, die sich entsetzt an die vielen Dutzend furchtbarer Filme und Artikel zu den Massakern der Putschisten erinnern wird, sinkt bereits jetzt. Die wenigen nüchternen Stimmen, die sich gegen die Vorwurfskanonade der Putschisten gegen die Muslimbruderschaft gestemmt und nachhaltig entgegengestellte Untersuchungen veröffentlicht haben, sind bereits jetzt völlig untergegangen. Schon heute gilt die moderne Muslimbruderschaft als ein Sammelbecken hasserfüllter, extremistischer Muslime, die nur noch ans Frauensteinigen und Händeabhacken denken können.

    Die Lüge, und mit ihr al-Sisi, hat gewonnen, weil sie sich von Verlagshäusern verkaufen und von Politikern wunderbar in klingende Münze und Macht verwandeln lässt. Sie passt Berlin ganz wunderbar in den Kram; sie scheint all die vielen anderen Lügen, Erfindungen und verzerrte Darstellungen ganz prima zu unterstreichen, die insgesamt Muslime des Nahen Ostens zu dummen Schreihälsen erklären will, die fäusteschüttelnd auf Leichenbergen stehen und außer einem Kopfschuss, Folter und Inhaftierung nichts beanspruchen dürfen.
    Menschenrechte? Na klar! Für alle, außer für Muslime!

    Die deutsche Bevölkerung ist viel zu dumm um die Lüge zu erkennen. Sie ist eine blökende Herde, die mit ihrer "BILD" vollkommen glücklich sind und sich damit für "politisch informiert" oder für fähig dazu hält, eine Meinung zu haben und eine solche äußern zu können.

  • Der "IS" - eine Kreatur Israels und der USA?!

    Es gibt da ein paar äußerst robuste Gedanken- und Faktenverbindungen, die ich hier (um sie nicht zu vergessen, etwa in Form eines "Knotens im Taschentuch") in Stichpunkten darlege:

    Fakten, allesamt nüchtern und objektiv überprüfbar:

    Japan ist nach Statistik der größte Geldgeber des Internationalen Gerichtshofes.
    Palästina hat einen Antrag auf Beitritt zum Internationalen Gerichtshof eingereicht.
    Israel verdammt diesen Antrag und sinnt unverhohlen auf Rache und Bestrafung Palästinas.
    Israel hat verwundete Kämpfer des "IS" in israelischen Krankenhäusern medizinisch behandelt, Benjamin Netanjahu schüttelte dort persönlich die Hand von IS-Kämpfern.
    Nach Zeugenaussagen von IS-Kämpfern zahlen die USA Sold an IS-Angehörige.

    .... es ist angesichts dieser Fakten eine höchst erstaunliche Entdeckung, dass der "IS" plötzlich mit der Enthauptung japanischer Soldaten beginnt.

    Eine erste Fragensammlung dazu:

    Gehorcht der "IS" etwa Israel? Womit unterstützt Israel den "IS", um sich solcher Dienste der Terrorbande zu erfreuen?

    Parallel bemüht sich Israel in der Person Netanjahus, weitere Geldgeber des Internationalen Gerichtshofs von der Zahlung ihrer Beiträge abzubringen - so furchtbar groß ist offenbar die Angst Israels, wirksamen und mit guten Beweisen fundierten Anklagen wegen Kriegsverbrechen gegen Palästina konfrontiert zu werden.

  • Das "Abendland" und seine desorientierten Christenschäfchen

    Da kommt dann mal einer und sagt, was Sache ist.

    (Zitat: SPIEGEL-Online)

    Auch Bremen hat jetzt seinen Hassprediger. Der Mann heißt nicht Abdul, sondern Olaf. Er ist kein Imam in einer örtlichen Moschee, sondern ordentlich bestellter Pfarrer in einer Gemeinde in der Innenstadt. Mitte Januar hat Pastor Olaf Latzel dort eine Predigt gehalten, die Bremen über die Glaubenswelt hinaus so nachhaltig erschüttert, dass sich vom Bürgermeister abwärts alle relevanten Vertreter des politischen Lebens eingeschaltet haben.

    Man führe sich vor Augen, zu welchen Vokabeln hier Jan Fleischhauer greift und welches Bild er zeichnet. Bremen sei "nachhaltig erschüttert", Latzel sei ein "Hassprediger", der, wie Fleischhauer reflexhaft glaubt, extra betonen zu müssen, eben nicht aus einer Moschee käme.

    Da muss man deutlich näher auf die Worte Latzels schauen, als es der Empörer von Berufswegen Fleischhauer hinbekommt. Was sagt Latzel denn da eigentlich so Furchtbares, was unser geliebtes, von Patridioten so leidenschaftlich verteidigtes Abendland dem Untergang preisgibt?

    Latzel hat seine Gemeinde ermahnt, dass es für einen Christenmenschen nur einen Gott geben könne.

    Ja und? 88|
    Nun meint Latzel damit "zufällig" einen anderen Gott als den, den ich jetzt mit Allah im Fokus hätte - aber weder Latzels Gott noch Allah haben bisher auch nur ein Krümelchen Sandstein vom Kölner Dom abgetragen, keinen volksdemokratischen Bundestagswahlzettel zerrissen und keinem (buchstäblich!) Schwein Deutschlands ein halbes Härchen gekrümmt, bloß weil sie keine anderen Götter neben sich haben.

    Also keine Buddha-Statuen mehr auf der Kommode, kein Yoga-Retreat, in dem man im Einklang mit Shiva zu atmen lernt, und auch kein muslimisches Zuckerfest, um seine Verbundenheit mit dem Islam zu demonstrieren.

    Auch hierin erkenne ich nichts, weshalb ich nun an einen unmittelbar bevorstehenden Weltuntergang glauben sollte. Kein einziger Buddhist auf der ganzen Welt würde sich jetzt angesichts meiner Beichte, keine einzige Buddha-Statue in meinem Wohnzimmer zu beherbergen, ins Schwert stürzen. Bisher hat es mich auch noch nicht sonderlich gestört, dass weitaus mehr Muslime muslimische Feste feiern als Christen.
    Nun wäre mir auch nicht unbedingt bekannt, dass Christen christliche Feste am liebsten feiern, wenn die überwältigende Anzahl aller Mitfeiernden aus Nichtchristen besteht.
    Auch vermisse ich alle Anzeichen des Zusammenbruchs des Abendlandes, weil starrsinnige Christen christliche Feiern auch ohne Muslie und Muslime muslimische Feste auch ohne Christen feiern.

    "Wenn ich Christ werde, dann muss Schluss sein mit dem Götzendienst", donnerte er den armen Sünderlein von der Kanzel entgegen.

    Latzel sollte sich vielleicht einmal statt um die Bibel, um den Qur'an bekümmern - so wie er denkt, findet er im Islam womöglich eine behaglichere Gedankenheimat für sich als bei der Evangelischen Kirche.
    Dafür, dass sein Arbeitgeber mit weniger populären Ideen, die sich in ihrem grundlegenden Glaubensverständnis niedergeschrieben und nachlesbar befinden, wegen besser Verkaufsfähigkeit Raubbau betreibt, kann er nichts.
    Die Evangelische Lehre entwickelt sich langsam aber sicher zur Evangelischen Leere; sie versteht sich als Korrektiv der Katholischen Kirche und beabsichtigt, mit ihren Differenzen ein beinah grundlegend anderes Christentum zu leben.
    Sie bemüht sich wie eine ungeschickte Stripperin beim Table Dance, die ihre Grenzen nicht kennt und sich nach allen Textilien nun auch vom körpereigenen Gewebe befreit, bis sie als tanzendes Skelett auf dem Tisch steht, um einen leicht verkaufbaren Schmusekurs.

    Dabei nützt es dem Mann rein gar nichts, dass er auf die Bibel verweisen kann. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben, lautet das erste Gebot. So hat es Moses überliefert, als er vom Berg Sinai hinabstieg - so hat es der Herr seinem Volk als Weisung aufgetragen.

    Hier ringt Fleischhauer um Verständnis für die Empörung der EKD.
    Ich fürchte aber, dass die Position der EKD hier völlig unverständlich ist - und bleiben muss.

    Egal: Der leitende Theologe der evangelischen Kirche in Bremen spricht von "geistiger Brandstiftung", Latzels Ausführungen seien geeignet, "Gewalt gegen Fremde, Andersgläubige oder Asylbewerber Vorschub zu leisten". Bei Radio Bremen haben sie zum "Aufstand" gegen den "Hassprediger" aufgerufen, sogar die Staatsanwaltschaft ist schon eingeschaltet.

    Man fasst sich an den Kopf! :crazy:

    Aber hier reden wir über einen unseligen Mechanismus in unseren abendländischen Birnen, der uns die Verzerrung und Verbiegung all dessen bis zur Unkenntlichkeit erlaubt, woran wir angeblich glauben.
    Denn Martin Luther hat niemals gesagt: "Wenn ihr meine Lehre nur mit mehreren Göttern verkaufen könnt, bitteschön. Übersteigt aber bitte nicht die Zahl hundert und verwendet bitte nicht unbedingt Tierköpfe, wenn ihr sie malt."
    Kein Muslim wird je zu einem "Extremisten" oder "Islamisten" und kein muslimischer Gelehrter würde je zu einem "Hassprediger", bloß weil er von der Kanzel herab seinen Schäfchen Götzendienste verbietet.
    Ein Muslim, der nun kein christliches Kreuz in sein Wohnzimmer hängt, wird dadurch auch nicht zu einem Terroristen. Umgekehrt gilt solches selbstverständlich auch für Christen.

    Die Erfahrung aber lehrt, dass der beschriebene Mechanismus verblüffend gut funktioniert und höchst robust ausgelegt ist. Wir haben ja auch kein Störgefühl, wenn unsere Kanzlerin von "Menschenrechten" faselt, aber wunderbare Staatsfreundschaft zum Folter- und Mörderstaat Saudi-Arabien unterhält, der erschreckend offen zur Verweigerung jeder Gleichberechtigung von Frauen steht und auf öffentlichen Plätzen hinrichtet und verstümmelt.
    Nein - das stört uns nicht.
    Merkel murmelt dann halblaut etwas von "Freunde, die man ertüchtigen" wolle und winkt ab. Geschenkt. Wir wollen doch sowieso nur irgendetwas hören, worauf wir mit Fingern zeigen können. Egal was. Irgendwas eben, nur um unser Gewissen zu beruhigen und denken zu können, dass irgendjemand anderes, aber nicht wir persönlich, an dieser befürchtet schlechten Haltung Schuld trägt.

    Deshalb gönnt sich der EKD auch eine offenstehende Bibel, auf die Latzel völlig zu Recht verweist - aber hier funktioniert der Mechanismus anders herum: niemand steht überzeugt und hart zu dem, woran er als Protestant ja eigentlich glauben müsste, was für ihn eine harte Forderung darstellt, die er umzusetzen habe.

    Kein Imam käme auf die Idee, neben Mohammed weitere Propheten als Verkünder des Koran gelten zu lassen, damit sich Andersgläubige besser fühlen. Tatsächlich nimmt der Islam wenig Rücksicht auf die Konkurrenz, wie seine Missionsbemühungen zeigen.

    Abgesehen von dem etwas dämlichen Seitenhieb Fleischhauers in Richtung "Missionierung", die kaum einer von den insgesamt 1,7 Milliarden Muslimen auf der Welt betreibt, stimmt seine Bemerkung natürlich.
    Ich würde mich köstlich amüsieren wenn mir irgendjemand nahelegen wollte, aus verkaufstaktischen Gründen auf die Betonung des Umstandes, dass Allah nichts und niemanden neben oder gar über sich habe, verzichten sollte.
    Ich hielte dergleichen auch tatsächlich für verlogen und heuchlerisch.
    Natürlich kennt der Islam ebenfalls Stipularien, die Nichtmuslimen "keinen Spaß" machen und ihnen die eine oder andere Party verderben könnten - sie existieren jedoch und haben beachtet und auf Nachfrage deutlich besprochen zu werden. Wenn ein Muslim im Gespräch die Gefahr erkennt, dass ein Nichtmuslim um diese Dinge nicht weiß, so hat er sie zu erwähnen - denn ein guter Teil unserer Ehre als Muslime liegt eben auch darin, fest auch dazu zu stehen.

    Auch der Katholizismus erweist sich als ziemlich stuhlkreisresistent. Zur Bestürzung der übrigen Christenheit hat der Papst gerade daran erinnert, dass leichte Schläge ein Erziehungsmittel sind, mit dem ein guter Vater seine Kinder auf den rechten Weg zurück bringt.

    Selbstverständlich darf ein Papst das! Wenn es denn seiner Meinung, seiner Exegese, seinem Verständnis seiner Bibel entspricht, spirituell also vertretbar für ihn ist - dann muss er dies auch so kundtun.
    Ich stehe ja persönlich (beispielsweise!) auch unverrückbar zur Todesstrafe nebst der Gnade, mit der Angehörige des Mordopfers den Mörder vor der Hinrichtung erretten können, wenn sie es denn wollen. Ich sähe mich auch niemals in der Bredouille, irgendein Gegenüber hiervon überzeugen zu müssen - niemand außer einem Muslimen muss (oder sollte zumindest!) fest daran glauben. Solange die Gesetze Deutschlands keine Todesstrafe zulassen, solange ist selbstverständlich auch mir als deutschem Muslimen innerhalb deutscher Grenzen nicht möglich, sie im konkreten Fall zu fordern - so einfach ist das.

    Der westlichen Säkularreligion ist der Spott über Gott heilig, weshalb sie den Schmerz der Katholiken und Muslime über die Verhöhnung ihres Glaubens nur mit Achselzucken quittiert. Aber wehe, jemand reißt einen Witz über Frauen, Lesben oder Schwule. Dann hört auch hier der Spaß schlagartig auf, und es droht dem Ketzer die soziale Hölle.

    Hier irrt Fleischhauer - aber leider ganz gewaltig.
    Die Verrenkung des "Abendlandes", der von mir beschriebene Mechanismus, arbeitet konsequent: selbst die widerlichsten Frauenwitze sind selbstverständlich zugelassen und werden auch gerissen, solange keine Frau dabei ist. Man tuschelt sich in Männerkreisen selbstverständlich zu, dass Frauen hierzu und dazu viel zu dumm und unfähig sind, weil ihnen halt das gewisse Etwas zwischen Kniescheibe und Bauchnabel fehlt. Viel zu viele Männer glauben an diese "Weisheit" und sie richten sich auch danach - bloß offen kommuniziert wird das nicht.
    Wer das nämlich tut, wird öffentlich wie offiziell sozial und medial sofort hingerichtet. Und auch diejenigen führen das Schwert, die noch wenige Biere vorher Hässlicheres und Widerlicheres gegröhlt haben. Sie haben es aber hinter verschlossenen Türen getan - und nur das macht den Unterschied im Abendland!

    Der "Spaß" hört nicht etwa auf, wenn ein vorgeblicher Sexist "enttarnt" wird, sondern eigentlich fängt er dann erst an. Denn eine derartige Hinrichtung bietet die vorzügliche Gelegenheit, sich selbst als vorgeblich treuen Anhänger moderner Ideen darzustellen und je tiefer ein Denunzierter in die Hölle getreten wird, desto höher klimmt man selbst.

    Auch der Evangelikale aus Bremen steht mit seinem Glaubensverständnis Menschen, denen es mit ihrer Religion ernst ist, sehr viel näher, als sich das seine Oberen träumen lassen. Es ist bezeichnend, dass sich vor allem die Spitzen der evangelischen Kirche von seiner Predigt herausgefordert sehen. Bei der Konkurrenz begegnet man dem Feuerkopf eher mit Nachsicht; jedenfalls ist bislang kein Imam oder Priester aufgetreten, der an Latzels Ermahnungen zur Glaubenstreue Anstoß genommen hätte.

    Nein. Natürlich nicht.
    Wenn Fleischhauer sich hier bewusst auf Imame bezieht, dann verkündet er hier keine Neuigkeit und nichts, was anders zu erwarten gestanden hätte.
    Wir Muslime haben diese "abendländische Verrenkung" und gummihafte Beliebigkeit nicht im Herzen und nicht im Kopf. Wir stehen auch zu einer Vielzahl von Ge- wie Verboten innerhalb unseres Glaubens, die Nichtmuslime zu Spott, Hass, Verwunderung und/oder Ablehnung führen würden.

    Und häufig ist es sogar Neid.

  • Islam und Judentum - Marokko zeigt, wie es geht!

    Mir war persönlich noch nie klar, weshalb Juden und Muslime wechselseitig Ressentiments gegeneinander hegen sollten und ich habe mich grundsätzlich immer dagegen zur Wehr gesetzt.
    Kräfte, die unsere beiden Glaubensrichtungen auseinandertreiben wollen, dienen nur ihren eigenen Machtinteressen - und verletzen damit ihre eigene Religion.

    Während eine stinkende und dumme, leider aber militärisch überwältigende Kraft im Mittelalter die viele Jarhunderte währende Einheit zwischen Juden und Muslimen in Spanien auseinandergetrieben hatte, geschah durch den Druck der Weltpolitik ähnliches in anderen Regionen der Welt - und nie kam etwas auch nur Erträgliches dabei heraus.

    Heute entsteht in Granada, auf dem Boden des alten al-Andalus in Spanien, in Frieden erneut eine muslimische Enklave und man erinnert sich an ganz erheblich glücklichere Zeiten zurück.

    Al-Sharq berichtet hingegen von der sehr bewusst von Marokko betriebenen Entwicklung, dort wieder zu uralten, fruchtbaren und wunderbaren Verhältnissen zurückzukehren:

    Essaouira, am achten Tag des Chanukka-Festes: Wenig deutet darauf hin, dass die windige Hafenstadt am Atlantik einst mehrheitlich von Juden bewohnt war. Bis in die 1960er Jahre lebten hier Juden, Christen und Muslime Seite an Seite. Heute gibt die einst florierende Mellah, das jüdische Viertel, ein verwahrlostes Bild ab. Zumindest auf den ersten Blick: Denn hinter den heruntergekommenen Fassaden arbeiten Stiftungen, der Staat und muslimische Freiwillige an der Restaurierung der beiden bedeutendsten Synagogen der Stadt.

    Man sollte allein diesen Halbsatz wie eine neue Fahne erheben und der Welt zeigen:

    " ..... der Staat und muslimische Freiwillige an der Restaurierung der beiden bedeutendsten Synagogen..."

    Gemeinhin werden für den dramatischen Schwund an jüdischer Bevölkerung in Marokko zwei Faktoren genannt: zum einen zog Israel mit seiner sehr offensiven Zuwanderungswerbung in den 60'er Jahren viele hunderttausend Juden an und zum anderen setzte der seinerzeit regierende Monarch, König Hassan II, diesem Trend nichts oder aber viel zu wenig entgegen.

    Ich sah selbst vor wenigen Jahren noch eine Dokumentation, in welcher sich alle Muslime, deren Familien traditionell Haus an Haus mit jüdischen Familien gelebt haben, über diesen Fortzug bitter beklagten und ihn tief bedauerten. Alle Interviews wiesen immer die gleichen Gemeinsamkeiten auf: man entsann sich noch des entspannten Lebens, der allein dadurch verdoppelten Freude, weil man gewöhnlich alle Feiertage beider Religionen beging - so feierten Muslime jüdische und Juden muslimische Feste, man saß zusammen, aß, lachte, und die Kinder von damals sind die Erwachsenen von heute, die die Abwesenheit jüdischer Gemeinden bitter beklagen.

    Nun krempeln sich tausende Muslime in Marokko die Ärmel hoch, greifen zum Werkzeug, um die ehemals jüdischen Häuser zu renovieren, neu zu beleben und für den neuen Zuzug von Juden zu werben. Es finden Schulungen und Führungen statt, und die Kinder Marokkos von heute lernen ein Land kennen, was beinahe versunken wäre.

    „Die Großeltern vieler Kinder berichteten von einem insgesamt friedlichen Miteinander der Religionen. Das eigentliche Ziel, die Unterschiede zwischen den Religionen aufzuzeigen, wurde ganz automatisch ersetzt durch die vielen Gemeinsamkeiten, die die Schüler entdeckten.“

    Das ist gar keine staunenswerte oder etwa neue Entdeckung; wer sich als Jude und als Muslim seinem Glauben ernsthaft nähert und nicht in nachgeplapperten "Weisheiten" versteinert, dem bleibt nichts anderes übrig als die überwältigende Menge von Ähnlichkeiten, Gemeinsamkeiten, gleichen Sehnsüchten und Ängsten bis hin zum gleichartigen Humor und Witz festzustellen.

    Marokko galt quer durch die Jahrhunderte als bestes Beispiel für Entkrampftheit und gegenseitiger Zuneigung - bis hin zum miteinander Teilen der Riten:

    Ein Foto aus den 1960er Jahren, das ein älterer Bewohner Essaouiras bei sich gefunden hatte, wiederum beeindruckte auch Sheppard selbst. Es zeigt eine Gruppe von Muslimen und Juden in der Medina, die gemeinsam für Regen beten.

    .... Und wie natürlich nicht anders zu erwarten, fuhr kein zorniger Jahwe, kein wütender Allah auf die Gläubigen hinunter. Es dürfte umgekehrt gewesen sein: diese Muslime haben Allah noch richtig verstanden.

    Der König von Marokko, Mohammed VI., gilt völlig zu recht als moderater, progressiver Herrscher; er ist angetreten, sein Land durchgreifend zu reformieren und von orthodoxem Unsinn zu befreien, der im Namen des Islam auch in Marokko Fuß fassen konnte. Ganz kurz, nachdem er 1999 den Thron übernommen hatte, gab er seinem Land ein international anerkanntes und standardisiertes Menschen- und Frauenrecht. Über Nacht erhielten die Frauen in Marokko eine Gleichberechtigung vor dem Gesetz und in der Gesellschaft. Er hob den verhassten Geheimdienst seines Vaters auf - und erkannte persönlich vielen Opfern dieses Geheimdienstes sehr großzügig bemessenen Schadensersatz zu, wobei er sich ebenfalls persönlich bei den Opfern selbst oder bei deren Angehörigen für die Verbrechen seines Vaters entschuldigte.

    Unter seiner Hand werden überall in Marokko wieder jüdische Siedlungen und Gemeinden aufblühen, dem Land zu seiner Farbigkeit und Freundlichkeit zurückverhelfen und ein Zeichen in die Welt senden wie es nicht nur sein kann, sondern auch sein muss: das Zusammenleben von Muslimen und Juden.
    Der engste Berater des Königs ist, wie es seit Jahrhunderten Tradition in Marokko ist, ein Jude.

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